Aliens vs. Predator 2
(Aliens vs Predator - Requiem)

USA, 87min
R:Colin Strause, Greg Strause
B:Shane Salerno, Dan O' Bannon
D:John Ortiz,
Steven Pasquale,
Johnny Lewis,
Reiko Aylesworth,
David Paetkau
L:IMDb
„People are dying…we need guns!”
Inhalt
Jetzt ist die Bestie entfesselt … Das Predalien ist ein Alien, das aus einem Predator geschlüpft ist und dabei einige Merkmale seines Wirts angenommen hat. Vom Alien stammen das Exoskelett, das hochkonzentrierte Säureblut, der Skorpionschwanz und die peitschenartige Zahn-Zunge. Der Predator hat ihm sein Insekten-Kinn und die - stark Alien-isierten - "Dreadlocks" vererbt. Im neuen Twentieth Century Fox-Horrorfilm ALIENS VS. PREDATOR 2 liefern sich die beiden Horrorkreaturen einen brutalsten Kampf in einer Kleinstadt irgendwo in Colorado.

Kurzkommentar
Gott, was habe ich mich über "Alien vs. Predator" 2004 geärgert. Dieses zahnlose Stück H&M-Horror hatte auf einen Schlag gleich zwei Monsterreihen in unwürdigster Art und Weise platt gebügelt. Aber: Wo keine Falten, da keine Tiefen! Die Fortsetzung verlagert nun den Schauplatz in eine Kleinstadt und sorgt für ein paar feine Actionmomente: Man stelle sich vor, "C2 – Killerinsekt" trifft auf "Dawson's Creek". Sucht man nun aber das Unheimliche, das Doppelbödige und Einzigartige das die Serien auszeichnete, so muss man enttäuscht feststellen, dass es dieses nicht mehr gibt. "AVP 2" ist somit endgültig ein Fall für die 1980er-Jahre und die Cannon Produktionsgruppe.
Kritik
Die erste Besprechung 2008! Viele gute Vorsätze an Silvester lauten in etwa: "Im nächsten Jahr möchte ich etwas mehr Ordnung in mein Leben bringen." Vielleicht sollte ich also so anfangen und den Pedanten geben. Also, der erste Teil kam als "Alien vs. Predator" in die deutschen Kinos. Nun haben wir es mit "Aliens vs. Predator 2" im deutschen Verleih zu tun. Gab es denn einen "Aliens vs. Predator (Teil 1)" fragt der Mann mit Hut sich erstaunt? Nein, gab es nicht. Die "2" ist also totaler Humbug. Der englische Titel nun "Aliens vs. Predator: Requiem" ist genauso irreführend. Ein Requiem stellt eine Messfeier für Verstorbene dar. Das Wort bezeichnet sowohl den Ritus der Begräbnismesse nach der katholischen Liturgie als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Weder Soundtrack noch Inszenierung des Films legen eine solche Deutung nahe. Wessen Requiem soll hier also gespielt (in doppelter Hinsicht) werden? Ist vielleicht die Serie selbst gemeint? Kein dritter AVP in Aussicht? Glaubt man den Box Office Zahlen, dann ist auch dies unwahrscheinlich – zwar handelt es sich nicht um den erhofften Kassenschlager, aber einigermaßen erträglich wird die Chose schon werden; spätestens die DVD-Auswertung wird ihren Teil beitragen, denn, und hier wage ich mich aus dem Fenster, echte Alien-Liebhaber, und davon gibt es nicht wenig, werden, zwar mit Zahnschmerzen, aber dann doch, den Film ins Regal stellen, um der Alien-Vollständigkeit zu huldigen. Jetzt ist aber Schluss mit den guten Vorsätzen.

"Aliens vs Predator 2" wurde von den Strause-Brüdern inszeniert, welche davor in erster Linie im Special Effect – Bereich arbeiteten. Das gängige Vorurteil, dass man dies dem Film nun auch ansehe, gegen das ich mich selbst gerne entschieden zur Wehr setze, ist diesmal nicht von der Hand zu weisen. Es trifft zu. Unter der "findigen" Drehbuchhand von Shane Salemo ("Shaft"), bekommt der Zuseher über knackig kurze 86 Minuten weg einen recht mittelmäßigen Actionfilm mit Horroranleihen zu sehen. Der Film bewegt witzigerweise nicht so sehr das zahlende Publikum in den Kinos, sondern vielmehr die Alien- & Predator-Fanboys, die sich seit Filmstart wieder heftig in den Filmforen des Internets bekriegen und beschimpfen. Kleiner Auszug gefällig? Beitrag 01: "Face it people: the aliens are bugs." Antwort: "F'ck you, predator fanboy! The aliens are not bugs, they are strong and smart creatures."

Die große Neuerung des Films besteht – nach Aussage des Pressematerials – in der Einführung des "Predalien". Da das Alien einem Predator entschlüpfte, nahm es zu einem gewissen Grad dessen Physiognomie an. Wow! Like, uhm, totally, uhm new and exciting. Das best of gibt es bereits im Trailer zu sehen – diverse blood and gore Einstellungen gibt es zwar, aber angesichts der lauen Charaktere, die von Szene zu Szene stolpern, interessiert die drastisch-gegenwärtige Gefahr zu keinem Zeitpunkt. Denn das Szenario war durchaus viel versprechend: Aliens, die sich in einer Stadt vermehren können wie die Fliegen! Menschliche Verzweiflung an allen Ecken! Organische Dekonstruktion! Abgründe! Oder eben das. Immerhin könnte ein erneuter (finanzieller) Erfolg der Serie bedeuten, dass man auch andere Crossover-Produktionen ins Auge fasst. Da gäbe es tatsächlich ein ganzes Universum, das auf Entdeckung und (kompetente) Adaption wartet. Mal sehen, was sich da tut.

Die US-Presse nahm sich "Aliens vs. Predator 2" hart zur Brust. Im Austin Chronicle war zu lesen: "An orgy of mindless violence, a random collection of bloody bodies, alien misanthropy, and slobbering carnage designed to bore straight into the pleasure centers of 13-year-old boys and leave the rest of us wondering when the movies got so damn loud." LA Weekly schrieb: "Chopped down to 40 minutes, this could be a wickedly cool short; as is, it’s a passable slasher that’s still nowhere near the interspecies smackdown we geeks have long imagined." Und in The Onion stand schließlich: "A tasteless, witless, mindlessly perfunctory bloodbath that has the discourtesy to take itself seriously. Pitting aliens against predators may be the height of frivolity, but God forbid anyone have fun with it."


Auf lautes Getöse reduzierter Zweikampf ehemaliger Monsterikonen, der zwar als konventioneller Actionfilm nicht enttäuscht, aber all seiner potentiellen Unheimlichkeit beraubt wurde.


Rudolf Inderst