Eagle Eye - Außer Kontrolle
(Eagle Eye)

USA, 113min
R:D.J. Caruso
B:Travis Writh, John Glenn
D:Shia LaBeouf,
Michelle Monaghan,
Billy Bob Thornton
L:IMDb
„Yeah, I’m pretty sure she can derail a train. She could turn a train into a talking duck if she wanted to.”
Inhalt
Von einem Moment auf den anderen wird Jerry (Shia LaBeouf) ungewollt als Terrorist gejagt. Genauso wie die alleinerziehende Mutter Rachel (Michelle Monaghan) ist er zur Marionette einer Terrorzelle geworden, und zusammen sollen sie ein Attentat begehen. Ihre einzige Chance ist, mitzuspielen und die skrupellosen und allgegenwärtigen Fadenzieher im Hintergrund zu enttarnen.
Kurzkommentar
"Eagle Eye" hatte einen der besten Teaser der letzten Filmjahre anzubieten. Wenn der Film sich die Zeit nähme, die düstere Atmosphäre der ersten dreißig Minuten langsam weiter zu entwickeln, statt in wilden Verfolgungsjagden aufzugehen, hätte "Eagle Eye" ein richtig spannender Thriller werden können. So bleibt ein recht fahler Nachgeschmack.
Kritik
Die US-Presse, so viel ist sicher, gibt sich unzufrieden mit "Eagle Eye". Aus der LA Weekly knallt es: "It's nothing but a herky-jerky clusterfuck of noise and nonsense." ReelViews meint: "There is no truth to the rumor that free frontal lobotomies will be performed at the entrance to all theaters showing Eagle Eye." Und in Rolling Stone ist zu lesen: "Questions: Did everyone involved in this botched thriller OD on speed? Does jimmy-legs director D.J. Caruso think if he slowed down the action we'd figure out how stupid the plot is?"

Der in diesen Tagen fast überpräsente Shia LaBeouf spielt in "Eagle Eye" eine Figur, wie man sie aus dem US-Kino kennt. Eingekeilt zwischen Kafkas Prozess und Redfords Condor-Tage spielt er den Bürger, der zwischen alle Fronten und staatlichen Verschwörungsmachenschaften gleichzeitig gerät. In letzter Zeit spielte, zu Beginn des Films zumindest, übrigens James McAvoy in "Wanted eine ähnlich angelegte Rolle. Neben ihm bleibt Michelle Monaghan merkwürdig blass; auch die Beziehung, die vermutlich, dem Skript folgend irgendwann Funken schlagen sollte, bleibt unterkühlt, gerade in der letzten Einstellung des Films wird dies überdeutlich.

Das vermeintlich große Thema des Streifens, nämlich die gefährliche Kombination aus Übertechnologisierung und Überwachungsstaat in Zeiten der allgemeinen Terrorphobie in westlichen Industriestaaten, bildet lediglich den Auftakt, sozusagen die digitale Soundtapete für einen Film, dessen Protagonisten sich schneller in Schießereien und Verfolgungsjagden wieder finden als illegale MP3s den Besitzer wechseln.

Leider zerstört diese rastlose Action-Achterbahn fast jegliche Spannung. Allerdings, das soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, die gezeigten Autostunts erfreuen den geneigten Zuseher. Und angesichts der entstandenen Verwirrung, dem unheiligen Kompetenzwirrwarr und fehlenden Absprachen der ersten Stunden nach der Entführung der Passagiermaschinen am 11. September 2001, kann man – anders – als die US-Kritik "Eagle Eye" nur bedingt Unrealismus vorwerfen. Aber, mal unter uns, das sind sowie nicht die dringendsten Fragen, die man an kulturelle Artefakte stellen sollte.


"Eagle Eye" bietet einen paranoid-soliden Auftakt, der leider im Actionschnellschuss-Chaos allzu schnell zu versinken droht.


Rudolf Inderst