John Rambo
(Rambo)

USA, 90min
R:Sylvester Stallone
B:Sylvester Stallone
D:Sylvester Stallone,
Julie Benz,
Paul Schulze,
Matthew Marsden,
Graham McTavish
L:IMDb
„They would've raped her fifty times... and cut your fucking heads off.”
Inhalt
John Rambo (Sylvester Stallone) hat sich in den Norden Thailands zurückgezogen, wo er als Skipper auf dem Salween-Fluss arbeitet. Schon 60 Jahre dauert der Konflikt zwischen Birmanen und Karen an der nahen thailändisch-birmanischen Grenze - der längste Bürgerkrieg der Menschheitsgeschichte. Doch Rambo hat das Kämpfen längst aufgegeben. Er lebt allein im Bergdschungel. Die Begegnungen mit Sanitätern, Rebellen und Flüchtlingen auf ihrem Weg durch das Kriegsgebiet interessieren ihn nicht. Das ändert sich jedoch, als eine Gruppe Missionare den „amerikanischen Flusslotsen“ aufsucht. Sarah (Julie Benz) und Michael Bennett (Paul Schulze) bitten Rambo, dass er die Gruppe den Fluss Salween aufwärts lotst, damit sie den bedrängten Karen in den Bergen Medikamente, Nahrung und Bibeln bringen können. Zunächst lehnt Rambo ab, doch schließlich lässt er sich überreden und bringt die Helfer in den Dschungel. Knapp zwei Wochen später sucht Pastor Arthur Marsh (Ken Howard) Rambo auf und berichtet, dass die Missionare nicht zurückgekehrt sind. Rambo will zwar von Gewalt und Konflikten nichts mehr wissen, weiß aber, dass er gebraucht wird: Er erklärt sich bereit, mit Söldnern flussaufwärts in das Kriegsgebiet zu fahren. Es wird ein Abstieg in die Hölle auf Erden.
Kurzkommentar
2,59 Menschen treten in "John Rambo" pro Minute durchschnittlich den Weg ins Jenseits an. Der Film ist ein kleiner, zynischer und dreckiger Beitrag zum Thema Identitätsfindung. Rambo kann sich selbst eben nur im Kampf immer wieder neu (er-)finden. Dass das diesmal auf Kosten des aktuellen Folterschauplatzes Birma geschieht, ist traditionell geschmacklos. Glaubt man diversen Internetquellen, soll der Film in birmanesischen Oppositionskreisen aber dennoch gut ankommen. Und bei 14-jährigen Mofatankstellen-Crews sowieso. Na, dann. Nachladen.
Kritik
Obwohl die Mechanismen der Wiederaufbereitunsmaschine Hollywood mittlerweile recht bekannt sein dürften, war es dennoch eine ziemliche Überraschung, als die ersten Rambo-Teaser ihren Weg in die Weiten des Netzes schafften. Die ersten Bilder waren derart rau, dass viele Surfer nicht an die Echtheit der Bilder glauben wollten (pun intended) und diese als reinen Zusammenschnitt voller technischer YouTube-Raffinesse abtaten. Doch der "Traum" wurde Wirklichkeit: Rambo sollte in den Dschungel zurückkehren. Nachdem Teil 1 an der "Homefront" spielte, und Teil 3 "dem tapferen Volk der Taliban gewidmet" (Zitat im Abspann) worden war, darf der Elitekämpfer a.D. nun das Setting aus Teil 2 wieder aufnehmen und im asiatischen Dschungel für blutiges Recht und noch blutigere Ordnung sorgen. Dabei war von Anfang an keineswegs klar, dass Teil 4 in Birma spielen sollte. Imdb.com berichtet: "During its long development process, 'Rambo' went through a number of story premises. One un-produced script featured Rambo living a quiet life with wife and child, until white supremacists kidnap his family. Another script found Rambo trying to stop a hostage situation at the United Nations, where he is working as a diplomat, when terrorists (including Rambo's adopted son) take hold of the UN headquarters in New York." Vielleicht hebt man sich diese erhabenen Ideen für einen fünften Teil auf? Die Filmkosten des vierten Teils von geschätzten 50 Millionen US-Dollar sind zumindest schon längst wieder eingespielt, und das Alter macht S.S. auch keinen Strich durch die Rechnung. "Statt Handkante Splittergranate", könnte die Formel für die Teile 5 und 6 sein.

