Beautiful Mind, A

USA, 136min
R:Ron Howard
B:Akiva Goldsman, Sylvia Nasar
D:Russell Crowe,
Jennifer Connelly,
Ed Harris,
Paul Bettany
L:IMDb
„Being nuts without having fun is no fun at all”
Inhalt
Erzählt wird das äußerst dramatische Schicksal des Genies und Mathematikers John Forbes Nash, Jr. (Russell Crowe), basierend auf Ereignissen in seinem Leben. Der gutaussehende und hochgradig exzentrische Mann macht bereits in jungen Jahren eine erstaunliche wissenschaftliche Entdeckung - und steht kurz davor, internationale Anerkennung zu gewinnen. Doch sein kometenhafter Aufstieg in die intelektuelle Stratosphäre erfährt eine dramatische Wendung, als Nashs intuitives Genie von der Schizophrenie bedroht wird. Nun muss er sich Herausforderungen stellen, die schon viele andere Menschen vor ihm zu Fall gebracht haben. Doch mit der Hilfe seiner Frau Alicia (Jennifer Connelly) kämpft Nash gegen die Krankheit.
Kurzkommentar
Ron Howard ("The Grinch") schustert mit der Biographie eines paranoiden Exzentrikers ein gradliniges Star- und Oscarvehikel. Russell Crowe besticht plangemäß als wahngeplagter Rechenjunkie und die sonst zu weichzeichnend blasse Inszenierung rettet sich in der brilliant wirksamen, wenn auch effekthascherischen Umsetzung der Schizophreniethematik.
Kritik
Verrückte haben in Hollywood keinen leichten Stand. Damit sie für das große Kino als übermenschliche Rührfiguren taugen, muss ihnen neben Genialität noch Verschrobenheit anhaften. Sympathieträger sind sie zudem auch nur dann, wenn ihre Unnormalität noch immer normal, nicht radikal und nicht beunruhigend ist. Statt haltlosem Sturz in seelische Abgründe droht Oberflächenwahn, gebändigt womöglich durch Kitsch und jede Menge Sentimentalitäten. Appelliert wird dabei weniger an Verstand als an Gefühl, vor allem an das der Oscarjuroren - mit Erfolg, "A Beautiful Mind" ist gleich mit acht Nominierungen überschüttet worden.

So wirkt die Biographie über den heute noch lebenden, 73-jährigen Mathematiker John Nash, der jahrzehntelang gegen schizophrene Paranoia kämpfte, als berechnendes Oscarvehikel: Regisseur Ron Howard ist nach dem letztjährigen Weihnachtsschlager "The Grinch" gerade in den USA außerordentlich populär, Russell Crowe seit seinem Triumph mit "Gladiator" gleich auf die zweite Trophäe in Folge scharf. Howard ("Apollo 13") steht für Gradlinigkeit, Weichspülinszenierung und formale Brillianz, der Australier Crowe in seinem nunmehr 27. Film immerhin für das Beste, was aus Hollywood an Schauspiel momentan zu erwarten ist.

Dass in dieser Zusammenkunft, ganz auf den Massenerfolg zugeschnitten, kleine, nicht opportune "Unebenheiten" in der Biographie des realen John Nash ausgebügelt würden - so dessen homosexuelle Neigungen und die Tatsache, dass sich seine Frau früh von ihm trennte -, war zu befürchten. Das würde nur irritieren. Es geht ja auch nicht um psychologische Glaubwürdigkeit oder Authentizität, und schon gar nicht um Mathematik, den Todesstoß für jede Dramaturgie. Die Chance auf Substanz wird auch gleich von Beginn an verspielt, wo Glattmacher Howard das junge Mathegenie mit Sozialphobie an der Eliteuni Princeton auftauchen, aber kein Wort über dessen Vergangenheit und Herkunft fallen lässt.

Stattdessen wird aus dem Nichts heraus der kauzig schräge Einzelgänger typisierend abgearbeitet, die Bewegungsmuster von Tauben berechnend und krampfhaft von seiner Bestimmung zur Genietat überzeugt. Man mag Crowe hier in dem Versuch, gleichzeitig verschüchtert und linkisch zu wirken, ein leichtes "Overacting" ankreiden, nach der starken Heldenrolle in "Gladiator" fasziniert diese gänzlich andere, intensivere Präsenz jedoch von Beginn an. Der Drehbuchautor Akiva Goldsman enttäuscht nun dadurch, dass die Simplifizierung von Nashs Charakter soweit getrieben wird, dass er selbst kaum zu greifen scheint.

Wie jedoch andererseits die formalen Mittel des Kinos genutzt werden, um das wenig erschöpfte Thema von Schizophrenie und Paranoia für den Mainstream aufzubereiten, das lässt aus "A Beautiful Mind" trotz aller Konvention und sentimentaler Tendenz noch einen guten Film werden. Im Kino, wo die subjektive Realitätswahrnehmung des Einzelnen ohne weiteres als allgemeine Wirklichkeit verkauft werden kann, sehen wir Nash und gleichzeitig allein durch ihn. Doch das wissen wir, wenn er in Princeton zum ersten Mal seinen Zimmergenossen (Paul Bettany ("Ritter aus Leidenschaft") erneut sagenhaft) begegnet, eben noch nicht. So erscheint auch die szenische Wendung, die das Zahlengenie während des kalten Krieges ins Pentagon zur geheimen Mission einlädt, überspitzt, aber noch unzweifelhaft. Von billigen Spionagefilmen sind die Sehgewohnheiten schließlich mit allem vertraut.

Mit diesen spielt die Perspektivierung, die Nashs wachsende Paranoia zuerst noch als in der Realität fußend verkauft. Der verliert jedoch früh den Kontakt zu ihr und sich selbst in seinen paranoiden Wahn. Dessen Bilder, bewusst nach den schlechtesten Stereotypen alter Agentenschinken konzipiert, wirken zunehmend entgeisternd und plakativ, bis beim Erwachen im Irrenhaus erst ziemlich spät klar wird, dass die Filmrealität des Zuschauers Nashs Trugbildern erlag. Als solches gibt Ed Harris mit sehenswertem Schlapphut die üblich souveräne Vorstellung. Nachdem die Realitäten jedoch klar voneinander geschieden sind, ist auch die Trumpfkarte weitgehend verspielt. Crowes Leistung bleibt zwar über alle Zweifel erhaben und trägt die Szenen unprätentiös weiter. Während James Horner den Klangteppich aber immer dichter webt, geht die Faszination doch erheblich baden.

Was das Leben des "wirklichen" Nashs nicht schrieb, holt das schöne Drama Hollywoods mit ordinärem Pathos nun nach: Jennifer Connelly ("Dark City", "Requiem for a Dream") mimt die nicht zu erschütternde, schöne Liebe in der einen Realität des Schizophrenen. Dass ihre Kraft am Ende siegt und alle Fiktionen mit Ignoranz straft, dass die sonst staubtrockene Stimmung der Nobelpreisverleihung ausgerechnet vom Preisträger für Wirtschaftswissenschaften mit dem rührigen Appell, das Rationale im Irrationalen finden zu wollen, in tiefen Schwulst gestoßen wird, ist gesetzlich unvermeidlich. Doch trotz dieses gradlinigen Absturzes und der Tatsache, dass der Funke des Paranoiden niemals überspringt, gehört "A Beautiful Mind" im Ganzen zu Howards sehenswertesten Werken. Es bleibt aber eher das Verdienst des außergewöhnlichen Hauptdarstellers.

Plattes Schizodrama, dank Darsteller und Erzählkniff gelungen


Flemming Schock