All die schönen Pferde
(All the Pretty Horses)

USA, 117min
R:Billy Bob Thornton
B:Cormack McCarthy, Ted Tally
D:Matt Damon,
Henry Thomas,
Penélope Cruz,
Lucas Black
L:IMDb
„Irgendwann werden wir alle von Gefühlen geheilt. Diejenigen, die das Leben nicht heilt, heilt der Tod.”
Inhalt
Texas, 1949. Als nach dem Tod seines Großvaters die Ranch verkauft wird, auf der er sein ganzes Leben verbracht hat, entscheidet sich John Grady Cole (Matt Damon) gemeinsam mit seinem besten Freund Lacey Rawlins (Henry Thomas) in Mexiko einen Neuanfang zu wagen. Angezogen vom vermeintlich romantischen Leben der Cowboys südlich des Rio Grande, versprechen sich die beiden Pferdenarren ihre Träume zu verwirklichen und brechen zu einer abenteuerlichen Reise auf. Unterwegs begegnen sie einem jungen Ausreißer (Lucas Black) - eine Bekanntschaft, die noch viel Ärger nach sich ziehen wird. Als Cole sich dann auch noch leidenschaftlich in Alejandra (Penélope Cruz), die schöne Tochter eines wohlhabenden Pferdezüchters, verliebt, ist dies der Beginn einer langen Odyssee...
Kurzkommentar
Literaturverfilmung - Billy Bob Thornton - Western. Das lässt nichts Gutes ahnen, und das zurecht. Thorntons zweite Regiearbeit ist eine überlange, einschläfernde Geschichte, die niemanden interessiert, und die auch niemand sehen will.
Kritik
Anscheinend sucht Billy Bob Thornton nach seiner durchaus nicht erfolglosen Schauspielkarriere und dem, wie kolportiert wird, abwechslungsreichen Sexleben mit Angelina Jolie jetzt neue Herausfoderungen. Nach seiner ersten, weitgehend unbeachteten Regiearbeit "Sling Blade" wagte er sich nun an die Verfilmung eines amerikanischen Beststellers: "All the Pretty Horses" von Cormack McCarthy. Nun bergen Literaturverfilmungen bekanntermaßen ihre eigenen Tücken, und eine Liebes-Western-Geschichte läuft stets Gefahr, sich in Landschaftsbildern, staubigen Pferdeszenen und schmalzigen Dialogen Dialogen zu verlieren. Was tut Thornton dagegen? Nun: nichts. Angeblich war Thorntons Ursprungsversion vier Stunden geballte Langeweile, so daß Miramax Boss Harvey Weinstein eingreifen musste, und den Film auf knapp die Hälfte Kürze. Ergebnis: Langweilig ist der Film immernoch, und jetzt zudem auch noch unzusammenhängend. Schlimmer aber noch: Es gibt kein bewegendes Ereignis, keine "unerhörte Begebenheit", keinen Falken, nichts was den Film irgendwie spannend machen würde. Da ziehen also zwei junge Männer nach Mexico, um ihren Traum vom Cowboy zu leben (mitten im 20. Jahrhundert, nebenbei). Sie landen auf einer Ranch, einer verliebt sich (natürlich auf den ersten Blick) in die Tochter des Ranchbesitzers. Doch sie konnten zueinander nicht finden, weil....ja, warum eigentlich? Tja, weiss man nicht, ist auch nicht so wichtig, auf jeden Fall arrangiert man, dass der lonesome Cowboy als Pferdedieb ins Gefängnis gesteckt wird, von wo er nur mit Mühe entkommen kann. Ui, spannend. Und so innovativ.

Was uns das alles sagt? Nun, vielleicht, daß man sich nicht in Töchter von Ranchbesitzern verlieben soll. Was wir aber gar nicht wissen wollten, bekommen wir natürlich unmißverständlich aufs Auge gedrückt: In Mexico sind alle Sheriffs (dort Capitan genannt) korrupte Schweine, die zur privaten Genugtuung kleine Jungs erschießen, und denen man nicht trauen kann. Die Gefängnisse sind Orte des Grauens, und eigentlich sind alle Mexicaner irgendwie kriminell. Aber zum Glück gibt's das Land der Freien und Mutigen, denn in den USA wird man vor ein ordentliches Gericht gestellt, die Richter sind väterlich-freundlich, finden es nicht so schlimm, wenn man nen Mord begangen hat, solange man nur den Bösen ersticht, und unapetittliche Gefängnisse gibt's auch nicht. Wir haben es schon immer gewußt, die Amerikaner sind die einzigen anständigen Menschen auf Gottes weiter Erde, God's Chosen People eben. Was bleibt da schon für die anderen.

Auch Matt Damons in anderen Filmen durchaus respektable, oscarpreisgekrönte Leistung kann den Film nicht retten, zumal er in "All die schönen Pferde" wenig überzeugt. Da passen Henry "One Face" Thomas und die ganzen phlegmatischen Mexikaner ganz gut dazu, allesamt schieben sie sich eher lustlos durch die Kulissen. Der einzige, der ein bisschen Spannung in den Film bringt, ist Lucas Black als undurchsichtiger Jimmy Blevins. Was aber dieser Charakter da zu suchen hat, bleibt reichlich unklar, die teilweise arg zusammenhanglosen Szenen (Jimmys Angst vor Blitzen - äh, was?) legen einen Schluß nahe: Nachdem Harvey Weinstein himself den Film halbiert hatte, wurde die falsche Hälfte in die Kopierwerke gegeben...

Echte Westernstimmung mag auch keine aufkommen (ok, 1949 ist auch nicht der richtige Zeitpunkt, aber ich hab mir die Story ja nicht ausgedacht), alleine die "Come to Where Flavour is"-Landschaftsbilder haben irgendwie was Stimmig-Staubiges. Sehenswert ist der Film eigentlich für niemand, weder für Cormackfans, Westernfans, Pferdefans oder Schnulzenfans. Für Matt-Damon-Fans vielleicht, aber selbst das wird ein unbefriedigendes Erlebnis bleiben. Yee-Ha.

Dröge-einschläfernde Wiederbelebung amerikanischer Westernmythen


Wolfgang Huang