Saw IV

USA, 92min
R:Darren Lynn Bousman
D:Tobin Bell,
Scott Patterson,
Betsy Russell,
Costas Mandylor,
Lyriq Bent
L:IMDb
„You think it's over just because I am dead. It's not over. The games have just begun.”
Inhalt
Jigsaw und seine Gehilfin Amanda sind tot, aber seine mörderischen Spiele gehen weiter. Nach dem Mord an Detective Kerry helfen die FBI-Profiler Agent Strahm (Scott Patterson) und Agent Perez (Athena Karkanis) dem Revierchef Detective Hoffman (Costas Mandylor), Jigsaws letztes grausames Spiel zu rekonstruieren. Doch dann wird Commander Rigg (Lyriq Bent) entführt und in eines von Jigsaws mörderischen Spielen verwickelt. Die Hinweise deuten nun alle auf Jigsaws Ex-Frau Jill (Betsy Russell).
Kurzkommentar
Glaubt man dem Verleih, ist SAW schon jetzt die erfolgreichste Reihe der Horrorfilmgeschichte. Die ersten drei Teile haben weltweit allein im Kino insgesamt 400 Millionen Dollar eingespielt, und ganze 13 Millionen DVD-Einheiten wurden bereits von ihnen verkauft. Für den viertel Teil, der bereits am Startwochenende von Teil 3 grünes Licht erhalten hatte, entschied man sich, einen Abstecher (pun intended) in die Krimiecke zu machen. Nicht nur gibt es klassische Tatortarbeit zu bestaunen, sondern zudem erfährt der Zuseher mehr über die psychologische Hintergrundgeschichte Jigsaws. Die Frage ist nur: Will das der geneigte Kinogänger wirklich?
Kritik
In den USA wird pünktlich zu Helloween 2008 der fünfte Teil der Horror-Serie in den Kinos anlaufen. Dabei kann man sich getrost einmal vor Augen führen, dass wir wohl Zeugen der Geburt einer Filmreihe werden, die noch Jahre weiter laufen wird. So, wie wir momentan eher ungläubig über einen Jason Teil 9 und Co staunen, werden andere (besser: jüngere) Kinogänger in einigen Jahren über SAW sprechen. Allerdings, so weit komme ich dem Schlachter Jigsaw entgegen, handwerklich sind seine Filme vielen der „Perlen“ der 1980er-Jahre meilenweit überlegen. Das ändert aber nichts am Menschen verachtenden und selbstgerechten Grundton der SAW-Reihe.

Erneut spielt sich JIGSAW mehr oder minder genüsslich als Herrscher über Leben und Tod auf. Stets fröhlich und blutigst folternd macht er sich die Hände nicht schmutzig. Schließlich hat es der Gefangene selbst in der Hand, sich aus seinem Leiden zu befreien, um auch unter größten Schmerzen JA zu seinem (Über-)leben schreien zu können. Was nicht tötet macht bekanntermaßen hart, und eine Ohrfeige (mit dem Schlagring) zur rechten Zeit hat noch keinem geschadet. Kernanliegen: Wer sein Leben nicht schätzt und achtet, hat es kurzum nicht verdient. You know the drill.

Wie bereits erwähnt, hat man diesmal entschieden, verstärkt in Richtung Kriminalfilm mit Psychothrilleranleihen zu schreiten. Ob das der Zuseher sehen möchte, oder ob er die Ermittlerarbeit und die vielen, kleinen Rückblicke auf Jigsaws Vergangenheit nur als lästigen Lückenfüller zwischen den Folterfallen empfindet, sei einmal dahin gestellt. Die Schauspieler, seriengestählt, geben ihr Bestes und lassen alles mit sich anstellen. Die Schnittfrequenz ist serientypisch bei 0,2 Sekunden angesiedelt und nimmt der gezeigten Gewalt die schmerzhaften Spitzen. Unterstützt wird dieser Eindruck durch seinen modisch-dreckigen Look: die Farbendramaturgie arbeitet für Jigsaw.

Die US-Presse gibt sich angesichts der SAW-Übermacht geschlagen und kritikmüde: Variety schreibt: „Just as Jigsaw tests his victims, the franchise’s own test will be whether such suspension can be maintained, or if matters lapse into a torture chamber of self-parody.” Die New York Times kommentiert unzufrieden: “’He’s seen better days,’ mutters a technician, and I would have to agree.” Und Austin Chronicle schließt den “Folterporno”-Kreis: “The Saw films speak truth to horror, bluntly but with a depressingly accurate gravitas gleaned in part, I suspect, from, of all places, the daily news, Middle East and otherwise. Torture, you may recall, used to be an unparsable, unpardonable sin. Now it's porn.“


Von S.A.W. zu C.S.I.? Blutreiche Pseudopsychologisierungs- und Krawallepisode der Horrorreihe.


Rudolf Inderst