Den Film in seiner blutigen Vollkommenheit zu sehen, wird für deutsche Zuseher nicht leicht sein. Entweder warten diese auf eine Auswertung auf DVD/BluRay oder sie begeben sich, wie ich es selbst tat, ins benachbarte Ausland. Felix Austria! In Kufstein dürfen Männer noch Männer sein, mag man da grunzend rufen. Die gezeigte Gewalt dürfte viele Kinogänger abschrecken und die Köpfe schütteln lassen. Amputationen, Kindermord, Vergewaltigungen, Kopfschüsse und Menschenfleisch fressende Keiler geben sich in "John Rambo" die Klinke in die Hand.

Ich hoffe, an dieser Stelle wird niemand ernsthaft argumentieren wollen, so etwas müsse gezeigt werden, weil Krieg eben so sei und ein Kriegsfilm müsse sich diesem Authentizitätszwang beugen. Das Team um "John Rambo" (Stallone führte zum ersten Mal selbst bei einem Rambo-Teil Regie) weiß um die ausbeuterische und reißerische Qualität der Bilder. Der Film ist clever genug, nicht das "System" Bürgerkrieg zu beleuchten, sondern eine Einzelperson in Form des Kinder schändenden, blut- und foltergeilen Militärgenerals. Nur so kann der Erzfeind Rambos etabliert werden, der im bleihaltigen Finale schaukräftig zur Strecke gebracht werden muss. Auch greifen die Produzenten auf einen recht beliebten Trick alter revisionistischer amerikanischer Vietnamfilme zurück; nicht der Krieg, der verloren wurde, steht im Mittelpunkt, sondern EINE siegreiche Schlacht der eigenen Truppen. Auch in "John Rambo" fahren Söldner, Rebellen und der Ex-Soldat selbst einen "Sieg" ein, doch was geschieht einen Tag später? Was eine Woche später? Wird sich etwas ändern? Plakativer gefragt: Kann die AK-47 Freiheit, Brüderlichlichkeit und Gleichheit herbei schießen? Freiheit stellt nach "John Rambo" auch immer die Freiheit dar, sich für eine gewalttätige Lösung einzusetzen. Dieses muss selbst der Missionar feststellen, als er recht biblisch den Stein gegen seinen Nächsten erhebt. Die friedlichen Missionare müssen einsehen, dass Gott alleine ihnen nicht helfen kann und wird. Aber wenn Gott sein Werkzeug Rambo in die Wagschale wirft, sieht die Sache schon anders aus. Technisch-ideologiefrei kann festgehalten werden, dass "John Rambo" recht ansehnlich fotografiert wurde. Der Dschungel zeigt sich in einem satten Grün, die Action ist – abgesehen von ein paar Ausnahmen – wie zu Zeiten von "Missing in Action" ohrenbetäubend kernig. Mittels einer gesunden Mischung aus digitaler Nachbearbeitung und klassischem Handwerk sind zudem Schusswunden allgegenwärtig. Die Schauspieler haben sichtbar keine Angst vor physischem Spiel: Dreck, Schweiß und Anstrengung – alles ist in den Gesichtern der Darsteller zu finden. Rambo hat sich – positiv wie negativ – eindrucksvoll zum Dienst zurück gemeldet.

Das US-Presseecho war zwiegespalten. So schreibt in etwa USA Today: "There is a blessed dearth of dialogue, but much of it is unintentionally hilarious", und der Austin Chronicle berichtet: "There will be blood in the ultraviolent Rambo, a movie that depicts both heinous acts and righteous reckoning with equal degrees of flying body parts and arterial sprays." Anders die LA Times: "Moved to take charge by something like chivalry, Rambo hits his stride in the film's second half, meting out justice in an unjust world and ultimately the movie works best when warbling its out-of-tune greatest hits", und schließlich fasst Entertainment Weekly zusammen: "Rambo teaches that fighting sucks, good intentions can be futile, and coalitions of the willing are a charade: A man's got to do what a man's got to do."


Souverän erteilte Lektion in menschenverachtender Bleihaftigkeit.


Rudolf Inderst