Majestic, The

USA, 152min
R:Frank Darabont
B:Michael Sloane
D:Jim Carrey,
Martin Landau,
Laurie Holden,
Jeffrey DeMunn
L:IMDb
„Erinnerst du dich an mich? - Nein, aber Gott ich versuch es.”
Inhalt
Peter Appleton (Jim Carrey) ist Drehbuchautor im Hollywood der Nachkriegszeit. Mit seinem sozialkritischem Werk "Ashes to Ashes" sieht er sich kurz vor dem großen Durchbruch, bis man ihn eines Tages beschuldigt, ein Kommunist zu sein und ihn vor den Ausschuß für unamerikanische Umtriebe vorlädt. Aus Frust betrinkt er sich, baut einen Autounfall, stürzt in einen Fluss, und wacht irgendwann später in einer Kleinstadt ohne Gedächtnis wieder auf. Dort halten ihn alle für einen aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten und Sohn der Stadt - entsprechend groß ist die Freude, besonders bei seiner Verlobten (Laurie Holden). Doch mit der Zeit muss Appleton erkennen, dass er ein falsches Leben lebt, und auch die wahre Vergangenheit beginnt ihn einzuholen.
Kurzkommentar
"The Majestic" ist eine einzige Länge. Zwar mit schönen, gediegenen Bildern gefüllt und ohne größere Löcher, aber deutlich zu lang für so wenig Inhalt. Zumal die amerikanische Kommunistenjagd aus der Nachkriegszeit heute, mit Verlaub, keine Sau mehr interessiert.
Kritik
Darabonts neuer Länge mangelt es vorallem an einem spannenden Thema - das ist eindeutig das Hauptproblem des Films. Vordergründig geht es um die historische Episode der Kommunistenjagd - nur leider ist die ein sehr amerikanisches Thema, bereits tausendmal bearbeitet und zudem längst vorbei. Ist man nicht eben Historiker, so lässt einen das reichlich kalt. Das hat wohl auch der Verleih erkannt, und so erzählt uns das Presseheft, es ginge um die Verteidigung künstlerischer Freiheit sowie demokratischer Grundrechte. Wie schön. Nur: Der erste Punkt ist kaum zutreffend, beweist sich Appleton doch selbst als Opportunist. Somit taugt er mehr schlecht als recht als Vorkämpfer für die Freiheit der Rede. Wobei sich hier bei genauerer Betrachtung eine klaffende Logik-Lücke auftut, denn es ist kaum zu erklären, dass ein und der selbe Mann von sich behauptet, weder Überzeugungen noch Courage zu besitzen, andererseits aber sozialkrische Stücke verfassen kann. Ebenso wenig glaubwürdig erscheint so auch die große Rede, die Appleton am Ende anstimmt - zuwenig hat er diese Geisteshaltung zuvor bewiesen. Einzige Erklärung, und an der Stelle wird der Film schlecht: Der amerikanische Patriotismus überkommt ihn, beim Gedanken an die Bill of Rights regt sich sein vaterländisches Herz, und spätestens wenn er an die Verfassung denkt, ist er bereit, es mit jedem aufzunehmen. Wer stirbt nicht gerne für die Verfassung, so wie Luke Trimble. Man verzeihe mir den Spott, aber solch platter, ungeschickt aufgetischter Anstand und Freiheitsgeist weckt doch eher Zweifel in mir.

Dabei wäre zweifellos mehr drin gewesen: Die angeblichen Themen hätte man vortrefflich ausarbeiten können - stattdessen mal wieder eine ergreifende Rede vor dem Gericht, die alles auflöst und erlöst. Welch neue Idee, wie innovativ. Soviel zur Schaffensfreiheit des Künstlers. Zwischendrin spricht der Film die vielleicht spannendste Frage selbst an: Welches Leben wird Peter leben wollen? Worüber definiert sich Identität? Würde er glauben, Luke Trimble zu sein, wäre er es dann, psychologisch betrachtet, nicht? Doch auch hier eine Kitschwendung zum Schluss, die das Gejammere über den Einfluß der Studiobosse auf die Filmhandlungen wie Hohn erscheinen lässt - dieser Schluß scheint wie vom Marketingchef höchstpersönlich geschrieben.

Doch welche Geschichte erzählen uns Autor Sloane und Regisseur Darabont nun? Ansatzweise die von der Freiheit - aber nur unbefriedigend. Die der Identität - nein. Eine historische Begebenheit? Kaum. Es hat den schwer zu wiedelegenden Anschein, als wüssten sie es selbst nicht so recht, und wo das Ziel fehlt, gibt es auch keinen Grund, eben dieses zielstrebig anzusteuern, was die völlig unnötige Länge trefflich erklärt.

Dabei hätten die Rahmenbedingungen gestimmt: Die Inszenierung kann durch schöne Bilder gefallen, an denen es handwerklich nicht das Geringste zu bemängeln gibt. Besonders auffällig ist auch die gelungene Musik. Dazu eine durchweg überzeugende Schauspielerriege, die zwar nicht mit den ganz großen Namen glänzt, aber dafür durch Überzeugungskraft. Eine Ausnahme im doppelten Sinne: Jim Carrey. Er kann definitiv mehr als nur Comic-ähnliche Figuren spielen, aber dennoch neigt er zum Grimmassieren. Durch den leicht künstlichen Charakter und die Überzeichnung auch der anderen Figuren fällt das nicht allzu störend auf, aber es verwundert nicht, warum seine ernstzunehmenden Rollen gerade in "The Truman Show" und "Man on the Moon" waren. Für einen echten Charakterschauspieler muss der Ausdruck dann doch noch etwas feiner werden.

"The Majestic" mag einfach nicht zu begeistern, erweist als so langweilig und bißlos wie sein Titel. Zwei Stunden verläuft die Story weitgehend höhepunktlos, und der dann folgende erscheint zu künstlich und wenig überzeugend. Eine klare Festlegung auf ein Thema hätte dem Film gut getan, so wurde vorallem enormes Potenzial verschenkt.

Lähmende Inszenierung eines Nicht-Themas


Wolfgang Huang