Three Kings

USA, 114min
R:David O'Russell
B:John Ridley, David O'Russell
D:George Clooney,
Mark Wahlberg,
Ice Cube,
Spike Jonze
L:IMDb
„Sehen Sie sich diese Menschen an! Wo sind die Amerikaner jetzt?”
Inhalt
Drei Soldaten machen sich kurz nach Kriegsende auf, um einen geheimen Goldschatz Saddam Husseins zu finden. Doch neben dem Goldschatz finden sie auch eine darbende Bevölkerung, die von Soldaten Saddams unterdrückt wird. Und so verbünden sich die drei mit irakischen Rebellen und starten einen privaten Feldzug gegen Saddam Hussein.
Kurzkommentar
Insgesamt ist die Story recht wirr, der kritische Ansatz der Geschichte kommt jedoch deutlich heraus. Stilistisch nicht unähnlich zu "Fight Club" ist "Three Kings" ein fesselnder Film, der leider nicht ganz konsequent bleibt und gegen Ende hin deutlich nachlässt.
Kritik
Für schwache Gemüter ist "Three Kings" nichts - so derbe und rücksichtslos wie der Film beginnt, geht er auch bis fast zum Schluss weiter. Bei Schusswechseln, Tötungsszenen und Verletzungen greift der Film dabei teils auf eine Photographie zurück, die an "Fight Club" erinnert. Der genaue Blick in die Vorgänge mittels Verlangsamung, Zoom und CGI-Szenen des Körperinneren erscheint dabei zuerst als manieristische Spielerei, zusammen mit vereinzelten "was-wäre-wenn"-Versatzstücken kann man sie aber auch anders sehen: Als den Versuch, die Verharmlosung des (Er-) Schiessens darzulegen, in dem man vom Muster Schuss-Zusammenbruch-Vergessen weg und hin zu einer deutlichen, krassen Darstellung geht. Dieser Ansatz hinterlässt mulmige Gefühle, macht aber gleichzeitig deutlich, dass es sich nicht um einen unterhaltenden Action-Film handelt.

Die Wahl der Darsteller hätte das vermuten lassen können - mit Clooney, Wahlberg und Ice Cube hätte man ebensogut einen seichten Actionreisser drehen können. Die drei schlagen sich schauspielerisch ganz ordentlich, ausserordentliches darf man jedoch nicht erwarten, dazu lässt ihnen das Drehbuch auch wenig Raum. Wechselnd zwischen markigen Sprüchen, militärischem Gehabe und bedeutsamem Blick sind die Rollen nicht übermässig fein gestaltet, vielmehr funktionieren sie als Transporteure der Geschichte.

Die wird ihrem Anspruch, Kritik zu üben, in weiten Teilen durchaus gerecht. Sowohl offensichtlich als auch hintergründig werden viele wunde Punkte in diesem für Amerikaner nicht unsensiblen Thema berührt. Dass nach Befreiung des der "reichen Kuwaiti" keine Hilfe für irakische Zivilbevölkerung stattfand, dass Öl viel wichtiger als Demokratie und Menschlichkeit war, das der Krieg professionell über die Medien "vermarktet" wurde, wie sich diese instrumentalisieren lassen, welche Last und Verantwortung der Krieg unerfahrenen Soldaten aufgebürdet wird, welche Grausamkeiten er den Menschen zumutet, wie unmenschlich er ist - "Three Kings" holt weit aus, und lässt kaum etwas verschont, schüttet absichtlich Salz in offene Wunden. Eigentlich ist das zu begrüssen, schade nur, das stellenweise die altgewohnten Mechanismen durchscheinen, die das gezeichnete düstere Bild durch die weichgespülte "eigentliche" Integrität der drei Soldaten aufweichen, und das zwangsläufige Happy End dem Film etwas an Wirkung nimmt. Dass die drei Soldaten in ihrem Herzen eigentlich doch gute Menschen sind, dass sie Einigkeit und Zusammenhörigkeit jenseits von Sprache und Rasse propagieren, und dass sie letztlich doch für das überlegene System stehen, dass sich mehr oder weniger zur Hilfe herablässt, all das beruhigt zwar die zuvor wenig geschonten Nerven und rettet den Glauben an das Gute, doch dem Film tut es nicht gut. Die Schärfe, die der Film vorallem im Mittelteil aufweist lässt er gegen Ende schmerzlich vermissen. So verliert er einen grossen Teil seines bewegenden, zum Nachdenken anregenden Momentes.

Trotzdem, auch wenn es teils bessere Auseinandersetzungen mit dieser Thematik gibt, "Three Kings" verdient Bemerkung dafür, dass er recht schonungslos die Absurdität und Grausamkeit des Geschehens offenlegt - auch wenn noch mehr hier noch besser gewesen wäre.

Etwas wirre, leider nicht ganz konsequente Kriegskritik


Wolfgang Huang