Geisterschloss, Das
(Haunting, The)

USA 1999, 112min
R:Jan de Bont
D:Liam Neeson,
Lili Taylor,
Catherine Zeta-Jones,
Owen Wilson
„Ich kann Opfer oder Freiwillige sein...ich bin Freiwillige.”
Inhalt
Unter dem Vorwand, Schlafstörungen untersuchen zu wollen, lockt Dr. David Marrow (Liam Neeson) eine Gruppe Schlafgestörter (Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor) in ein altes, verlassenes Schloss. Zuerst versucht er noch selbst, für Grusel zu sorgen, um seine eigentlich Studie über Angst durchzuführen, doch schon bald nehmen die Dinge ihren eigenen Lauf, und das Schloss erweist sich als nicht ganz so verlassen, wie zunächst angenommen.
Kurzkommentar
Mit dem 'Geisterschloss' wurde viel Potential verschenkt. Jan DeBont vermag nicht, wie der Titel unzweideutig suggeriert, eine mit Schockeffekten gespickte Geisterbahnfahrt zu inszenieren. Opulente Ausstattung und perfekte Tricktechnik können über inhaltliche Mängel und blasse Charaktere nicht hinwegtäuschen. Obwohl der Spannungsbogen Höhen und Tiefen erlebt und das Finale dramaturgisch desaströs endet, ist der Besuch wegen verschwenderischer, gruselig schöner Optik und Akustik zu empfehlen.
Kritik
'Das Geisterschloss' ist erster Vorbote des Gruseltrends, der mit Ende des Jahres aus den USA in heimische Gefilde herübergespukt kommt. Als Initiator der ganzen Welle ist der vielgefeierte und vielgehypte Studentenfilm 'Blair Witch Project' anzusehen, der Impulse für eine Neuorientierung des Genres gab. Ob nun die vermeintliche Genre-Redefintition 'Blair Witch Project', 'Stir of Echoes', 'Stigmata', der kommerzielle Überflieger 'The 6th Sense' oder auch der neue Schwarzenegger-Thriller 'End of Days' - ihnen allen ist eines gemeinsam: traditioneller Schauergeschichtscharakter wird mit supranaturalistischen und teils okkultistischen Elementen verschmolzen. Das generelle Ziel der Spannungsmittel scheint dabei ein unverbrauchtes: subtiler Horror. Denn seit das 'Blair Witch Project' innovativ aufzeigte, wie Horror auch ohne Kunstblut realisierbar ist, haben Hollywoods Filmemacher letztlich begriffen, dass sich Spannung nicht allein durch Spezialeffekte und Blutorgien veräußerlicht, sondern primär im Kopf des Zuschauers stattzufinden hat.

Die Zauberformel ist also eine Kombination metaphysischer und psychologischer Erzählmittel, die Bedrohung und Urängste beim Zuschauer evoziert. Eben dieser Wirkungsmittel möchte sich auch 'Speed'-Regisseur Jan DeBont bedienen. Auf einen großen Kassenhit hoffend, drehte er mit 'das Geisterschloss' ein Remake des genialen Angstklassikers 'Bis das Blut gefriert' aus dem Jahre 1963, der auf Grundlage der spannungsüberladenen Romanvorlage 'The Haunting' von Shirley Jackson entstand. Bont hatte zuletzt mit dem maritimen Sequel 'Speed 2' kassentechnischen Schiffbruch erlitten und dringend einen Kassenhit nötig. Wieso also nicht einfach ein Remake für das digitale Zeitalter? Die Zeichen für die Dreamworks-Produktion (Firma von Steven Spielberg) standen nicht schlecht - die traditionelle, nostalgische Kulisse eines alten Schlosses wurden schon lange nicht mehr als Gruselbühne genutzt, ist also wenig ausgereitzt.



Bonts Aufgabe war demnach die, mit einem Budget von 80 Millionen Dollar, ein Remake abzufilmen, das Specialeffekts bewußt dosiert einsetzt und die Angst greifbar macht. Das Dumme: Mit dem Titel 'Das Geisterschloss' entwickelt sich auch die spezifische Erwartungshaltung einer billigen Aneinandereihung von Geisterbahnmomenten, die leicht enttäuscht werden kann. Bont suchte den intelligenteren Weg dadurch, dass der Grusel sich nicht primär durch Schockeffekte, sondern durch eine akustisch-visuelle Atmosphäre der Bedrohung manifestiert, was sich in zwei Punkten positiv niederschlägt: Die hohen Produktionskosten sind sofort zu erkennen, sobald das edle Interieur des Spukschlosses zum Spannungsaufbau genutzt wird. Schlichtweg atemberaubend ist die gotische, dunkle Schönheit und gleichzeitig die Unheimlichkeit ins Bild gerückt. Beinahe plastisch wird suggeriert: Ja, hier spukt es. Die Gänsehautprovokation setzt spätestens mit den nächtlichen, rein akustischen Schreckenssekunden ein. Beispielhaft gelingt es den Tonregisseuren, glasklare, schaurige Geräusche Mark und Bein erschüttern zu lassen.

Zu Beginn also Grusel par Excellence - und dann? Sicher wäre es zu einfach gewesen, die Schauspieler mit den Zuschauern unablässig vor Angst schreien zu lassen. Bont macht aber den Fehler, sich auf eine Story zu stützen, die nur Alibifunktion für den Spuk hat und ihn ungewollt unterbindet. Sicher, weil mit Liam Neeson ein Charakterschauspieler als ein Hauptdarsteller verpflichtet wurde, will seine Rolle Substanz haben. Und obwohl er, Catherine Zeta-Jones und Lili Tyler ihren Job gut ausfüllen, bleibt die Figurenzeichnung blass. Die Feldforschungsgeschichte eines Angstpsychologen lähmt das Spukgeschehen, das sich mal zäh, dann aber wieder gespestisch gestaltet. Nervig, hirnrissig und unfreiwillig lächerlich ist die erzähltechnische Erklärung für den Budenzauber. Das Schwanken zwischen Schizophrenie und versuchter Rationalität ist von Lili Tyler zwar tadellos gespielt, dass das Supranaturalistische schließlich jedoch zur familieninternen Angelegenheit erklärt wird, ist einfach töricht. Mit dem finalen Blödsinnsspuk steht dann gleichsam auch die völlige Entgleisung an. Eine freilich vollendete Effektsorgie mit Jahrmarktmentalität erstickt alles Vorige - schließlich fliegen goldene, erlöste Seelen unsäglich kitschig gen Himmel. Auch wenn DeBont hier wohl geistig umnebelt drehte, ist das zwischen Lächerlichkeit und gruseliger Spannung pendelnde Gespensterrumoren eine noch erfrischende Abwechselung.


Virtuose Optik und Akustik retten die mittelprächtige Gespenstermär


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Sehenswert wegen der absolut genialen Optik, hörenswert aufgrund der gekonnten Geräusch/Musik-Kulisse, und zudem auch noch gruselig. An allem anderem mangelt es "Das Geisterschloss" jedoch, besonders an einer guten Story....