Akte X - Jenseits der Wahrheit
(X-Files - I want to believe)

USA, 104min
R:Christ Carter
B:Chris Carter
D:David Duchovny,
Gillian Anderson
L:IMDb
„Let's just say that I want to believe.”
Inhalt
Scully und Mulder sind wieder da! Die beiden müssen als nun Außenstehende erneut einen mysteriösen, ungelösten Fall des FBI aufklären, bei dem die komplizierte Beziehung zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Agenten eine unerwartete Wendung nimmt. Fox Mulder (David Duchovny) verfolgt weiterhin seine unerbittliche Suche nach Antworten, bei dem ihm Dana Scully (Gillian Anderson), die intelligente und rationale Wissenschaftlerin, unerschütterlich zur Seite steht. Was wird der Fall um eine entführte FBI-Agentin dem ungleichen Paar bringen?
Kurzkommentar
Nach neun Staffeln und einem Kinofilm legt Schöpfer Chris Carter nach Jahren der Akte X-Abwesenheit und des Rechtsstreits nach: Mit angenehm leisen Tönen und Raum für die Protagonisten vergehen die 104 Minuten recht flott. Die Frage steht nun jedoch im Raum, wie es mit den X-Files weitergehen soll.
Kritik
Um es vorweg zu nehmen, die vorliegende Kritik ist wesentlich Akte X-freundlicher als diejenige der US-Kritik. Selbige nahm nämlich den zweiten Filmanlauf des bekannten Agentenduos nicht sonderlich positiv auf. Zwar lobt der San Francisco Chronicle: "Knowing nothing about "X-Files" is no impediment to appreciating this for the well-acted, adult piece of work that it is", aber die Mehrheit steht dem Abenteuer kritisch gegenüber. So urteilt in etwa die New York Times: "Baggy, draggy, oddly timed and strangely off the mark, The X-Files: I Want to Believe is the generally bad-news follow-up to the show’s first feature-film incarnation, "The X-Files." Auch der Boston Globe spottet: "The truth is, indeed, still out there. And when Carter finds it, may he heed its wisdom: Let go." Da tut es der verletzten X-Seele gut, dass sich Rüdiger Suchsland in seinem Artikel "Weißt Du noch oder glaubst Du schon?" so profund mit dem Thema Religiosität in der jüngsten Episode des X-Universums beschäftigt.

Zunächst einmal muss man sicherlich lobend anerkennen, dass "Akte X – Jenseits der Wahrheit" in Sachen Zielgruppe sicherer zu Werke geht. Im Gegensatz zum ersten Kinoleinwandausflug erleidet der neue Teil keinen Beckenbruch, weil man (erfolglos) den Spagat zwischen Fanbase und Neulingen versuchte. "Akte X – Jenseits der Wahrheit" kümmert sich nicht um solch kleinliche Fragen. Zwar finden sich reichlich Anspielungen und Details, welche auf die Serienvergangenheit verweisen, aber Eigenständigkeit ist es, was den Film in dieser Hinsicht auszeichnet.

Chris Carter hat einer zweiten, großen Versuchung widerstanden. "Akte X – Jenseits der Wahrheit" ist keine digitale Revuenummer, keine effektgeladene Alienhatz rund um den Globus. Im Zentrum stehen tatsächlich Fox Mulder und Dana Scully und ihre Schwierigkeiten ihr post FBI-Leben zu meistern. Beide graben sich in Arbeit ein, wenn auch in verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Graden der Exponiertheit. Und als das FBI in aller heftigen Plötzlichkeit wieder in ihr Leben drängt, müssen sich die Charaktere über einige Dinge klar werden.

Es mag sein, dass sich so mancher Zeitgeist eine gehörigere Portion Grusel oder Mystery gewünscht hatte, doch schon der Trailer ließ verstehen, dass es nicht zu wild zugehen würde. Leider sind die Nebenfiguren in "Akte X – Jenseits der Wahrheit" allzu lässig von der Leine gelassen worden. Es ist oftmals nicht klar, welche Funktion sie erfüllen oder Ziele sie verfolgen sollen.

Der Film macht auf jeden Fall Lust, zuhause die Serie auf DVD, nein besser noch auf VHS-Tape, noch einmal anzusehen. Sich ganz dem alten Band hinzugeben, das rauschende und manchmal stockende Bild zu genießen. Und vielleicht ist dies das größte Lob, das man einer Leinwandadaption aussprechen kann.


Unterhaltsamer X-Akten Nachschlag mit dem zurückgenommenen Charakter einer guten Doppelfolge.


Rudolf Inderst