You are dead
(You're dead)

Deutschland / UK / USA, 98min
R:Andy Hurst
B:Andy Hurst
D:John Hurst,
Rhys Ifans,
Claire Skinner,
Barbara Flynn
L:IMDb
„Sie Sack Scheisse, Sie!”
Inhalt
Als Polizeikräfte nach Tagen der Belagerung einer Bank endlich in das Gebäude eindringen, stoßen sie auf ein Bild der Verwüstung. Sämtliche Geiselnehmer, die sich im Gebäude hartnäckig verschanzt hatten, sint tot. Nur Undercoverpolizistin Jo (Claire Skinner), die einzige Überlebende, vermag die Ereignisse aufzuklären. Am Anfang hatten die beiden wundersamen Kleinkriminellen Eddie (Rhys Ifans) und Ian (David Schneider) von einem Unbekannten den scharfsinnigen Plan für einen Banküberfall zugeschickt bekommen. Für dessen Durchführung brauchten sie die Hilfe des legendären Safeknackers Maitland (John Hurt), dem sie zur Flucht aus dem Knast verhalfen. Trotz eingehender Vorbereitungen mutierte der Überfall wegen elticher Unwägbarkeiten dann bald zum Desaster.
Kurzkommentar
Schwarzer Humor, jede Menge verrückte Einfälle und eine ausgeklügelte Erzählstruktur machen die Krimigroteske zu einem unverbrauchten Erlebnis. Mit teils surrealistischen Zügen vereint die deutsch-britische Koproduktion raffinierte Wendungen im Beziehungsgeflecht der Handelnden. Die Schwächen der eigenwilligen Genremixtur liegen in oft überdehntem Witz und fehlendem Spannungsaufbau.
Kritik
Einen Banküberfall mit Geiselnahme zum narrativen Leitmotiv eines Filmes zu machen, ist abgegriffen wie fast kein anderes. Dass man dennoch nicht müde wird, es immer wieder zu bemühen, erklärt sich wohl durch zwei Bestandteile, die sich gegenseitig bedingen: Die Spannung wird konzentriert, indem sich das gesamte Geschehen nur noch auf einen Ort, auf den Ort der Geiselnahme reduziert. Durch die Beschränkung auf einen Ort ergibt sich sofort der zweite Aspekt, die analytische Beobachtung der einzelnen Psychen. Die hieraus für das Drehbuch resultierenden Punkte sind: wie reagieren die Opfer auf die Täter und umgekehrt, wie entwickeln sich die Täter- und Opferpsychogramme unter starker Anspannung und Angst?

Egal, ob deren Abarbeitung nun psychologisch vielschichtig oder eher actionorientiert geschieht - Spannung ist einfach, aber wirksam zu erzeugen. Der Zuschauer mag einerseits skeptisch kommentieren, dass das Banküberfallsmotiv doch ausgelutscht sei, schaut sich das vermeintlich Ausgelutschte andererseits wegen der fast garantierten Spannung doch immer wieder gerne an. Und gerade hier gebricht es dem ungewöhnlichen 'You are dead' leider ein wenig. Trotzdem die Ausgangssituation mit den toten Geiselnehmern bestes Spannungspotential bietet, enttäuscht die sonst so spritzige Erzähltechnik ein wenig und wirkt unentschlossen. Zwar ist man zu Beginn auf die Erklärung des Unfassbaren gespannt und fragt sich, wer da wen erschossen haben mag, doch nervenzerreissende Nervosität wird durch den eher grotesken Gesamtcharakter - wahrscheinlich bewußt - unterbunden. Elemente aus verschiedensten Genres werden zu einem zumeist innovativ funktionierendem Ganzen vereint, nur gehemmt durch den zweischneidigen Humor.

Zum Einen serviert uns dieser aberwitzige, zum Brüllen komisch-makabre Anwandlungen, wenn z.B. lautsprechertechnische Beschallungsmethoden als psychologische Intervention die Geiselnehmer mit Engelbert-Musik mürbe machen sollen. Von diesem abgefahren originellen Einfällen ist viel zu sehen, aber zum Anderen tragen die Hauptdarsteller phasenweise zu dick auf. Hier ist besonders Rhys Ifans, der masturbierende Waliser aus 'Notting Hill', zu nennen. Kann man ihm zugute halten, dass er das durchgeknallte Profil seines Charakters insgesamt überzeugend herauskehrt und nach 'Notting Hill' extreme Wandlungsfähigkeit beweist, so macht er - oder das Drehbuch - doch gleichzeitg auch den Fehler, durch unnötiges Herumhampeln seinem Auftreten das Bedrohliche zu entziehen. So sind auch einige andere Szenen unüberlegt klamaukartig.

Doch diese Schwächen sind verzeihlich, denn insgesamt kommt der gesamte Schauspielstab, angeführt von einem souveränen John Hurt, sehr gut weg. Neben der Eigenart seiner Erzählung durch geschickt verschachtelte Rückblenden wird die Satire somit von konturstarken, ironischen Typen getragen. Nicht nur John Benfield als Klischeeschwein Inspektor Badger ist ein purer Genuß. Hinzu kommt, dass sich das psychologische Beziehungsgeflecht der Opfer und letztlich einzigen Geisel in absolut überraschenden Wendungen entwickelt und die Wandlung des Bankdirektors schon surreal anmutet. Dass sich die Ereignisse da zum Schluss unlogisch gestalten, ist eigentlich unwichtig, denn insgesamt bleibt eine vorbildlich ungewöhnliche Satire.

Originelle Genremixtur mit schrägen Gags, doch wenig Spannung


Flemming Schock
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Diese äußerst schwarze Komödie bietet in der ersten Hälfte den typisch britischen Humor am Fließband und überzeugt durch wahrhaft bizarre Einfälle. In der zweiten Hälfte wird die Handlung immer grotesker und die Charaktere überdrehter. Durch muntere Zeitsprünge und in verschiedenen Perspektiven gezeigte Szenen wirkt der Film wie eine urkomische Mis...