Operation Kingdom
(The Kingdom)

USA, 100min
R:Peter Berg
B:Matthew Michael Carnahan
D:Jamie Foxx,
Jennifer Garner,
Chris Cooper,
Jason Bateman,
Jeremy Piven
L:IMDb
„I said we were going to kill them all.”
Inhalt
Bei einem hinterhältigen Bombenanschlag auf eine amerikanische Wohnsiedlung in Riad kommen mehr als 100 Menschen ums Leben und mehr als 200 werden schwer verletzt. Angeführt von FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) sollen der Sprengstoffexperte Sykes (Chris Cooper), die forensische Spezialistin Mayes (Jennifer Garner) und der Analytiker Leavitt (Jason Bateman) herausfinden, wer und was hinter dem verheerenden Attentat steckt. Ihre Ermittlungen führen sie direkt in ein kulturelles Minenfeld voll korrupter Politiker, skrupelloser Geschäftsmänner und fanatischer Terroristen. Einzig ein saudischer Polizeioffizier, der den wahren Hintergrund des Anschlags ergründen will, steht ihnen bei ihrer Hetzjagd auf völlig unbekanntem Terrain zur Seite. Doch als sie dem Killer zu nahe kommen, werden sie selbst zur Zielscheibe.
Kurzkommentar
Regisseur Peter Berg, der mit "The Rundown" und "Very Bad Things" bereits bewiesen hat, dass er Gespür für Action und schwarzen Humor hat, legt mit "Operation Kingdom" einen soliden Unterhaltungsfilm vor, der etwas vorschnell von Kritiken als "Syriana light" oder "CSI Riad" abgeurteilt wurde. Wenn auch die langsam aufgebaute und unterschwellig-gespannte Atmosphäre zu (Un-)gunsten einer allzu plakativen Rache-Schießerei im späteren Verlauf geopfert wird, existieren dennoch einige genügend kritische Untertöne, die den Film mit Sicherheit über Kritiker-Mittelmaß hieven.
Kritik
Überhaupt, was ist denn da wieder mit dem Verleih los? Warum wird aus "The Kingdom" in Deutschland "Operation Kingdom"? Wie seiner Zeit, als aus "Peacemaker" "Project Peacemaker" wurde. Überflüssigst! Themawechsel. Glaubt man der Fachpresse, so wurde Oliver Hirschbiegel bei "Invasion" von den Oberen ausgebremst – zu wenig Tempo, zu wenig Action sei in der Geschichte rund um die Alieninvasion. Nach "Operation Kingdom" beschleicht einen ein ähnliches Gefühl. Mit der unterschwelligen Spannung eines Michael Mann entfaltet sich langsam und stimmig eine Landschaft der Bedrohung, ehe sich – leider allzu plakativ, jedoch großartig mit Hilfe von vielen Handkameraeinsätzen in Szene gesetzt – alles in einem Shootout mit klassischer schwarz-weiß Rollenverteilung in Wohlgefallen auflöst. Auflösen im wörtlichen Sinn – seit "Black Hawk Down" ging nicht mehr so viel Wüste kaputt. Der Film folgt im übrigen ebenfalls einem realen Vorbild: Am 25. Juni 1996 explodierte im saudi-arabischen Khobar ein Benzinlaster und die Explosion riss 19 Amerikaner in den Tod.

