Begegnung des Schicksals
(Random Hearts)

USA, 133min
R:Sidney Pollack
B:Warren Adler,Darryl Ponicsan
D:Harrison Ford,
Kristin Scott Thomas,
Charles Dutton
L:IMDb
„Hey, das ist doch nur´n Ehebruch”
Inhalt
Dutch Van Den Broeck (Harrison Ford), ein Washingtoner Polizist für interne Angelegenheiten, und Kay Chandler (Kristin Scott Thomas), eine Kongressabgeordnete, die gerade mitten in einer Wiederwahlkampagne steckt, glauben zu wissen, was Vertrauen bedeutet. Ihre Karrieren hängen davon ab. Ihre Ehen sind darauf gegründet. Als jedoch bei einem Flugzeugabsturz ihre beiden Ehepartner ums Leben kommen, ist das erst der Anfang einer Reihe von Enthüllungen: Denn wie sich nach und nach herausstellt, hatten Dutchs Frau und Kays Mann ein Verhältnis miteinander. Konfrontiert mit dieser schmerzvollen Wahrheit, führt das Schicksal zwei völlig unterschiedliche Menschen zueinander, die der selbe Betrug miteinander verbindet.
Kurzkommentar
Was sich Regisseur Sidney Pollack ('Jenseits von Afrika', 'Die Firma') bei diesem trübseligen Langweiler gedacht hat, ist rätselhaft. Das denkbar banalste Ehebruch- und Betrugsdrama wird trotz neuer Spielart (Flugzeugabsturz enthüllt den Seitensprung) unsagbar einschläfernd erzählt. Spannung kann auch Harrison Ford nicht stiften, der zusammen mit Kristin Scott Thomas stocksteif, temperament- und leidenschaftslos durch die Szenerie schleicht. Ein gleichgültiges Beziehungsdilemma, ohne jeden Affekt und deprimierend unbelebt.
Kritik
'Die Firma' aus dem Jahre 1993 war Sidney Pollacks letzter großer Regieerfolg. Seitdem bewies er mit seinen Filmen, zuletzt mit dem Remake 'Sabrina', weniger Talent, spielt jedoch als Produzent eine wichtige Rolle. Klingt nun der Originaltitel seines neuen Filmes 'Random Hearts' weniger mit festen Vorstellungen verbunden, so lässt 'Begegnung des Schicksals' schwermütige Kitschdramatik erwarten. Gutzuschreiben ist Pollacks Neuestem, dass er durch ruhige Souveränität formelhafte Dialoge und 08/15 Arrangement zwar verhindern kann, sich mit der Gesamtstimmung jedoch auf ein langatmiges Trübsalblasen einlässt, das den ganzen Film überschattet.

Tragisch, dass sich Pollack mit dem Ergebnis des Drehbuchschreibers zufrieden stellte, dem wirklich nichts besseres einfiel, als den rigeros ausgelutschten 'Er/Sie betrog mich - wieso nur?! - Beziehungskokolores in belangloser Variation neu auszustaffieren. Aber irgendwie muss Pollack um den verschlissenen Charakter seines Scripts gewusst haben, denn sonst hätte Megastar Harrison Ford nicht die Hauptrolle bekommen, um allein durch seine Präsenz Drehbuchlöcher zu stopfen.

Ford, nach 'Sechs Tage, sieben Nächte' verstärkt mit dem Selbstverständnis eines späten Romantikers auftretend, gibt uns jedoch sofort das, was für diesen elegischen Streifen bezeichnend ist: jede Menge lange, zerknitterte Gesichter, nicht von erfüllt von wirklicher Trauer und Gefühlen, sondern von Leblosigkeit. Kristin Scott Thomas, die mit dem 'Englischen Patienten' ihren endgültigen Durchbruch schaffte, wickelt den weiblichen Hauptpart als bloße Routinevorstellung ab. Ihr simmungsloser Auftritt fügt sich beispielhaft in Fords stocksteifes Herumschreiten, das wie die gesamte hypnotische Atmosphäre am Geduldsstrang des Zuschauers zehrt.

Natürlich ist es nur menschlich, dass Ford als Dutch Van Den Broeck die Motivation des Seitensprungs, 'die Wahrheit' erfahren möchte. Aber Aufgabe des Kinos als Fiktionsmaschinerie ist gerade NICHT das Abbild einer 'Alltagsbanalität'. Und wenn doch, dann zumindest narrativ geschickt, wovon Pollack weit entfernt ist. Ja, vielmehr scheint das Drehbuch kein roten Strang, keine folgerichtige Erählstruktur zu haben, denn alles, was geschieht, ist sinnierende Schwermut im Duett. Ehebruch führt dann posthum kurioserweise zum identischen Verhalten der beiden Leidtragenden. Doch die aus 'psychischer Not' erwachsene Romanze ist hier gänzlich ohne Feuer. Zusätzlich lachhaft ist die aufgesetzte Minimalerzählung um einen korrupten Polizisten.

Mimiken variieren fast nie, die Spannungskurve beginnt im Abspann und undymanisch zeigt sich Ford in seiner bisher vielleicht schlechtesten Leistung. Auch wenn einige Blicke bedeutungsschwanger sind und die inszenatorische Ruhe phasenweise bedacht wirkt, animiert Pollacks Regiemonotonie zu vorzeitigem Entschlummern. Ein hoffnungslos zäher Brocken mit zwei gähnenden Stars im Rausch des Weltschmerzes - absolut verzichtbar.


Einlullend banales Vertrauensdrama mit narkotisierten Hauptdarstellern


Flemming Schock