Resident Evil: Extinction

USA, 95min
R:Russell Mulcahy
B:Paul W. Anderson
D:Milla Jovovich,
Oded Fehr,
Mike Epps,
Ali Larter,
Iain Glen
L:IMDb
„You're just another asshole.”
Inhalt
Fast 99 Prozent der Erdbevölkerung sind mittlerweile durch das todbringende T-Virus der Umbrella Corporation infiziert. Bis an die Zähne bewaffnet, treten Carlos (Oded Fehr), L.J. (Mike Epps), Claire (Ali Larter), K-Mart (Spencer Locke) und Nurse Betty (Ashanti) die Flucht aus den zerstörten Städten an, in der Hoffnung noch weitere nicht infizierte Überlebende zu finden. Alice (Milla Jovovich) folgt dem Convoy, bereit an der Seite ihrer Mitstreiter gegen die lauernden Untoten und düsteren Machenschaften der Umbrella Corporation zu kämpfen. Doch dies ist nicht Alices einziger Kampf: genetisch manipuliert von Dr. Isaacs Experimenten, kann sie sich selbst nicht mehr trauen. Ihr letzter Ausweg ist, die Umbrella Corporation endgültig zu vernichten.
Kurzkommentar
TV- und Videoclipregisseur Russel Mulcahy lässt die „Resident Evil“-Serie, was den Produktionsaufwand betrifft, auf einem hohen Standard einfrieren. Kulissen, Kostüme, Makeup und digitale Effekte weisen einen wesentlich profunderen Tiefgang auf als die an den Haaren herbeigezogene Geschichte um den Untoten-Showdown in der Wüste. Doch die entscheidende Hoffnung stammt vom Vorbild. Teil 4 der Spielreihe brach mit alten Traditionen und wurde eines der besten Videospiele der letzten Jahre…vielleicht kann ein vierter Filmteil einen eben solchen Weg beschreiten? Angesichts der Einspielergebnisse sollte dieser nur eine Frage der Zeit sein.
Kritik
Mit Teil 2 der ökonomisch sehr erfolgreichen „Resident Evil“-Reihe aus dem Produktionshaus Bernd Eichingers ging ich seiner Zeit mit meiner Besprechung hart ins Gericht. „RE 2 ist überflüssiges Retortenkino ohne Seele. […] Das 50 Mio. Dollar Werk ist ein bleihaltiger Action-Streifen ohne Sinn für Dramaturgie, Charakterzeichnung und Kameraarbeit. […] Noch nie unterhielten sich Menschen so eindimensional wie in RE 2 […]. Doch die Kritik wäre nicht komplett, ohne die Kameraarbeit von Derek Rogers zu erwähnen. Sie ist grauenhaft. Sie ist unverständlich. Optisch bleiben Verwisch-Effekte, überschnelle Schnitte und Hauruck-Kameraführung in Erinnerung; die darunter liegenden Bilder lassen sich nur erahnen.“

Es freut mich, feststellen zu können, dass Teil 3 ein großer Schritt nach vorne ist. Freilich sollte man nicht ernsthaft den Versuch unternehmen, diesen jüngsten Ableger mit Genregrößen wie „28 Weeks Later“ zu vergleichen, denn dann schrumpft der oben genannte Fortschritt zu winzigen Trippelschrittchen mit Schuhgröße 31,5. „Resident Evil: Extinction“ ist klar der beste der bisherigen Teile, auch wenn nach wie vor geradlinige Action im Vordergrund steht und nicht eine Form von subtilem Horror. Zwar sehen manche Einstellungen immer noch so aus, als ob sie auf dem Marienhofgelände in den Bavaria-Filmstudios bei München entstanden wären, und sämtliche Darsteller ertragen ihre recht albernen Rollen mit allzu stoischer Gelassenheit, aber was die production values betrifft, konnte man die Vorgänger in allen Bereichen weit übertreffen, obwohl das Budget nicht höher ausfiel: Im Gegenteil – fünf Millionen Dollar konnten im Vergleich zum ausdrücklich miesen Vorgänger (50 Mio US-Dollar) eingespart werden, und dennoch würden Fanboys den neuen Look als ungleich „cooler“ beschreiben. Der Retro-Zombie-Western im Mad Max-Look geizt nicht mit filmischen Zitaten: Egal, ob Hitchcock-Raben, Alien 4-Klone, die Macht aus „Star Wars“ oder die Liftanlage aus „Day of the Dead“ – das Motivzählen macht fast mehr Spaß als Milla Jovovich und den anderen Überlebenden dabei zuzusehen, wie diese den Zombies die Köpfe und Därme wegpusten, die Hälse aufschneiden, sie unter Starkstrom setzen, mittels Flammenwerfen rösten oder durch Explosionen vernichten.

Dass gerade das nun völlig versandete Las Vegas als topographische Besonderheit im Mittelpunkt des Films steht, ist vielseitig deutbar. Die nachgebauten Architekturwunder wie etwa der Eifelturm oder die Freiheitsstatue im Spielerparadies versammeln symbolisch den Niedergang des gesamten Globus unter der Apokalypse der Untoten; oder handelt es sich, noch einfach verstanden, um das viel zitierte Zurückschlagen der Natur, ausgelöst durch menschliche Expansionsgelüste und fehlendes Verantwortungsbewusstsein? Auch das Aufbrechen einer Flüchtlingsgruppe nach Alaska, wo angeblich noch keine Infektion ausgebrochen sein soll, erinnert an den rettenden Strohhalm, welchen schon Romero in seinem „Land of the Dead“ benutzte: Dort war jedoch die Flucht nach Kanada auch als Hieb auf die zeitgenössischen politischen Verhältnisse eines Amerika unter Präsident Bush Jr. zu erkennen. An dieser Stelle gibt sich „Resident Evil“ unpolitischer, aber nicht gänzlich unpolitisch: Alaska ist ein Nicht-Ort, ein U-Topia auf einer wagen Landkarte in einem abgenützten Tagebuch eines Verzweifelten. Sollte dies wirklich die einzige Hoffnung der Menschheit sein? Gut möglich. Und wenn das alles nicht hilft? Dann rückt eben die Klonarmee Alice 1 – 999 (powered by Umbrella) nach.
Seinen stärksten Moment hat der Film relativ früh – Alice wird durch einen menschlichen Hilferuf über Funk in eine Falle gelockt. Üble Perverse machen sich einen Spaß daraus, Menschen einzufangen und zur Unterhaltung gegen Zombiehunde antreten zu lassen. Es bleibt die alte Weisheit - Homo homini lupus est.

Die US-Presse sprang nicht zimperlich mit der 95-minütigen, komplett in Mexiko entstandenen Produktion um. Lakonisch im Boston Globe: „This version 3.0 needs an upgrade.“ Der Hollywood Reporter bemerkt: „The actress, wielding a pair of swords like a chef from Benihana, remains a striking action heroine, though she's more convincing visually -- those taut thighs are weapons unto themselves -- than vocally.” Und in der Variety ist zu lesen: „Unfortunately, the new pic never really achieves maximum velocity as a full-throttle action-adventure opus, despite game efforts by returning star Milla Jovovich, still a lithe and lethal dynamo when it comes to butt-kicking, zombie-slicing derring-do.”


Quantitativer und qualitativer Höhepunkt der eher klinisch-sauber gehaltenen Zombiehatz, der immer noch der rechte Biss fehlt.


Rudolf Inderst