Ganz gewöhnlicher Dieb, Ein
(Ordinary Decent Criminal)

England 2000, 93min
R:Thaddeus Sullivan
B:Gerard Stembridge
D:Kevin Spacey,
Linda Fiorentino,
Stephen Dillane
L:IMDb
„Warum trägst du immer diese schwarze Maske?.”
Inhalt
Michael Lynch (Kevin Spacey) ist Anführer einer irischen Diebesgang - doch als er eines Tages einen Coup landet, der eine Nummer zu gross für ihn ist, wird die Sache brenzlig: Denn nun hat er die volle Aufmerksamkeit der IRA und der irischen Polizei...
Kurzkommentar
Als völlig charme-loses Gangster-Movie hat "Ein ganz gewöhnlicher Dieb" schlechte Karten, denn der Film ist weniger als gewöhnlich, er ist vielmehr schlecht. Das Talent von Kevin Spacey ist völlig verschwendet, die restliche englische Schauspielergarde unbedeutend, und technisch ist der Film weit unter Durchschnitt.
Kritik
Filme wie "Ein ganz gewöhnlicher Dieb" ziehen ihre Faszination zumeist aus zwei Dingen: Zum einen verfügen sie über eine Hauptfigur, die zwar in Konflikt mit dem Gesetz steht, zugleich aber über soviel Charme verfügt, dass man es ihr nachsehen kann. In Wirklichkeit ist der Protagonist einer von den Guten, netten Jungs, und die Polizisten und alle anderen, sind die Bösen, die Dämlichen. Oder sie haben spannend inszenierte Diebstahlszenen, bei denen ausführlich der gesamte Coup als Plan vorgestellt wird, und der Zuschauer dann genüsslich beobachten darf, wie sich dieser Plan in Wirklichkeit vollzieht. Als gelungenes Beispiel für erstere sei hier Bube, Dame, König, grAs empfohlen, wunderbar inszenierte Diebstähle gab es unlängst etwa in The Thomas Crown Affair zu sehen.

Aber "Ein ganz gewöhnlicher Dieb" macht leider so ziemlich alles falsch: Die Hauptfigur Michael Lynch ist höchstens im besten Falle ein ganz geöhnlicher Dieb, eigentlich ist er vielmehr ein eingebildetes, rücksichtsloses Arschloch. Und obwohl Kevin Spacey das sicher gekonnt hätte, gelingt es dem Drehbuch nicht, auf Zuschauerseiten Sympathien für Lynch entstehen zu lassen. Schlimmer noch: Etwa in jenen Szenen, in denen die irische Polizei Lynchs Haus belagert fühlt man eher mit den Ordnungshütern - so kann ein Gangsterfilm nicht funktionieren.
Die Story gibt nicht viel her. Eigentlich wäre das Grundkonzept durchaus brauchbar: Ein kleiner Gangster, der sich an einem Coup überhebt, und im Folgenden verzweifelt versucht, die Diebesware wieder loszuwerden. Aber das ganze ist furchtbar unspektakulär inszeniert, einfach langweilig. Auch die restliche Story ist völlig unbrauchbar - Spaceys Ehehfrau (Linda Fiorentino) etwa scheint nur als Quotenrolle zu fungieren, denn ansonsten wird sie schamlos missachtet.
Die milden sozialkritischen Aspekte (Sozialhilfe, IRA) werden nicht weiter verfolgt - vielleicht ist das auch besser so.

Die technischen Qualitäten sind nicht minder enttäuschend. Die Photographie ist wirr, der Kamermann scheint immer dort gestanden zu haben, wo noch Platz war, die Perspektiven sind völlig lieblos und unzusammenhängend. Der Schnitt trägt ebenfalls zur allgemeinen Konfusion bei. Wäre die Geschichte nicht so banal, man hätte teilweise Mühe, dem Geschehen zu folgen. Die Musik ist ein krudes Stilwirrwarr, erweckt kaum den Eindruck, als seien Fachmänner am Werke gewesen, ohne jedes Konzept sind Musikversatzstücke zu den Bildern geschnitten, würden der Atmossphäre den Rest geben, wenn es denn eine gäbe.

Es bleibt die Erkenntnis, dass auch der in letzter Zeit hochgelobte Kevin Spacey ohne gutes Drehbuch (wie etwa in "Verhandlungssache" oder "American Beauty") nichts bewirken kann, durch seine sehr ruhige, unprätentiöse Art fast schon hemmend wirkt. Und wenn man am Schluss ernsthaft bedauert, dass der vermeintliche Filmheld nicht wirklich tot ist, dann ist irgendwas schief gelaufen. Angesichts der starken Konkurrenz dieser Wochen hat "Ein ganz gewöhnlicher Dieb" keine Chancen (verdient). Und wenn Sie dennoch einen Gangster-Film sehen wollen: Besorgen Sie sich besser einen der eingangs genannten aus der Videothek.

Weniger als gewöhnlich: Schlecht


Wolfgang Huang