Das deutsche Feuilleton jedenfalls war unzufrieden! Man glaubte, einen weiteren Vertreter von "Propaganda durch die Hintertür" im Sinne einer Durchhalteparole für kriegsmüde US-Kinogänger auszumachen. Hauptsächlich ernte Peter Berg, weil er das amerikanische Team als derart ermittlerisch erfahren und technologisch fortschrittlich portraitierte, während die Saudis in erster Linie rückständig durch Folter, behindernde Religionspraxis und Medienmanipulation auffallen. Ein weiterer Actionfilm also, der vor einer "exotischen Kulisse" westliche Coolness und Überlegenheit zur Schau stellt? Zugegeben es gibt die ein oder andere Szene, die durch ihre konstruierte Einfachheit und Naivität Erinnerungen an das Bild des Glasperlentauschs gegen Ländereien weckt – nach dem Motto: Wenn der Kolonialherr drei Mal klingelt. Dieser Eindruck wird natürlich durch die amerikanische Brille bekräftigt, durch die der Zuschauer die knapp 100 Minuten erlebt. Dabei dürfte der Blick in die Privatgemächer des sympathischen, arabischen Polizisten der Höhepunkt des Familienglücks – allerdings nach westlichen Maßstäben – sein. Negativ fällt zudem die Zeichnung der Diplomaten und US-Politiker auf: durch die Bank rückratlose Weicheier. So kann man dem konstruierten Zusammenhang Erdöl-Islam-Terror nicht Herr werden. Jamie Foxx jedoch ist aus anderem Holz geschnitzt, einer Eiche, die eher an Chuck Norris und seine Alleingänge in Vietnam in der Reihe "Missing in Action" erinnern.

Andererseits kann "Operation Kingdom" auch als Fingerzeig "nach Hause" gedeutet werden. Selbst die erfahrenen und intelligenten US-Ermittler scheinen sich in der arabischen Welt schlichtweg überhaupt nicht auszukennen. Stets sind sie auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen; die fremdartige Welt voller (subjektiv wahrgenommenen) Gefahren ist ihnen fremd – Bräuche und Traditionen machen ihnen Angst. Jeder Ausflug, jede Bewegung muss abgesichert und bewacht werden – und dennoch wird man immer (selbstverschuldet?) Opfer von Anfeindung und Gewalt. Wer nun aber glaubt, diese Umstände ließen ihr teilweise arrogantes und selbstgefälliges Verhalten wanken, der irrt. Die wenigen Stunden in diesem 80-Millionen-Dollar-Vehikel, die den FBI-Agenten bleiben, um alle Spuren des verheerenden Bombenattentats sicher zu stellen und vielleicht sogar noch die Drahtzieher dingfest zu machen (im naiven Glauben daran, dass Terrorismus doch nicht die Hydra ist, als die man ihn in den letzten Jahren kennen gelernt hat), erinnern dabei an die ursprünglichen Pläne der US-Administration für den Irak. In drei Monaten, so hieß es damals, sei die Region befriedet und auf dem besten Weg, eine handfeste Demokratie zu werden. Auch das Ende des Films spricht eine deutliche Sprache, desillusioniert und enttäuscht sitzen die Agenten gefrustet im heimischen Büro, während sich eine neue Terrorgeneration bereit macht, den "heiligen" Kampf weiter zu führen. Blut wurde auf beiden Seiten vergossen, erreicht wurde nichts. An was mag das erinnern?

Die US-Presse konnte sich nicht so recht entscheiden, wie sie "Operation Kingdom" aufnehmen sollte. So urteilt die Washington Post in etwa: "One electrifying performance becomes the only saving grace of The Kingdom, a goofy action movie that tries to marry the blitzkrieg entertainment of "Rambo" to the cultural consciousness of "Syriana." Und die Los Angeles Times legt nach: "The Kingdom has some power but not enough sense. A ripped-from-today's-headlines thriller, it wants us to feel as if we're watching something relevant when what's really going on is a slick excuse for efficient mayhem that's not half as smart as it would like to be." Anders der Miami Herald: "Though its violence is searing and brutal, the film, about four FBI agents investigating a terrorist attack in Saudi Arabia, shows a conscience and a brain, and if it explains things a bit simplistically at times, so much the better." Oder der Seattle Post-Intelligencer: "Foxx is magnetic in the lead, and the subplot in which he bonds with his Saudi police liaison (Ashraf Barhom, giving the movie's best performance) is touching."


Gerade im letzten Drittel nicht um die nötige Differenzierung bemühter Film, welcher aufgrund seiner grandios photographierten Actionsequenzen dennoch gut zu unterhalten weiß.


Rudolf Inderst