The Eye

USA, 88min
R:David Moreau, Xavier Palud
B:Sebastian Gutierrez
D:Jessica Alba,
Parker Posey
L:IMDb
„I know you're scared. Don't be. 'Cause the world really is beautiful.”
Inhalt
Sydney Wells (Jessica Alba) ist eine Violinistin, die seit einem tragischen Unfall in ihrer Kindheit blind ist. Ihre letzte Chance besteht aus einer Hornhauttransplantation, die sie wieder sehen lässt. Aber ihre Freude darüber weilt nur kurz: unerklärliche schattenhafte und beängstigende Bilder verfolgen sie. Alles nur Einbildung, oder doch grauenhafte Realität? Als Sydneys Freunde und Familie beginnen an ihrer Vernunft zu zweifeln, ist Sydney fest davon überzeugt, dass ihr Spender irgendwie die Tür zu einer furchtbaren Welt geöffnet hat, die nur sie sehen kann.
Kurzkommentar
Die Phase der US-Remakes von asiatischen Geisterfilmen ist eigentlich seit geraumer Zeit vorüber, jedoch schaffen es immer wieder Nachzügler, auf die internationalen Märkte zu kommen. "The Eye" gehört zu diesen. Leider handelt es sich um eine recht biedere Variante, die nicht so recht in Fahrt kommt.
Kritik
Der an Drehorten in den USA, Mexiko und Kanada entstandene "The Eye" gehört zu den letzten Ausläufern der Remake-Welle, welche manchmal ganz schreckliche ("Pulse"), manchmal aber recht flotte ("The Grudge" oder "Dark Water") Neuauflagen von asiatischen Geisterfilmen an Land spülte. Jessica Alba spielt sich als Musikerin Sydney Wells in "The Eye" in die bedeutungslose Gruselmitte.

Das Original "Gin Gwai" stammt aus dem Jahr 2002. Die Pang-Brüder inszenierten als heiß abgefeiertes Regieduo den chinesischen-thailändischen Grusler, der sich durch Festivals und DVD-Importe schnell eine große Fanbasis weltweit erwirtschaftete. Die Idee, dass in transplantiertem, menschlichem Zellmaterial Erinnerungen des ehemaligen Trägers schlummern, war originell genug, um 90 Minuten Angst und Schrecken zu verbreiten.

Das Remake bietet seichte Kost. Zwar wirken die Bilder allesamt streng durchkomponiert im Sinne eines blaustichigen Ikea-Katalogs, und ein paar Kamerafahrten lassen vergnügt jauchzen, aber interessante Grundkonflikte der Figuren werden nicht weiter entwickelt. Das ist schade, denn dafür gäbe es reichlich. Da gibt es zum Beispiel die von Schuldkomplexen beladene Schwester, die im Gegensatz zur Musikerin durch einen Unfall im Kindesalter nicht erblindete. Auch die im Original stets präsente soziale Isolation der ehemaligen Blinden (unter anderem der Ausschluss aus dem Blindenorchester) findet im Remake keinen Widerhall. Und wenn man gerade in Nörgellaune ist, kann man sich natürlich einmal Gedanken darüber machen, warum Mexiko in US-Produktionen immer als Hort für religiösen Wahn und abergläubische Raserei herhalten muss.

Die US-Presse zeigt sich größtenteils enttäuscht. Im Austin Chronicle ist zu lesen: "Most unforgivably, this Eye culminates not with the mounting dread and spectacular tragedy of the original film's decidedly downbeat vision, but with the trademark LASIK laziness of Hollywood's stylistically blank remake factory." Und im Hollywood Reporter steht: "Sacrifices the quietly creepy qualities of the original in favor of ramped-up horror film techniques that by now seem distressingly familiar."


Ich sehe was, was Du nicht siehst: Glattgebügeltes US-Remake des asiatischen Horrorthrillers mit angezogener Handbremse.


Rudolf Inderst