Nacht bei McCool's, Eine
(One Night at McCool's)

USA, 93min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Harald Zwart
B:Stan Seidel
D:Liv Tyler,
Matt Dillon,
John Goodman,
Paul Reiser,
Michael Douglas
L:IMDb
„Das ist mörderscharfes Material!”
Inhalt
Es begann in einer Nacht bei McCool´s. Randys (Matt Dillon) Leben war gut. Er hatte Freunde, ein Job und ein Haus. Nur eine Frau fehlte in seinem Dasein. Auch an dem verhängnisvollen Abend, an dem er Jewel (Liv Tyler) kennenlernt. Randy hat seine Bar gerade geschlossen, da wird er Zeuge einer Auseinandersetzung. Im letzten Moment kann Randy eingreifen und Jewel vor einem scheinbaren Vergewaltigungsversuch retten. Sie weicht Randy, der sein Glück erst kaum fassen kann, aus Dankbarkeit nicht mehr von der Seite und es kommt zum Sex. Danach kommt jedoch heraus, das Jewel ein abgekartertes Spiel treibt, das nicht nur Randy zur Verzweifelung bringt.
Kurzkommentar
Mit prächtig aufgelegten Darstellern und einem intelligent verschachtelten Drehbuch überrascht Harald Zwart mit einem aberwitzigen, erotischen Spaß. Die drei Geschichten unterschiedlicher Wahrnehmung und Erinnerung der gleichen Frau, die die Männer um den Verstand bringt und sich als skrupellose Femme Fatale entpuppt, stecken voller Wendungen, bieten heißes Outfit, einen Michael Douglas mit "Hair-Crime" und ein die Subplots verschmelzendes, abgedrehtes Finale.
Kritik
Verhältnismäßig selten ist Matt Dillon im Kino zu sehen, dafür aber waren seine beiden letzten Rollen in auf unterschiedlichste Weise bemerkenswerten Filmen zu sehen: im intelligenden Erotikthriller "Wild Things" (1998) und dem erfolgreichen Farrelly-Unfug "Verrückt nach Mary" (1998). Wenn auch sonst nicht vergleichbar, stand im Zentrum beider Streifen die fatale Wirkung schöner Frauen auf Hormon- und Gedankenhaushalt der Männer.
Eben um nichts Anderes geht es "Eine Nacht bei McCool´s", ein Film, dessen Titel nichts Gutes und bestimmt keine nahmhaften Darsteller erwarten lässt. Zudem ist Regisseur Harald Zwart, ein bisher Werbefilme drehender Niederländer, völlig unbeschrieben, er legt also sein Kinodebüt vor. Mag man hier noch nicht aufhorchen, so sorgt spätestens die Tatsache, dass Zwart gleich niemand Geringeren als einen wohl talentsuchenden Michael Douglas zum Produzenten hat, für ein Mehr an Interesse. Und Douglas, der letztens in "Wonderboys" noch sein Gespür für außergewöhnliche Drehbücher unter Beweis stellte, trifft auch hier eine kluge, weil schrecklich komische Wahl. Dass Liv Tyler hier als hinterhältige Femme Fatale eingesetzt wird, klingt allein nicht aufregend, wohl aber, dass diese als fleischgewordene Männerphantasie auf der Suche nach ihrem Traum vom Eigenheim mit Heimkinoanlage und DVD-Player über Leichen geht.

Der genutzte Erzählstil baut dabei nicht auf hirnlosen Situationsklamauk, sondern auf überraschende Wendungen und eine geschickt ungewohnte Chronologie der Ereignisse. Dadurch, dass Regisseur Zwart den Film kurz vor dem Ende beginnen lässt und die vorige Handlung durch die Erinnerung dreier Männer rückblendend konstruiert, verpasst er den haarsträubenden Verwicklungen erfrischende Klasse. Die Auftaktszene, im Sinne des Wortes eben haarsträubend schon durch Michael Douglas´ Gastauftritt als Bingo-spielende Fettfrisur, ist herrlich schräg und unvermittelt. Als Dillon in Rolle des Barkeepers Randy ihm Geld übergibt, weiß der Zuschauer zunächst nicht, wofür und erfährt es nach und nach erst, als Randy, der Schicksalsgebeutelte, die vorangehende Ereigniskette aufzurollen beginnt. Aber seine Perspektive ist nicht die Einzige, denn schnell blendet Zwart zwischen ihm, seinem machoistischen Cousin (Adam Reiser), zu Beginn des Films beim Psychiater, und einem Detective (John Goodman) hin und her.

Der Einfall, alle Drei in jener folgenschweren Nacht dem Bann der gleichen Frau, aber einer unterschiedlichen Vorstellung von ihr erliegen und in der jeweiligen Nacherzählung die Wahrnehmung entsprechend variieren zu lassen, sorgt zusammen mit der spitzenmäßigen Besetzung für jede Menge schwarzhumorigen Spaß und ein furios groteskes Finale. Wendungsreich zeigt Zwart, wie sich Randy, willenlos der venusgleichen, aber durchtriebenen Jewel erlegen, immer tiefer ins Schlamassel reitet. Ihr absurd-witziger, weil mörderischer Materialismus gipfelt im Traum vom DVD-Player, egal, ob er blutbeschmiert ist. Sie selbst ist Traum und Verderben aller Männer, in ihrer Hand naive Spielzeuge, die sich in ihrem Verlangen nicht mehr zu helfen wissen: der eine sucht psychiatrischen, der andere priesterlichen Beistand, während Randy einen Ausweg allein in einer verzweifelt radikalen Lösung sieht.

Liv Tyler ist in der Rolle der skrupellosen Verlockung optimal besetzt, was für die anderen ebenso gilt; besonders Paul Reiser im Sado-Kostüm und Goodman in Uniform entzücken. Bis zum im Wahwitz mündenden Finale, das Randy in bitter ironischer Situation zurücklässt und Michael Douglas eine schreiend komische "Falling Down"-Slow-Motion gönnt, bevor er selbst dem Unausweichlichem verfällt, garantiert "Eine Nacht bei McCool´s" geistreich gestrickten Schwachsinn. Sicher ist er nicht der ganz große Wurf, dafür ist der Lachfaktor insgesamt dann doch zu gering, aber Zwarts kurzweiliges Debüt macht eben auch deswegen Lust auf mehr, weil es aus der Masse der Komödien der letzten Zeit als erfrischende Ausnahme heraussticht. Leider ist sein Drehbuchautor, Stan Seidel, mit nur 48 Jahren früh verstorben.

Erotische Thriller-Groteske als ungewohnt geistreicher Schwachsinn


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Sowohl der Titel als auch der Trailer zu "Eine Nacht bei McCool's" wirken eher abschreckend - der Film selbst ist das genaue Gegenteil, wunderbar besetzt und erfrischend lustig, mit vielen gekonnten Seitenhieben. Sehr sehenswert!...