Zimmer 1408
(1408)

USA, 95min
R:Mikael Hafström
B:Matt Greenberg, Scott Alexander
D:John Cusack,
Samuel L. Jackson
L:IMDb
„Hotels are a naturally creepy place... Just think, how many people have slept in that bed before you? How many of them were sick? How many... died?”
Inhalt
Mike Enslin (John Cusack) hat zwei erfolgreiche Bücher über Hotels, in denen es angeblich spukt, veröffentlicht. Nach dem Tod seiner Tochter stürzt er sich noch kompromissloser in die Arbeit. Derzeit fasziniert ihn ein besonders mysteriöser Fall: Im Zimmer 1408 des New Yorker Dolphin Hotel sind unter seltsamen Umständen bereits 56 Gäste gestorben. Um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, schlägt Mike alle Warnungen des Hotelmanagers (Samuel L. Jackson) in den Wind und übernachtet in Nr. 1408 - ein kafkaesker Alptraum beginnt.
Kurzkommentar
Handelt es sich um eine Stephen King-Adaption, die es irgendwie auf die Leinwand schafft, beginnt bei den meister Zuschauern und Lesern das große Zittern. Zu viele von Kings Werken landeten als B- und C-Ware in düsteren Videotheken-Ecken und noch schlimmeren TV-Restverwertungsplätzen. Aber im Fall von "Zimmer 1408" ist Aufatmen angesagt. Freunde von einer gesteigerten Pulsfrequenz bekommen feuchte Handflächen und der Rest erfreut sich an einem Drama auf TV-Niveau. Wer "Sometimes They Come Back…Again" oder "Maximum Overdrive" erdulden musste, weiß, es hätte VIEL schlimmer kommen können.
Kritik
Es gibt sie also noch – die leisen und kleinen Gruselproduktionen, die ohne Sequel-Setup auskommen. Auch sie erfinden das Rad keinesfalls neu, bilden aber angesichts des gewalttätigen Torture Porn Bilderrausches der letzten Jahre eine willkommene Abwechslung zur Bohrmaschine im Auge und Machete im Brustkorb. "The Machinist" war so einer, "Stir of Echoes" oder "The Others" auch. "Zimmer 1408" stammt vom schwedischen Regisseur Mikael Hafström, der letztes Jahr seinen hervorragenden Eindruck, den er mit "Evil" (2003) hinterlassen hatte, fast gänzlich mit dem durchschnittlichen Thriller-Filmchen "Derailed" ruiniert hätte.

Der Film entpuppte sich einigermaßen überraschend zu einem kommerziellen Hit in den USA: Bereits mehr als das Doppelte spielte die King-Kurzgeschichten-Adaption, die es fast nie zu Papier gebracht hätte, ein. Auch die amerikanische Presse zeige sich einigermaßen angetan von "Zimmer 1408". In der USA Today war zu lesen: "At his best, King's most effective creatures are not the ones behind creaking doors, but inside crooked minds." Der San Francisco Chronicle bilanziert: "This is the old stuff, the good stuff, the tried-and-true stuff of shrewdly accomplished audience manipulation", während ReelViews festhält: "This is the most mature horror movie of the year - far more adult and sophisticated than the tedious Hostel Part II. If you like to be creeped out by movies, this is one to see. It reminds us what it's like to be scared in a theater rather than overwhelmed by buckets of blood and gore." Und schließlich verkündet die New York Times: "The movie is most effective in its early scenes of prickly menace, and while the Dolphin is no Overlook (the haunted hotel in "The Shining"), its old-world creepiness is exactly right."

Der von Benoit Delhomme ("Der Kaufmann von Venedig") wunderbar photographierte und von Peter Boyle ("The Hours") dynamisch-atmosphärisch geschnittene Film lädt zu einem spektakulären Showdown ein. Aber es geht hier nicht um den Kampf eines Mannes gegen ein Hotelzimmer, denn das wäre freilich reichlich albern. Natürlich geht es vielmehr um den Kampf eines Mannes gegen seine eigenen Dämonen, die das übernatürliche Zimmer im scheinbar nicht existenten 13. Stock des Hotels förmlich aus dem Protagonisten heraus- und hervor prügeln will, damit sich die Figur des Schriftstellers mit ihnen auseinander setzt. Und diese Dämonen gibt es zuhauf im Leben des Autors Mike Enslin. Der Tod der eigenen Tochter, die Entfremdung von seiner Frau und der kommerzielle Ausverkauf des Schriftstellers in ihm – alles scheint an ihm zu nagen. Wird es ihm zu viel, greift er beherzt zur Flasche oder wendet sich an seine einzige Vertrauensperson, die ihm noch geblieben zu sein scheint: sein Diktiergerät (herrlich altmodisch mit Tape!).

Enslin lässt sich Zeit für diese Figur und damit ist die fundamentale Stärke des Films benannt. Denn der Regisseur weiß, dass dieser Film mit dem etwas herunter gewirtschafteten Schriftsteller steht und fällt. Und dann kommt der grenzgeniale Auftritt von John Cusack, der in den letzten Jahren durch seine Auftritte in Filmen wie "Ice Harvest", "Identity" oder "High Fidelity" enorm an Beliebtheit – gleichermaßen bei Publikum und Kritik – zulegen konnte. In fast jeder deutschsprachigen Berichterstattung ist von einer "One-Man-Show" Cusacks zu lesen. Und tatsächlich: Der extrem lebendig und motiviert spielende Schauspieler dominiert den Film, auch im Zusammenspiel mit Samuel L. Jackson entsteht eine famose Dynamik, die die 94 Minuten Laufzeit allerdings nicht ganz zu füllen vermögen. Das liegt vor allem an der recht einfallslosen Auflösung und an der argen Überbetonung des psychischen Leids des Protagonisten. Wer außerdem ganz genau aufpasst, entdeckt zumindest zwei Stellen aus dem Trailer, die "Zimmer 1408" dem Zuseher im Kino vorenthält – wenn da mal nicht eine DVD-Vermarktungsstrategie dahinter steckt (und freundlich lächelt…und lächelt…und lächelt…und lächelt).


Wie schade um den Kurzfilm, der "Zimmer 1408" nicht werden durfte! Starker Auftakt – schwächelnder Abgang.


Rudolf Inderst