Ein Quantum Trost
(Quantum of Solace)

GB, 106min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Marc Forster
B:Paul Haggis, Neal Purvis
D:Daniel Craig,
Olga Kurylenko,
Mathieu Almaric,
Judi Dench
L:IMDb
„I guess Tosca isn't for everyone.”
Inhalt
Nachdem er von Vesper, der Frau, die er geliebt hat, betrogen wurde, kämpft 007 (Daniel Craig) gegen das Verlangen an, seine nächste Mission zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen. Auf einer Mission, die ihn nach Österreich, Italien und Südamerika führt, findet Bond heraus, dass ein Verbrechersyndikat ein Komplott schmiedet und versucht, die totale Kontrolle über eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen der Welt zu gewinnen. Inmitten eines Minenfeldes aus Betrug, Mord und Täuschung, verbündet sich Bond mit alten Freunden, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Kurzkommentar
Nach seinem rauhen Debüt als 007 in "Casino Royale", dem finanziell erfolgreichsten Bond-Film aller Zeiten, tritt der Agent jetzt zu seiner neuesten Mission an. Die Regie bei „Ein Quantum Trost“ hat der deutschstämmige Marc Forster ("Monster's Ball", "Wenn Träume fliegen lernen") übernommen und lässt 007 zwischen bournesker, sehr physischer Action genug Atempausen, um keckes Spionageflair zu erzeugen.
Kritik
Na, da war das Jammern wieder groß! Ist das überhaupt noch ein Bond, frugen sich die Damen und Herren. So wenig Gentlemen, so viel Gemeines! Gerade jedoch das Spionagegeschäft war schon immer ein, wenn man so will, postmodernes. Überläufer, Tarner, Täuscher! Gedoppelte und dekonstruierte Aussagen und Intentionen – wem wird da nicht warm ums Herz? Nur scheinbar hat aber ein mit dem Handrücken Frauen verprügelnder Sean Connery mehr/weniger Stil als ein still dem Gegner beim Sterben durch Verbluten zusehender Craig.

Langsam hat man das Gefühl, die Traummaschine bekommt den schnellen Griff in den Schnitt: Was schon im dritten Bourne-Abenteuer famos funktionierte, wird im neuen Bond noch durch einen Tonschnitt übertroffen, der das mörderische Geschäft des Agenten und seiner Feinde mit einer meisterhaft morbiden Ästhetik versieht. Bond wirkt dabei immer wieder wie ein getriebener Rachegeist, dessen stechend blaue Augen absolute Bestimmtheit und Entschlossenheit ausdrücken. Nach wie vor jedoch ist die Bond-Serie ein von avatistisch-männlich Dominierungsmotiven geprägter Ritt durch ein fiktives, westliches Macholand: Zumindest in den nächsten Jahren werden wir keinen dicklich-asiatischen Transgenderagenten mit Holzbein, Sonnenallergie und Randgruppenbonus erleben („Bond will return!“). Und nie war es so offensichtlich, dass „M“ eben doch für „Mutti“ steht. Man ist Familie.

Die US-Presse offenbart gemischte Gefühle, wenn es um 007s Durchgreifen gegen Ökoraubbau und Liebeszerstörer geht. Empire schreibt: „As with "The Dark Knight," the only real caveat is that while it's exciting and imaginative, it's not exactly anyone's idea of fun. To keep in the game, perhaps the next movie could let the hero enjoy himself a bit more.“ Der Austin Chronicle meint: “It's a grim, dark, and relentlessly violent film throughout; James Bond as Terminator rather than Templar – but it delivers the goods in bloody high style: explosively, sexily, and with 007 shaken (not stirred) to his icy core.“ Und Entertainment Weekly bilanziert: “The point is, wherever he is, this James Bond is pissed. And that ceaseless anger begins to curdle every sequence that might otherwise bring a little happiness. I mean happiness for us, the viewers.“

Trotz überkritischer Stimmen: Auch dieser Bond beinhaltet die klassischen Zutaten eines Ian Fleming-Abenteuers und wird geneigte Zuschauer nicht enttäuschen


Rudolf Inderst