Thirteen Days

USA, 145min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Roger Donaldson
B:Ernest May,Philip Zelikow, David Self
D:Shwan Driscoll,
Kevin Costner,
Bruce Greenwood,
Drake Cook
L:IMDb
„Those damn Kennedys are going to destroy the whole country if we don't do something about this!”
Inhalt
Dreizehn Tage dauerte die Kubakrise, die die Welt 1962 an den Rand einer Atomkatastrophe führte. Aus der Sicht von Kennedys politischem Berater Kenny O'Donnell (Kevin Costner) wird berichtet wie Präsident John F. Kennedy (Bruce Greenwood), Generalstaatssekretär Robert Kennedy (Steven Culp) und er mit dieser explosiven Situation umgingen. Dabei spielt nicht nur die Reaktion der Amerikaner eine entscheidende Rolle, sondern es wird ebenso eindringlich von den Probleme innerhalb der amerikanischen Regierung erzählt: den Kampf von Kennedy und seinen nächsten Beratern mit dem Pentagon und der CIA, einen Militärangriff auf Kuba zu verhindern, der einen Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion hätte auslösen können.
Kurzkommentar
So richtig packend ist "Thirteen Days" leider nicht, aber doch überraschend neutral und verhältnismäßig intelligent geschrieben. Außerdem gelingt es Regisseur Donaldson recht überzeugend, die Drucksituation aller Beteiligten hervorzuheben und den damaligen diplomatischen Kraftakt gut umzusetzen. "Thirteen Days" hat durch seinen actionlosen, dialoglastigen Stil beinahe dokumentarischen Charakter und empfiehlt sich ruhig mal in Schulenklassen bzw. Oberstufen gezeigt zu werden.
Kritik
17. April, 1961: Exilkubaner starten eine Invasion in der Schweinebucht auf Kuba - versorgt mit Waffen, Schiffen und CIA-Ausbildern, die sie von der amerikanischen Regierung bereits vor John F. Kennedys Vereidigung zum Präsidenten der USA bekommen haben. Aufgrund der starken Gegenwehr der Truppen Fidel Castros scheitert die Invasion jedoch und wird militärisch und politisch zum Fiasko. Dies bedeutet nicht nur für Präsident Kennedy eine ernste und eine persönliche Niederlage, die sein Image als Volksliebling zumindest temporär geschädigt hat, sondern bewirkt auch eine noch engere Zuwendung Kubas an die UdSSR.

16. Oktober 1962: als Luftaufklärer auf Kuba einige sowjetische Mittelstreckenraketen mit Nuklearsprengköpfen entdecken, beginnt eine Krise sondergleichen. Die Raketen, die mit einer Reichweite von bis zu 3500km selbst Ziele wie New York, Chicago und Washington bedrohen können, werden eindeutig identifiziert und die USA sieht sich konkret von den Russen bedroht. Verschiedene Möglichkeiten werden in Betracht gezogen, letztendlich kristallisieren sich aber lediglich zwei Optionen heraus: ein sofortiger Luftangriff auf Kuba inkl. anschliessender Invasion oder eine 800km lange Seeblockade und bei Nicht-Reaktion seitens der UdSSR ein drohender Luftschlag. Kennedy und seine Berater wollten schnell handeln - eine weitere Niederlage wie '61 in der Schweinebucht war inakzeptabel. Doch man war sich bewußt, daß ein Luftangriff auf Kuba zwangsläufig einen Gegenangriff starten würde - vermutlich auf West-Berlin. Und damit wäre nicht nur ein Welt- sondern höchstwahrscheinlich auch ein Atomkrieg entzündet worden.

Genau zum 16. Oktober setzt nun "Thirteen Days" ein und schildert mit -gerade für Hollywood-Verhältnisse- akkurater Historientreue die diplomatischen Schwierigkeiten rund um John F. Kennedy und den Stab des Weißen Hauses. Regisseur Roger Donaldson, dessen letzte Filme nicht gerade durch überragende Qualität glänzten ("The Getaway", "Species", "Dante's Peak"), gelingt es dabei durchaus ansprechend die einzelnen Tage der Krise ins Gleichgewicht zu bringen und das wirklich gute Drehbuch von David Self solide zu inszenieren. Dessen Recherchen gingen angeblich soweit, ganze Passagen von Originalaufnahmen aus dem Weißen Haus mit ins Drehbuch einzubinden, um höchstmögliche Authenzität zu gewährleisten. Um ehrlich zu sein nehme ich ihm das sogar größtenteils ab - in "Thirteen Days" wird niemand heldenhaft hervogehoben oder klischeehaft runtergemacht. Auch die geringe Dosis Patriotismus fällt positiv auf - trotzdem wir hier natürlich nur die US-Sicht der Dinge vorgesetzt bekommen. Dank Donaldson und dem Drehbuch wirken die Dialoge echt, die Inszenierung glaubwürdig und die Charaktere adäquat - soweit ich das jedenfalls beurteilen kann.

