Alles Bob!

Deutschland, 105min
R:Otto Alexander Jahrreiss
D:Martina Gedeck,
Gregor Törzs,
Miriam Lahnstein,
Tobias Schenke
„Der Kuchen hatte irgendwie richtigen Pfiff!”
Inhalt
Der gegenwärtige Alltag ist zwar alles andere als langweilig, aber auch für Robert Teller (Gregor Törzs), kurz genannt Bob, ohne berufliche Zukunft. Diese entspräche aber auch nicht seiner Mentalität, denn Bob ist frauenerobernder Macho und Sexist beispielhaftester Natur. Als pragmatischer Lebenskünstler sinnt er durch eine Ehebetrügerei mit der steinreichen, aber erzdämlichen Modepuppe und Bankerstochter Claudia von Pape (Miriam Lahnstein) auf leicht gemachtes Geld. Deren Vater durchschaut die List jedoch bald und eröffnet Bob, legitimen Anspruch auf das Geld seiner Tochter unter der Voraussetzung erheben zu dürfen, daß er mit Claudia eine normale, lange Ehe führt und sie glücklich macht. Soweit ist Bobs Geldsucht den Gefühlen dann doch nicht übergeordnet und es bleibt nur die Flucht zur Bankangestellten Barbara Bartholdy (Martina Gedeck), die er - gemäß seinem Naturell - einige Tage vorher angebaggert hatte. Durch seine Frauengeschichten scheint er sich den eigenen Strick zu drehen, denn Bob sieht sich nicht alleine durch die nach ihm suchende Verlobte, sondern auch durch zwei rachsüchtige Türken zum Untertauchen gedrängt, mit deren Schwester Fatima er sich nach einer rauschhaften Diskonacht unwillentlich vergnügte. Sich über die Intensität seiner Gefühle für Barbara zuerst nicht im Klaren, lernt er sie wahrhaftig lieben, während der immer noch anvisierte Hochzeittermin mit Claudia näherrückt und zwei Türken seine Beerdigung wollen.
Kritik
Die Vergangenheit lehrt uns, daß der deutsche Publikumsfilm der letzten Jahre - die Komödie - irgendwann einmal lustig war, und zwar zu der Zeit, in der das Genre gerade wiederentdeckt und noch nicht überstrapaziert wurde. Da man plötzlich das große Geld machte, kam man schnell auf den Trichter, daß es doch simpel zu realisieren und ökonomisch mehr als rentabel sei, noch mehr Streifen des Schlages "spezifisch deutsche Beziehungsklamotte" zu produzieren. Es kam, wie es kommen mußte: die Drehbücher wurden immer billiger gestrickt, die Schauspieler immer zweitklassiger und die geldgierigen Augen der Produzenten immer größer. Schön dumm, daß der ohnehin seit Jahren in Frage gestellte deutsche Kinofilm dadurch einen fast unrevidierbaren Imageschaden erlitt und sich fortan die Assoziierung mit der herzhaft belanglosen, uninsprierten Klamotte gefallenlassen mußte. Als besonders katastrophal erwies sich dann das Profitdenken, sobald 'DIE' deutsche Komödie einfach kein Geld mehr abwerfen wollte, also beim Publikum auf Übersättigungssymptome stieß. Da war Trauer angebracht, denn mit geldgeiler Inbrunst hatte man dem deutschen Film vorerst den qualitativen Todesstoß verpaßt und konnte in der Folge produzieren, was man wollte - selbt ein Kriegsdrama aus deutscher Produktion wäre als billig gestrickte Klamotte abgestempelt worden. Das schnelle Geldscheffeln wurde zur künstlerischen Tragödie des nationalen Films. Bis heute hat er sich von den komödianten Verbrechen nur zaghaft erholt, so daß man zurecht fragen kann, wozu - um Himmels Willen - mit 'Alles Bob' eine weitere Komödie?

Macht 'Alles Bob' denn alles anders? Nein. Man könnte fast meinen, daß die strafende Simplizität des Plots auf den mechanischen Einsatz eines 'Drehbuchgenerators' zurückzuführen ist: Hier vorne drücken wir einen Knopf und hinten kommt - Simsalabim - das unsagbar abgeschmackt und verschlissene Grundmuster der Beziehungsfarce heraus, konstruiert aus stereotypischen Elementen. Da haben wir Gregor Törzs als Herzensbrecher und zuerst nicht der Liebe fähiger Macho, eine spießig verbonzte Familie samt sträflich schablonenhafter Barbiepuppentochter und zu guter Letzt Martina Gedeck als erotische Bankangestellte, die geschieden lebt, sich mit drei renitenten Gören zu plagen hat und eigentlich einen neuen Partner begrüßen würde - fertig ist die nur allzu bekannte, grausig konstruierte Personenkonstellation, durch die überzogene Parodie zweier in ihrer Familienehre gekränkten Türken mit Multikultifärbung versehen. Was 'Alles Bob' jedoch zumindest nicht zur stilistischen Nullnummer verkommen läßt, ist die gekonnte Kameraführung, gut gesetzte hektische Schnitte und - in erster Linie - seine knallig bunte Fotografie. Auch wenn in letzter Zeit die gewollte Tendenz zur 'Ästhetik des Häßlichen', zum Schmuddel- und Ekelcharme ständig zunimmt, ist das Aufregendste an Otto Alexander Jahrreiss´ Popstreifen die pervers schlechten Hemden Gregor Törzs, die Bob Erscheinungsbild zwischen postpubertären Zuhälter und schwulem Paradiesvogel schwanken lassen. Auch die übrige Optik wirkt mitunter wie ein bonbonfarbendes Zerrbild der 70er, in dem sich Schönling Gregor Tölzs stilsicher, schmierig und vor allem relaxt einsilbig gibt. Solange ihn der hirnrissige Plot nicht zum Sprechen anhält, hat er die eindeutig besten Auftritte, denn die Dialoge lassen ihm kaum einen grammatikalisch vollständigen Satz. Ein Stottern hier, ein Abbruch da. Gibt sein darstellerisches Vermögen wohl ohnehin nicht mehr her, bringt er den für die Rolle erforderlichen Sexappeal und oberflächlichen Charakter aber mit Bravour rüber. Auch sein Zusammenspiel mit Martina Gedeck, die nicht wenig Erotik ausstrahlt, entfaltet sich mitunter recht amüsant und als präzise durchdacht.

Wirklich fesselnd wird es aber vor allem deswegen nicht, weil der fadenscheinige Handlungsstrang nicht konsequent genug aufgegriffen wird und das Geschehen folglich große Zeit ideenlos vor sich hindümpelt, ab und an durch angedeuteten Situationswitz zum Schmunzeln anregt, doch eindeutig abgegriffen bleibt. Für einige abgedrehte Auftritte sorgt nur noch Bobs verlotterter Drogenfreund, die bedauernswerteFigur des verlotterten Tankstellenwächers Mack (Karl Markowitz). Im Ende verläuft sich die Konzeption in vollendet klischeehafter Dämlichkeit. So gibt es im Einheitsbrei der Einfallslosigkeit und blühenden Langeweile nichts, was die 'Genrevergewaltigungen' der Vergangenheit abgeschwächt hätte. Ein in manchen Zügen bemühter, doch insgesamt die Geschmacksverwirrungen des deutschen Beziehungsquatsches untermauernder Streifen.

Stilsichere Optik in durchweg abgeschmackter Beziehungsfarce


Flemming Schock