Unter Kontrolle
(Surveillance)

USA, 93min
R:Jennifer Chambers Lynch
B:Jennifer Chambers Lynch, Kent Harper
D:Julia Ormond,
Bill Pullman,
Pell James,
Kent Harper,
French Stewart
L:IMDb
„Du kannst das Kind nicht retten.”
Inhalt
Die FBI-Agenten Elizabeth Anderson (Julia Ormond) und Sam Hallaway (Bill Pullman) sind unterwegs Richtung kanadische Einöde, um dort mehrere Zeugen einer grausamen Mordserie zu befragen. Schon bei der Ankunft liegen Spannungen mit der örtlichen Polizei und den drei sehr unterschiedlichen Zeugen in der Luft. Es handelt sich um einen Polizisten (Kent Harper), eine Drogenabhängige (Pell James) und ein kleines, blondes Mädchen (Ryan Simpkins). Zusammen mit Polizeichef Billings (Michael Ironside) beginnt in drei Räumen ein ausschweifendes Verhör, in dessen Verlauf Anderson und Hallaway klar wird, dass die Zeugen augenscheinlich vieles gesehen haben, was sie nicht zugeben wollen.
Kurzkommentar
Sollte es das Ziel gewesen sein, sich vom überwirkmächtigen Vater durch diesen Film künstlerisch zu trennen, kann man getrost ein Scheitern attestieren. Tochter Lynch erreicht zwar zu keinem Zeitpunkt die verstörende Intensität und Absurdität des Herrn Papa, aber ein missratener Thriller ist „Unter Kontrolle“ deswegen noch lange nicht.
Kritik
Bill Pullmann besteht aus einem einzig unbeweglichen Hals. Es regnet. Ich hoffe, es gibt heute Lachs in Taiwan. nataS!! So, wenn der geneigte Leser glaubt, dies sei alles an Seltsamen im Universum des David Lynch, dann wäre er oder sie in „Unter Kontrolle“ recht gut aufgehoben. Denn genauso wie der Vorzeige-Verstör-Regisseur wesentlich mehr Tiefgang zu bieten hat, ist auch der vorliegende Film der Tochter zu großen Teilen (angenehmes) Blendwerk.

„Unter Kontrolle“ macht vor allem Spaß, wenn man sich weniger auf die recht konventionelle Geschichte konzentriert, die im Grunde auch (wenig blutig) in jeder zweiten TV-Serie ihren Platz gehabt hätte, sondern auf die filmischen Nebenschauplätze, die da heißen: Farben, Landschaften, Schnitt, Filmmusik und Schauspiel. Diese Schlagworte sind es, die das Lob des Zusehers ausdrücklich verdienen. Die beiden TV-Veteranen Daryl Davis und Peter Wunstorf, die für das Editing und die Kameraarbeit zuständig sind, liefern eine tolle Arbeit ab. Sie setzen – stets mit der Neigung zur Übertreibung – die einerseits die Leere und Weite der Landschaft und andererseits die Enge der Polizeiverhörzimmer und Tatorte in Szene. Dazu wagen sie immer wieder kleine Sehexperimente, die den Zuschauer verwirren und stutzig machen. Dabei zeigen sich mal helle und düstere Passagen, mal gefallen kräftige Farben, dann zeigen sich die Töne zurückhaltend und monochrom.

Das Schauspiel aller Beteiligten ist genauso großartig wie es theatralisch ist. Folgerichtig steuert im großen Finale alles auf ein arg konstruiertes Überperverses zu, welches es nicht nötig gehabt hätte, überhaupt aufzutauchen. Horror ganz anderer Art wartet aber schon auf die Regisseurin: Jennifer Lynch wird die Federführung für den Horrorthriller "Nagin - The Snake Woman", welcher parallel auf Englisch und Hindi gedreht wird, übernehmen. Der Film wird sich mit orientalischen Mythen der Schlangenfrau, welche unterschiedlich Formen annehmen kann, beschäftigen.


Konventionell erzählter Thriller, der an den richtigen Stellen mit einer Portion Surrealität verdunkelt wurde.


Rudolf Inderst