Time Machine, The

USA, 96min
R:Simon Wells
B:H. G. Wells,David Duncan, John Logan
D:Guy Pearce,
Samantha Mumba,
Omero Mumba,
Jeremy Irons
L:IMDb
„Man kann die Vergangenheit nicht verändern.”
Inhalt
Der Wissenschaftler und Erfinder Alexander Hartdegen (Guy Pearce) will beweisen, dass Zeitreisen möglich sind. Ein persönlicher Schicksalsschlag verwandelt seinen Ehrgeiz in schiere Verzweiflung: Sie treibt ihn umso unerbittlicher an, seine Erfindung zu vollenden und in die Vergangenheit zu reisen, um dort dem Lauf der Dinge eine neue Wendung zu geben. Als er die von ihm konstruierte Zeitmaschine ausprobiert, wird Hartdegen 800.000 Jahre in die Zukunft katapultiert. Dort muss er entdecken, dass die Menschheit in zwei Lager gespalten ist: die Jäger und die Gejagten.
Kurzkommentar
"The Time Machine" ist ein dümmlicher Actionfilm gemixt mit ein bisschen SciFi. Jegliche Inspiration aus der Ursprungsversion muss wirkungslos verpufft sein. Das Drehbuch ist absolut schrecklich und unlogisch, lediglich die aufwendigen Sets könnte man loben.
Kritik
Wer braucht diesen Film? Visuell und vom Thema her ist "Time Machine" alles andere als weit vom "Planet der Affen" entfernt. Die Rettung unterdrückter Menschen in einer horrend verlaufenen Zukunft war bereits früh Motiv für SciFi Bücher und wurde auch im jungen SciFi Kino immer wieder aufgegriffen, auch die Ursprungsversion der Zeitmaschine von 1960 basiert darauf. Anders als im Planet der Affen ging es allerdings nicht in erster Linie um einen Freiheitskampf sondern um die Faszination in die Zukunft blicken und reisen zu können. Die Kombination dieser beiden Themen ist die Grundlage für den Klassikerstatus der "Zeitmaschine" in Buchform und als Film.

Im Original war und ist der Anfang besonders reizvoll durch seinen ernsten Blick auf die Zukunft. Man sieht Kriege, kann daraus ableiten, dass die Menschheit den optimistischen Aussichten zur Jahrhundertwende nicht gerecht wird. In der Neuauflage spielt die Reise ins neunhunderte Jahrtausend nur eine sehr kleine Rolle, ein kurzer Ausritt in die Gegenwart, ein Abstecher in unsere nahe Zukunft, die absolut grauenhaft aussieht, das wars dann schon an Entdeckerdrang. Die Liebesgeschichte, die man als Auslöser für die Zeitreisen ins Spiel brachte, wirkt von Beginn an absolut unglaubwürdig und wird spätestens beim Rettungsversuch zur völligen Lachnummer. Hartdegens Faszination mit den Eloys lässt sich nur sehr schwer nachvollziehen, da er anders als im Original nur zufällig in diese Zeit kam. Der Hauptcharakter in der Urversion, George, reiste lediglich soweit in die Zukunft, weil er durch einen ihn umschließenden Berg am früheren Aussteigen gehindert wird.

Die vorher heiß diskutierte Szene, in der der Mond auf die Erde stürzte, erinnerte fatal an die Effektshows die man in Filmthemenparks zu sehen bekommt. Offenbar wurde nun doch entschärft, der Zuschauer bekommt nämlich überhaupt nicht mit, was ein Schauer von Mondgesteinsbrocken in einer Stadt wie New York anrichtet. So ein Ereignis verlangt einfach nach Szenen, wie man sie aus "Deep Impact" oder "Armageddon" kennt, Luftaufnahmen von der Skyline, in denen man das Ausmaß der Verheerung eindeutig erkennen kann. Da der Film in New York spielt, entschied sich Warner wie immer für die scheinbar sicherere Variante, nämlich alles ansatzweise Unpassende radikal rauszuschneiden.

An anderen Stellen gab es doch viel mehr Bedarf für einen Radikalschnitt. Jeremy Irons outet sich als geldgeiler Hampelmann, schafft es in kanpp 5 Minuten Filmauftritt seine katastrophal lächerliche Leistung in "Dungeons & Dragons" nochmal um zwei Stufen zu unterbieten. Der Ruf mag dahin sein, aber wenigstens seine Brieftasche dürfte nun gut gefüllt sein. Guy Pearce enttäuscht auf der ganzen Linie, mit "Memento" war er auf dem besten Wege zu einem angesagten Independent Schauspieler zu werden, aber hier agiert er vollkommen lustlos. Dann wär da noch die irische Sängerin Samantha Mumba die sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt, lediglich Orlando Jones' kurze Auftritte verschaffen Erleichterung. Die Eloy sehen aus als wären sie aus Steven Spielbergs Nimmerland entflohen, die Morloks sind ihren Urvätern vom Design her sehr ähnlich. Das war jedoch kein Kompliment, die Masken könnten aus einem 60er Jahre Film stammen und erinnern mehr an Faschingsfanatiker als an Menschen (man möge es mir nachsehen).

Das Design der Zeitmaschine dagegen ist edel, viele Details hat man sich direkt von der Originalmaschine abgeschaut. Die visuellen Effekte sind auf der Höhe der Zeit und auch der einzige Teil des Films, dem man das Budget von 80 Millionen US Dollar ansieht, wenn man mal von den attackierenden Morloks absieht. Die Setdesigns sehen auch sehr schön aus und versprühen ein wenig "Waterworld" Charme, was für die meisten Leute wohl eher ein negatives Attribut sein dürfte. Als echte Locations würden sie aber nie im Leben durchgehen, dafür gibt es einfach zuviel Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den merkwürdigen Gebilden. Bei der finalen Begegnung mit den Borg, pardon, den Morloks verliert die Zukunftswelt endgültig jeglichen Reiz. Wer möchte bitteschön 900.000 Jahre unter der Erde in Steinhöhlen leben, in denen es außer einem Thron keine Einrichtungsgegenstände gibt? Und das ist nur ein kleineres der zahllosen Logikprobleme des Scripts. Die mehr als lahmen Actionszenen sind keiner Erwähnung wert.

"The Time Machine" ist eine Beleidigung sowohl für den Originalfilm als auch für die Romanvorlage von H.G. Wells. Dass da ein Urenkel von Wells Regie führen durfte, macht die Sache nur noch schlimmer. "Die Zeitmaschine" 2002 ist Stückwerk, das nicht ansatzweise Stil besitzt. Realfilmneuling Simon Wells, der bisher nur bei Don Bluth Trickfilmproduktionen Regie geführt hat, erlitt 19 Tage vor Drehschluss einen Schwächeanfall. Er wurde daraufhin prompt ersetzt, als ob er eine austauschbare Marionette wäre. Warner Bros hat in ihrem Remakewahn (auch zu verfolgen in der Kolumne "Remake This" auf AICN) ein grotesk schlechtes Machwerk produziert, dass sich nicht ansatzweise mit Klassikern wie der originalen "Zeitmaschine" messen kann sondern eher in der Liga von 50er Jahre B-Movies wie "This Island Earth" (deutsch: "Metaluna 5 antwortet nicht") spielt.

Abgrundtief schlechtes Remake eines Klassikers


David Hiltscher