Bait - Fette Beute
(Bait)

USA, 117min
R:Antoine Fuqua
B:Andrew Scheinman
D:Jamie Foxx,
David Morse,
Robert Pastorelli,
Doug Hutchison
„Wenn du die Kohle eingesackt hast, belegst du erstmal einen Kurs in Stressbewältigung”
Inhalt
Die Federal Reserve Bank ist um 42 Millionen Dollar in Gold erleichtert worden - aber nur einer der Räuber wird gefasst. Um den Kopf hinter dem Coup des Jahrzehnts dingfest zu machen, muss sich das Finanzministerium etwas einfallen lassen. Als Alvin (Jamie Foxx) wegen eines geringfügigen Vergehens im Knast landet, teilt er die Zelle mit John Jaster, einem der beiden Hightech-Räuber, die sich das Gold unter den Nagel gerissen haben. Sein Partner Bristol (Doug Hutchison) ist noch auf freiem Fuß. Alvin will nur eines: raus aus dem Knast und sich mit seiner Freundin Lisa vertragen. Und als er den Behörden in Person von Finanzfahnder Clenteen (David Morse) einen kleinen Gefallen tut, glaubt er, das Schicksal meine es endlich gut mit ihm. Alvin kommt frei. Und die Fahnder haben ihren Köder.
Kurzkommentar
"Bait", ein grob von der Stange gegriffener Actionthriller, ist auf Leinwandniveau aufgeblasene Videotheksware. In der Titelfigur mit dem untalentierten Jamie Foxx gesichtslos und in den Nebenrollen bemerkenswert überbesetzt, hält Regisseur Antoine Fuqua (" The Replacement Killers) mit teils dynamischem, stets aufgesetzt coolem, knapp an den vergessensabonnierten Durchschnitt heranreichenden Unsinn so gerade bei Laune.
Kritik
Sobald der Trailer zu ein Film mit sinnbetäubendem Radau, Scheibengeklirre, Explosionen und obercoolen Sprüchen klotzt, riecht es faul nach flux heruntergekurbelter Fließbandware, die schnell als Platzhalter in der Videothek versackt. "Bait - Fette Beute" gebührt hier ein Platz in der ersten Reihe und es ist nur bezeichnend, dass der Verleih den Deutschlandstart so lange hinauszögerte. Besser, man hätte es sein lassen, wird doch die Synchronisation mehr Kosten verschlungen haben, als diese Nichtigkeit an der Kasse einbringt.
Interessant auf einer Metaebene ist eigentlich nur jenes Phänomen, das den geneigten Kinogänger unregelmäßig in ungläubiges Staunen versetzt. Aber das Rätseln nimmt wohl kein Ende: wieso geben sich sogenannte "Charaktermimen" immer wieder für billige (Action)-Spekakel hin? Hier trifft es David Morse (u.a. "The Green Mile", "Dancer in the Dark"), sonst nicht nur körperlich, sondern auch darstellerisch in vordersten Bereichen der Ausdrucksskala. Da man nun das Drehbuch von "Bait" nur mit peinlich rot verzerrter Miene ins Altpapier drücken kann, muss ihn das Geld oder eher die Aussicht gereizt haben, den protosadistischen Ermittlungsbullen mal ehrlich platt spielen zu dürfen. Weg von dem ganzen "Intellektuellenkino", doch der nächste von Trier dämmert schon. Morse kann wegen mangelnder Bekanntheit hierzulande kaum als Zugpferd taugen und Jamie Foxx als Zentralfigur noch weniger, war er bisher nur in "An jedem verdammten Sonntag" zu sehen. Bei Oliver Stone spielte er nur Football, hier soll er in etwa zwischen Eddie Murphy und Chris Tucker liegen, als Kleinkrimineller also quasseln und zwangsgelockert nerven.

Das gelingt dann halbwegs solide, weil die Gesamtmontor des Streifens noch funktionstüchtig ist. Foxx aber hat offenkundig kein Talent, weil ihm einfach die Leinwandpräsenz fehlt. Etabliertere Akteure waren wohl nicht mehr finanzierbar, was sich wohl dadurch erklärt, dass auf dem Regiestuhl derjenige sitzt, der schon die "Replacement Killers" zu veranworten hat. Für Stupidität ist somit Sorge getragen, ihr ergiebt sich mit Doug Hutchison neben David Morse ein zweiter, sonst ebenso glänzender Darsteller (wegen mangelnden Rollenangebots?). Wo er in "Bait" auf das anspruchslose, wirklich plumpe Stereotyp des amoralisch-genialen Killers reduziert wird, durfte Hutchison in "The Green Mile" noch punkten, zwar auch klischeedurchtränkt, aber als peinigender Gefängnisaufseher eben hassenswert und schrecklich fies. Wirklich fies ist in "Bait" allein noch seine Panzerglasbrille und die ekelig geschwollene Synchrostimme. Nicht anders sieht´s mit dem abgelutschten Katz-und-Maus-Plot aus, in dem glaubwürdigerweise mal wieder ein einziger Computerfreak alles und jeden entschlüsselt.

Statt aber nun das einzig halbwegs originelle Element des "Köders" auch rasant auszunutzen und jedes überflüssige Atemholen unmöglich zu machen, vertrödelt "Bait" viel Zeit in endbanalen Szenen. Gleich zu vergessende Banalität ist auch der Endeindruck, doch letztlich rafft sich der Konfektionsstreifen noch fast zum Durchschnitt auf, weil Regisseur Antoine Fuqua wie viele andere auch sein Handwerk im Videoclipgenre lernte und die Erfahrung entsprechend einbringen kann. Effektvoller Schnitt und momentane Rasanz machen fehlende Spannung hingegen nicht vergessen. "Bait" wäre ein wohl weniger überflüssiger Actionthriller, wenn er sich selbst um Überflüssiges erleichtert hätte, z.B. um Jamie Foxx. Wären David Morse und Doug Hutchison hier nicht um ihre Möglichkeiten beschränkt, sondern ohne das sowieso nichtspeilende Bindeglied aufeinandergehetzt worden, wäre womöglich auch der Film eine "fette Beute".


Überlanger, spannungsloser Konfektionsthriller mit vergeudeten Akteuren


Flemming Schock