Donaldson gelingt es wirklich gut den Druck, der auf Kennedy und seinen Mitpolitikern lastet, deutlich zu machen, ohne die USA als Alleskönner hochzustilisieren oder die UdSSR als hinterhältige Bastarde abzutun. Klar, daß die wenigen russischen Schauspieler nicht ganz unbelastet wirken, aber das bleibt alles im erträglichen Rahmen. Der gemeinsame Kraftakt, die Überwindung, die es beide Seiten kostet, vor der anderen "Supermacht", wie es immer so bescheiden heißt, in wenn auch geringem Maße zu kapitulieren kommt eindrucksvoll rüber und ich war doch ziemlich angetan von der Art und Weise wie diplomatisch Autor David Self die Ereignisse schildert. Das wird besonders deutlich, als O'Donnell Robert Kennedy die sowjetische Botschaft besuchen. Da schneidet die Kamera blitzartig auf das russische Emblem, das eine verängstigte Sekretärin an ihrem Kragen trägt und man befürchtet Donaldson würde auf dumme, eindimensionale Weise Stellung beziehen, aber wenn die Dame schließlich zitternd fragt "Who are you ?" beweisen die Filmemacher einmal mehr, wie wichtig ihnen eine faire Darstellungsweise war.

In dieser fast spannungslosen Fairness, die Donaldson gelegentlich an den Tag legt, hat "Thirteen Days" allerdings auch seinen größten Kritikpunkt: der Film ist relativ lang und sehr dialoglastig, weshalb es zwischendurch ganz einfach langweilig wird. Grob geschätzt spielen sich fast 50% des Films im Weißen Haus ab, was natürlich wenig zu erfrischender Abwechslung beiträgt, dafür aber die wenigen Actionsequenzen, allen voran die Aufklärungsflüge, umso packender wirken läßt. Trotzdem: wir haben es hier nicht wirklich mit einem actionreichen Politthriller zu, sondern eher mit einem möglichst akkuraten Nachbau der damaligen Situation und ich behaupte einfach mal, daß dafür das richtige Gespür aufgebaut wird. Unter der Regie Oliver Stones', dessen "JFK" sich hier als Vergleich geradezu aufdrängt, wäre "Thirteen Days" sicherlich weitaus offensiver geworden, aber wohl nicht so "echt". Muß ja auch mal sein.

Ein Wort aber noch zu den Schauspielern: sehr gut. Man mag über Costner denken, was man will, seine Minimalmimik und sein Bostoner-Akzent decken sich hier perfekt mit dem Charisma des direkten, ehrlichen Beraters O'Donnells - ich kann mich an keine Rolle erinnern, die ihm besser zu Gesicht gestanden hat. Das gleiche gilt auch für Bruce Greenwood (als JFK) und Steven Culp (als sein Bruder Robert "Bobby" F. Kennedy), die die Kennedys wirklich toll verkörpern und den Mythos, der sich förmlich um den Präsidenten und seine Familie aufgebaut hat, überzeugend rüberbringen können; Respekt.

Noch ein kleiner Blick aus heutiger Perspektive: im deutsch-historischen Museum von Berlin befindet sich das Cover der "Spiegel"-Ausgabe Nr.44 von 1962. Es zeigt den kubanischen Staatschef Fidel Castro arm in arm mit dem sowjetischen Staatschef Nikita S. Chruschtschow. Zum Veröffentlichungszeitpunkt (30. Oktober '62) war die Kuba-Krise bereits zwei Tage beendet - nach dreizehn schweren Tagen der Drohungen, Ängste und Diplomatie. Beide Politiker, Chruschtschow und Kennedy, bemühten sich ihr Gesicht zu wahren und selbstverständlich interpretierte jeder den Ausgang der Krise als Sieg für das eigene Land. Letztendlich haben beide Mächte zurückstecken müssen: die UdSSR hat ihre Raketen abziehen lassen und die USA ihrerseits Raketenstellungen in der Türkei aufgegeben. Das Schicksal Kennedys ist bekannt, Chruschtschow wurde ein Jahr später ebenfalls gestürzt, u.a. wegen der Kuba-Krise.

Aber Geschichte ist letztlich dazu da, Parallelen zur heutigen Zeit zu ziehen und aus vergangenen Fehlern zu lernen. Was folgte, waren 1963 die Legung des "heißen Drahts", also der direkten Kommunikationsverbindung zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml in Moskau, sowie diverse Abkommen und das Versprechen, fortan direkte Konfrontationen zu vermeiden. Der kalte Krieg hatte seinen Höhepunkt erreicht und in den Folgejahren kämpfte jedes Land "für sich allein", so bissig sich das anhören mag. Die USA griffen in Vietnam ein und die UdSSR kämpften mit Problemen an der chinesischen Grenze 2). Das positivste Ergebnis der Kuba-Krise war jedoch die simple Erkenntnis, wie gigantisch die Gefahr eines Nuklearkrieges ist und daß unter allen Umständen Abrüstungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen. Heute, fast 30 Jahre später, dürften sich die wenigsten Bürger dieser Gefahr bewußt sein. Zeit für eine neue Krise - oder wenigsten dafür, sich diesen Film anzusehen und anschließend darüber nachzudenken.

Realistisches, intelligentes Politdrama, aber lediglich solider Thriller


Thomas Schlömer