Banditen!
(Bandits)

USA, 122min
R:Barry Levinson
B:Harley Peyton
D:Bruce Willis,
Billy Bob Thornton,
Cate Blanchett,
Troy Garity
L:IMDb
„Du willst die Bank mit 'nem Textmarker überfallen? Was willst Du machen, ihn anmalen?”
Inhalt
Der unwiderstehlich gutaussehende Joe (Bruce Willis) und sein hypochondrischer Partner Terry (Billy Bob Thornton) sind aus dem Gefängnis ausgebrochen. Sie haben nur ein Ziel vor Augen: Ein sorgloses und halbwegs ruhiges Leben in Mexiko zu führen. Doch hierfür brauchen sie Geld. Viel Geld. Auf ihrer Flucht hinterlassen sie eine Schneise der Verwüstung, Chaos, zerstörte Autos und jede Menge schmachtender Verehrerinnen. Alles verläuft nach Plan, bis sie das Mädchen Kate (Cate Blanchett) entführen. Beide Verbrecher verlieben sich unsterblich in das Mädchen. Das Chaos nimmt seinen Lauf, als Kate feststellt, dass nur beide zusammen für sie den perfekten Mann ergeben.
Kurzkommentar
"Banditen" ist nicht einfach zu bewerten: einerseits ist der Streifen empfehlenswert, weil er einen recht unverbrauchten, sympathischen Humor hat, andererseits ist er gerade im Mittelteil so langweilig, daß man ins Gähnen gerät. Auf jeden Fall sollte man keine fetzige Actionkomödie, sondern eher einen pointierten Krimi erwarten.
Kritik
Regisseur Barry Levinson hat seine beste Zeit auch schon seit längerem hinter sich. Mit "Good Morning, Vietnam" und vor allem "Rain Man" sorgte er anno 1987/88 bei Kritikern und Publikum für Aufmerksamkeit, danach folgten größtenteils solide, aber keineswegs meisterhafte Streifen wie "Toys", "Enthüllung", "Sleepers", "Wag the Dog" und "Sphere". Erst zuletzt mit "Liberty Heights" und der irischen Komödie "An Everlasting Piece" konnte er bei Kritikern wieder Eindruck schinden. Das ist ihm, betrachtet man den Kritikerspiegel bei Rottentomatoes, mit "Bandits!" nur noch halbwegs gelungen und das Problem von "Bandits!" liegt recht klar auf der Hand. Der Film ist für seinen Unterhaltungswert schlichtweg zu lang.

Aber wenn man an einem Film bemängelt, daß er zu lang ist bzw. Längen hat, sollte man auch angeben, was man denn rausgeschnitten hätte. So dauert es zunächst eine halbe Stunde oder mehr bis der dritte Hauptcharakter, Cate Blanchett in ihrer Rolle als Kate Wheeler, eingeführt wird und schon da war zu spüren, daß, wenn der Regisseur die sich entwickelnden Beziehungen zwischen Kate und den Banditen Joe und Terry dem Zuschauer glaubhaft rüberbringen möchte, der Film sich entsprechend in die Länge ziehen würde. Es hätte also kaum geschadet, wenn Cate schon früher zu Joe und Terry gestossen wäre - das hätte den Film bereits kompakter gemacht. Viel schlimmer war allerdings der Mittelteil in der Strandwohnung. Hier geht es plötzlich überhaupt nicht mehr um Joe und Terrys Dasein als Overnight Banditen, sondern nur noch um ihr Ringen um die gleiche Frau. Abgesehen davon, daß dieser Aspekt in "Banditen" zwar einigermaßen amüsant, aber eher unspektakulär umgesetzt wurde, wurde die Thematik schon in 37 anderen Filmen verwurstet. Zuletzt im wesentlich cooleren "Eine Nacht bei McCool's". Zum Ende hin zieht "Banditen" dann glücklicherweise wieder etwas das Tempo an, kann aber mit seinem ach-so cleveren Ende wohl niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Die Grundidee ist zudem vom großen Krimiklassiker "Der Clou" geklaut.

Doch wie sooft in meinen Kritiken in letzter Zeit klingt der vorige Part abermals zu negativ. Das, was "Banditen" auf jeden Fall auszeichnet, ist der etwas gewöhnungsbedürftige, aber dennoch sehr liebenswerte Humor und die tollen Darsteller. Billy Bob Thornton spielt den Charakter, den er, wie damals in Sam Raimis "Ein einfacher Plan" bewiesen, am besten mimen kann: den leicht debilen, sehr skurrilen Halbstarken. Dazu gesellen sich in schöner Harmonie ein selbstironischer Bruce Willis und eine vielleicht nicht unwiderstehliche, aber wohl sehr sympathische Cate Blanchett, die demnächst im "Herr der Ringe" zu sehen sein wird. Und manche Szenen sind einfach zu vergnüglich aufgebaut: der erste Überfall von Joe und Terry bei der Familie eines Bankdirektors, dessen Frau so herrlich zwischen Hass und Amüsement hin- und hergerissen ist. Oder die Bankbesitzerin, die die Overnight-Banditen mit einem mütterlichen "Na da kommt mal rein, Jungs!" begrüßt.
Findet man an diesem Humor starken Gefallen, so kann man wohl recht locker über die Überlange hinwegsehen und "Banditen" dürfte die Kinokarte wert sein. Ansonsten sollte man sich nicht vom recht actionreichen Trailer blenden lassen und eine derart flotte Thrillerkomödie erwarten.

Liebenswerte, aber zu zähe Gangsterkomödie


Thomas Schlömer