10.000 BC
(10,000 BC)

USA, 109min
R:Roland Emmerich
B:Roland Emmerich, Harald Kloser
D:Steven Strait,
Camilla Belle,
Cliff Curtis,
Omar Sharif,
Reece Ritchie
L:IMDb
„Do not eat me when I save your life!”
Inhalt
Der junge Jäger D'Leh (Steven Strait), Mitglied eines abgeschieden lebenden Bergstamms, verliebt sich unsterblich in die schöne Evolet (Camilla Belle). Als eine Bande geheimnisvoller Krieger sein Dorf überfällt und Evolet entführt, nimmt D'Leh mit einer kleinen Gruppe von Jägern die Verfolgung auf: Er will Evolet um jeden Preis retten - selbst wenn er dafür bis ans Ende der Welt gehen müsste.
Kurzkommentar
Wenn sich United Colors of Benetton dazu entschlösse, einen abendfüllenden Film zu verwirklich, wäre dieser mit Sicherheit nicht allzu weit entfernt von 10.000 BC. Roland Emmerichs Film wirkt wie eine Besetzungscouch einer RTL 2 – Show namens „Die Ethno-WG“, welche mit unverschämt teuren FX-Shots aufgebohrt wurde. Spannungsarme 109 Minuten bescheren dem deutschen Zuseher die erste, große Blockbuster-Enttäuschung des Jahres 2008.
Kritik
Lassen wir einmal den ganzen „Historiker-wissen-es-besser“- Teil außen vor. Na gut, nicht ganz. Säbelzahntiger und die Sorte homo digitalis wandelten nie zur selben Zeit auf unserer schönen Erde, Metallbearbeitung Fehlanzeige und Pyramidenbau = noch nicht en vogue! Okay, jetzt aber weiter; schließlich handelt es sich um ein Unterhaltungsprodukt und nicht eine G. Knopp-Doku „Mammuts unterm Hakenkreuz“ mit Zeitzeugen-Schlagseite.

Dass dieses Unterhaltungsprodukt dennoch reichlich zweifelhalft ideologisch beladen werden kann, wird am deutlichsten, wenn die weiße Erlöserfigur (die rückwärts buchstabiert auch noch „Held“ ergibt) zwischen all den unverständlich sprechenden, schwarz-glänzenden Erfüllungsgehilfen herumstakst. Endlich! Der arischste unter den Wilden führt seine Stammesbrüder aus der Technologiefalle der Sklaventreiber! Das fühlt sich an den schlimmsten Stellen an wie bei Caesar und seiner Schilderung der dekadenten, römischen Heimat und den starken, erdverbundenen Helvetier. Sieht man sich die Sklaventreiber und die gemeine Oberschicht/Priesterkaste einmal genauer an, wird es noch schlimmer. Arabisch anmutende Bösewichte wechseln sich ab mit androgynen Behinderten und mehr als latent homosexuell wirkenden Heischlingen. Bombenmischung.

Hölzern! Das ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man die leeren Bilder dieses Films an sich vorbei ziehen lässt. Wie kleine Puppen an Fäden tanzen die Figuren über die Leinwand, manchmal erinnern sie auch eher an schlechtes Schattentheater. Die Darsteller sind der CGI-Kulisse zu keinem Zeitpunkt gewachsen, und was in irgendeiner Art und Weise episch wirken sollte, kommt reichlich plump daher. Zwischen den Liebenden herrscht so viel knisternde Erotik wie Kohlensäure in einer seit 17 Tagen offen stehenden Colaflasche zu finden ist. Männer- und Jägerfreundschaften haben keinen „männlichen Schmalz“ und es tauchen zahlreiche Figuren auf, die sich in erster Linie durch Funktionslosigkeit auszeichnen.

Was meinen die Damen und Herren von der amerikanischen Presse zu 10.000 BC? Entertainment Weekly schreibt: „Neither grand enough to be impressive nor antic enough to be charming, the movie settles for bland and frantic, climaxing in a showdown among decadent pyramid builders. How bad are these guys? They're sadists...and, wink wink, sissies.” Die Redaktion von Rolling Stone beißt: “Call it "Apocalypto" for pussies -- a PG-13 rating, puh-leese! -- or prehistory for peabrains. Just don’t call it friendo. 10,000 B.C. will take your money, rob your time and hit your brain like a shot of Novacaine.” Und bei Slate ist zu lesen: “In terms of character development, wit, and simple curiosity, it's dumber than a Neanderthal.”

Ideologisch fragwürdiger Edeltrash im Gewand eines getarnten „Star Gate“-Prequels? 10.000 BC enttäuscht kräftig vor sich hin.


Rudolf Inderst