Far Cry

Deutschland, 94min
R:Uwe Boll
B:Michael Roesch
D:Till Schweiger,
Ralf Möller,
Udo Kier
L:IMDb
„Beim Militär nannten wir das kollektive Wärmeübertragung.”
Inhalt
Seit Draufgänger Jack Carver (Til Schweiger) seinen Dienst bei den Special Forces quittiert hat, führt er ein beschauliches Leben als Bootsführer für Touristen. Damit ist es jedoch vorbei, als die attraktive Journalistin Valerie (Emmanuelle Vaugier) auftaucht und ihn bittet, sie zu einer Militärinsel zu bringen. Kaum an Land, wird Valerie allerdings sofort geschnappt und Jacks Boot in die Luft gesprengt. Er rettet sich in letzter Sekunde vor der Explosion - und gerät in ein gefährliches Abenteuer: Auf der Insel herrscht der zwielichtige Dr. Krieger (Udo Kier), der für das Militär geheime Gen-Experimente durchführt. Jack muss ihn stoppen …
Kurzkommentar
Endlich ist Till Schweiger unter der Ägide gelandet, die er verdient. Uwe Boll inszeniert die Adaption des erfolgreichen First-Person-Shooters "Far Cry" als B-Actionware, die man guten Gewissens ignorieren kann. Ralph Möller, Udo Kier und Till als triple German threat sind nämlich nur schwer auszuhalten. Und das Skript steht vermutlich schon unter Artenschutz.
Kritik
Serientäter Boll lässt nicht locker! Getreu dem Motto: "Stell Dir vor, es ist Kino, und keiner geht hin." ist auch sein neuster Ausflug auf die Leinwände der Republik zu werten. Die Vorlage diesmal: "Far Cry". Der First-Person-Shooter um einen Ex-Soldaten, der in der Karibik wieder zur Waffe greifen muss, aus deutschen Landen überzeugte im Frühjahr 2004 Fachpresse und Spieler gleichermaßen. Die Veröffentlichung eines zweiten Teils steht unmittelbar bevor.

Uwe Boll verlegt den Schauplatz der Chose ins kühle Kanada und es lässt es dort kräftig Explosionen und Schießereien für insgesamt 30 Millionen Dollar regnen. Das Problem des Film ist allerdings offensichtlich: Was nur soll man ZWISCHEN den Actionszenen, die teils verwirrend-schnell, teils ansehnlich in Szene gesetzt wurden, machen. Etwa eine Geschichte erzählen? Ganz ohne den donnernd-loopenden Orchestersound, der alles platt walzt? Augen zu und durch!

Udo Kier gibt den hyperkapitalistischen Deutschgenforscher mit Namen Krieger (!), hört Wagner auf Vinyl und verlustiert sich in schwülstigen Ölgemälden als Lagekommandant, der gerne an starken Jungsoldaten herumfuhrwerkt. Till Schweiger besinnt sich auf seine Leistung in "Manta, Manta" und gibt sich schrecklich "lustig". In dem ihm aufgezwungenen Hawaiihemd, das eine direkte Anspielung auf die Vorlage darstellt, fühlt er sich sichtlich so wohl wie ein nacktes Hinterteil im südamerikanischen Ameisenbau. Und Uschi Obermeier aka Natalia Avelon darf die Ostblock-Söldnerbraut geben. Ralf Möller spielt übrigens Ralf Möller, wie in jedem Film. Wer sich davon überzeugen möchte, besorgt sich in der Videothek seine Vetrauens "Alone in the Dark 2". Keine Widerrede!

Fest steht aber auch, dass der Dieter Bohlen des deutschen Film genug Umsatz generieren wird, um weiter machen zu können, und irgendwie erwartet man das auch. Als Kritiker sowieso. Die nächsten Titel stehen schon in den Startlöchern; zumindest bis 2010 ist alles in trockenen Tüchern!


Motive eines Videospiels aufgreifender Actionfilm, der aufgrund dümmlicher Dialoge und miserabler Schauspielleistung kopfschüttelnd aufstöhnen lässt.


Rudolf Inderst