The Happening

USA, 95min
R:M. Night Shyamalan
B:M. Night Shyamalan
D:Mark Wahlberg,
Zooey Deschanel,
John Leguizamo
L:IMDb
„Kann man denn nicht mal eine Sekunde in Ruhe nachdenken?”
Inhalt
Innerhalb von Minuten bricht eine Welle mysteriöser und grauenhafter Todesfälle über große amerikanische Metropolen herein, die sich jeder Erklärung entziehen und in ihrer schockierenden Destruktivität unvorstellbar sind. Was ist verantwortlich für diesen plötzlichen totalen Zusammenbruch menschlichen Verhaltens? Ein neuer Terroranschlag, ein fehlgeschlagenes Experiment, eine teuflische biochemische Waffe, ein Virus, das außer Kontrolle geraten ist? Naturkundelehrer Elliot (Mark Wahlberg) und seine Frau (Zooey Deschanel) befinden sich inmitten der Gefahr und suchen verzweifelt einen Ausweg…
Kurzkommentar
Regisseur M. Night Shyamalan ist spitze! Er produziert mit "The Happening" einen Wandertagsfilm, wie man ihn aus Schulzeiten kennt – inklusive aller technischen Mängel, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Oder sollte das alles gar nicht so geplant gewesen sein? Oh, dann muss ich wohl andere Saiten aufziehen. Der in Deutschland geschnittene "The Happening" ist richtig verkorkstes Kino.
Kritik
Als Gott die Stirnfalte schuf, muss Er/Sie an Mark Wahlberg in "The Happening" gedacht haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass Regisseur M. Night Shyamalan so versessen darauf ist, Herrn Wahlberg permanent in Großaufnahme, ungläubig staunend/fragend/zweifelnd, zu zeigen. Der Ex-Unterhosen-Waschbrettbauchträger entdeckt die (Film-)welt wie ein Dreijähriger: Glotzend, betatschend und stammelnd.

Unheimliche Aufnahmen von Wolken in Zeitraffer bilden den Auftakt dieses Paranoia-Thrillers und mehren die Hoffnungen des Zuschauers auf einen satten Ausflug in die Zeiten von "Invasion of the Body Snatchers". Auch die kommenden ersten Filmminuten haben es in sich: Der "Ausbruch" des Phänomens ist famos-schaurig eingefangen und schon freut man sich darauf, dass "The Happening" weitere Kreise zieht. Die Post 9/11-Hysterie schlägt mit voller Wucht und Härte zu – sofort vermutet man Terroranschläge an allen Ecken des amerikanischen Nordostens.

Nach diesem tollen Auftakt konzentriert sich die Kamera auf die Protagonisten der kommenden 75 Minuten. Und genau hier beginnt der Abstieg des Films, plötzlich läuft alles schief. Ob es daran liegen mag, dass fast 85% des Films im Freien spielen? Jedenfalls wechselt die Beleuchtung des Films innerhalb von wenigen Minuten wie LKW-Fernfahrerleuchtketten in Frontscheiben. Nach dem fünften oder sechsten Mal hört man zudem auch gerne auf, das Mikrophon, welches gut sichtbar ins Bild hineinragt, zu beachten. Oder will uns der Regisseur damit die totale Konstruiertheit der Filmwelt aufzeigen? Hätte man dann nicht doch einen schnellen Schwenk auf die komplette Filmcrew machen sollen? Das wäre einmal radikal gewesen. Naja, die filmische Naivität und Geschichtenerzählermentalität des Indo-Amerikaners schlägt dann wohl doch nicht in Arthouse um. Eigentlich schade.

Auch die Geschichte fällt in erster Linie durch ihren dramaturgischen Schlingerkurs auf. Handlungsstränge führen ins Nichts, Charaktere werden ohne Funktion eingeführt und wieder fallengelassen, ernsthafte Szenen werden durch schwache Kalauer entkräftet. Eine Schande. Bleibt die Frage, was die amerikanische Presse zu "The Happening" sagt. Das Wall Street Journal meint trocken: "The Happening makes you wonder whether Mr. Shyamalan's own switch may have been flipped. How else to explain his film's befuddling infelicities, insistent banalities, shambling pace and pervasive ineptitude?" Im Boston Globe steht: "You feel like you're not watching the end of the world but the end of a career." Und abschließend in der Time: "The writer-director's disintegration from robust artistic health to narrative incoherence, from hitmaker to box-office loser, has an almost tragic trajectory."

Whats, uhm, happening? Handwerklich und inhaltliche arg stolpernder Mysterythriller.


Rudolf Inderst