Untraceable

USA, 101min
R:Gregory Hoblit
B:Robert Fyvolent, Mark Brinker
D:Diane Lane,
Billy Burke,
Colin Hanks,
Joseph Cross,
Mary Beth Hurt
L:IMDb
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Inhalt
Mord 2.0 - auch in den virtuellen Weiten des Webs lauert allzu reale Gewalt. Im Krieg gegen die Online-Kriminalität steht die FBI-Spezialistin Jennifer Marsh (Diane Lane) an vorderster Front. Hat sie einen Verbrecher erst mal auf dem Schirm, lässt sie ihn nicht mehr entkommen. Doch diesmal wird aus der Jägerin die Gejagte, als ein erbarmungsloser Gegner sie in ein grausames Katz-und-Maus-Spiel zwingt. Auf der Website www.killwithme.com lädt ein High-Tech-Serienmörder ein, dem Todeskampf seiner Gefangenen beizuwohnen, und macht die Besucher seiner Internetseite gleichzeitig zu Mittätern. Je mehr Menschen auf die Seite klicken, umso schneller stirbt das Opfer
Kurzkommentar
Ist es nicht ein wenig spät, um mit dem "Fascinosum/Tremendum Web 2.0" noch ganze Filme bestreiten zu wollen? Vermutlich nicht für Hollywood. Regisseur Gregory Hoblit, der in der Vergangenheit einige "NYPD"- und "Hill Street Blues"-Folgen inszenierte, liefert mit "Untraceable" einen Thriller ab, der zu keinem Zeitpunkt Fahrt aufnimmt, sondern eher müde vor sich hin plätschert. Die ewig braun-graue Farbdramaturgie bietet da zusätzlich wenig Perspektive.
Kritik
Den Kollegen der US-Presse schließe ich mich im Falle der Rezensionen von "Untraceable" gerne und nachdrücklich an. Das Wall Street Journal schreibt: "This joyless thriller runs the gamut from unconscionable through unwatchable to unendurable." Der San Francisco Chronicle ergänzt: "As plain awful as Untraceable is, possibly the worst thing about it is that it pretends to mean something." Und im Chicago Reader können wir lesen: "By now the hypocrisy of simultaneously condemning and exploiting the audience's sadism has become so commonplace in American movies it hardly seems noteworthy."

Michael Haneke schafft es in "Funny Games", den Zuschauer herauszufordern. Haneke zeigt permanent die verführerische Seite von Gewalt und Gewaltdarstellung, und er zeigt diese, wie sie nach seiner Meinung gezeigt und gefühlt werden sollte: schmerzend. Der Zuschauer ist durch sein gieriges Zusehen steter Erfüllungsgehilfe der Gewalt, die ihn abschreckt, doch zugleich fasziniert. Ganz oberflächlich, jedoch schrecklich kalkuliert und durchschaubar spielt auch "Untraceable" mit diesen Mechanismen. Dabei erreicht der Film jedoch zu keinem Zeitpunkt die Intensität und das grenzgeniale Spiel der Darsteller in "Funny Games".

Die Leistung der Darsteller sehr routiniert zu nennen, wäre ein einigermaßen großes Zugeständnis. Gelangweilt trifft es besser; keine Spur von inspirierendem Miteinander auf der Leinwand. Weder Haupt- noch Nebenrollen versprühen Charisma. Zudem herrscht in "Untraceable" ein (Film-)wetter, das "Sieben" oder "SinCity" im Vergleich als Sonnenscheinmetropolen portraitiert. Die Farben sind derart aufdringlich trist gehalten, dass es klischeehafter nicht geht.

Die Tötungssequenzen sind eindeutig "Saw"-inspiriert. Dabei kann der Film natürlich, was die Blutigkeit betrifft, nicht aus dem Vollen schöpfen und vergrault somit die letzten Geister, die sich einen weiteren billigen torture porn Klon erwartet hatten.

Joy Fielding trifft "Saw" im Weichzeichner: Unbefriedigender Thriller mit aufgesetztem Moral-Zeigefinger.


Rudolf Inderst