Das Bourne Ultimatum
(The Bourne Ultimatum)

USA, 110min
R:Paul Greengrass
B:Tony Gilroy, Scott Z. Burns
D:Matt Damon,
Julia Stiles,
Daniel Brühl
L:IMDb
„This is where it started for me. This is where it ends.”
Inhalt
In diesem neuen Kapitel der Bourne-Saga wird er zum Jäger und Rächer. Um eine Zukunft zu haben, muss er herausfinden, wie alles begann. Von Moskau über Paris, London und Tanger nach New York City geht die Reise. Im Sperrfeuer feindlicher Agenten, gejagt von unerbittlichen Profikillern und immer auf der Hut vor der Polizei will Bourne die stellen, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist.
Kurzkommentar
Mit "Das Bourne Ultimatum" liefert Regisseur Paul Greengrass, der breits für den zweiten Teil der Serie aus dem Jahr 2004 verantwortlich zeichnet, einen spektakulären Agententhriller ab. Technisch blitzsauber und mit einem sehr hohen Erzähltempo hastet Agent Jason Bourne durch Europa und lässt sich auch von den schwierigsten Hindernissen nicht aufhalten. Auch wenn die Figur, die Matt Damon wieder einmal fundamental stoisch anlegt, allzu unverletzlich erscheint, handelt es sich zweifelsohne um den besten Teil der Spionagesaga. Man möge den Verlockungen eines vierten Teils bitte widerstehen!
Kritik
Neun Drehorte und 138 Millionen Dollar nahm der letzte Teil der Jason Bourne-Reihe ein, die 2002 begann und nun ein an den Kinokassen erfolgreiches und bei den Filmkritikern gelobtes Finale findet. Anders als Münchner Jura- und BWL-Studenten zur Oktoberfestzeit muss sich der ehemalige Auftragskiller, der sich immer noch auf der Suche nach seiner Identität befindet, sich nicht verkleiden. Zwar benutzt er, wie sein großer Namenskürzelpatron James Bond, Decknamen, aber auf physische Veränderungen oder Kostümierung legt er keinen Wert. Matt Damon hat Jason Bourne viel zu verdanken. Im Nachhinein kann man sich nur schwer einen anderen Darsteller in dieser Rolle vorstellen. Eine Rolle, die es erfordert, physisch einen Stier zu verkörpern, aber dabei wie ein braver Büroangestellter oder Buchhalter in der Jacke eines alternden Deutschlehrers zu wirken. Eben gänzlich unauffällig, aber auf einen Schlag präsent und mit Fähigkeiten ausgestattet, die den Zuseher staunen lassen. Motorrad- und Autofahrten der unfalllastigen Sorte beherrscht der Agent ebenso wie verschiedene Sprachen. Schlösser sind für Bourne kein Hindernis, auch schlägt er durch sein geschultes Auge jegliche technische Überwachung, wenn es darauf ankommt. Und schließlich bleiben da noch seine Fähigkeiten, was Schusswaffen und Kampfsport betrifft. Auch hier kann ihm niemand das Wasser reichen.

Vielleicht sind jedoch auch all diese famosen Eigenschaften, die Jason Bourne in diesem dritten und letzten Teil ein wenig ermüdend wirken lassen. Zu sehr wird deutlich, wie überlegen er seinen Jägern ist. Der Agent hat keine schwachen Momente mehr, wirkt determiniert und unantastbar. Das stellte sich in den beiden anderen Teilen noch anders dar: orientierungsloser, vielleicht auch Hilfe suchender. Aber dies ist augenscheinlich die einzige Schwäche, die sich der Film gönnt. Der Rest: technische Perfektion.

Regisseur Paul Greengrass ("United 93"), Cutter Christopher Rouse ("Paycheck") und Kameramann Oliver Wood ("Face/Off") ergeben als Trio eine beeindruckende Truppe, die dem Film eine Spannung und ein Tempo verleihen, das man lange nicht mehr auf der Leinwand derart erleben durfte. Es hätte alles ganz anders kommen können: Wenn man daran denkt, wie viel Schindluder mit schnellen Schnitten und Handkamera in Actionfilmen in der letzten Zeit getrieben wurde, muss man sich an dieser Stelle tief vor den Machern von "Das Bourne Ultimatum" verbeugen. Alleine die Autoverfolgungsjagd gegen Ende des Films, für welche die Crew sechs Wochen Arbeits- und Drehzeit aufwendete, ist unglaublich und an Intensität kaum zu überbieten. Obwohl Bourne nicht eine charismatische Ausgeburt darstellt, überzeugt er doppelt, wenn in seltenen Fällen trockener Witz regiert. Und das Publikum ist stets auf der Seite des identitätslosen CIA-Killers, egal, was er in der Vergangenheit angestellt haben mag, und wen er kaltblütig umgelegt hat; der verlorene Sohn wird zuhause mit offenen Armen empfangen – schließlich bereut er seine Missetaten durch und durch. Auch wird relativ schnell klar, dass das Black Ops Programm Bourne erst zu dem gemacht hat, was er wurde. Zwar wollte dieser seiner Zeit unbedingt selbst in das CIA-Programm, jedoch spielt Damon den Typen Bourne naiv-gutgläubig genug, um glaubhaft versichern zu können: Er trat dem Geheimverbund bei, um Amerikanern das Leben zu retten, nicht um unliebsame Ziele zu eliminieren, die nach Deutung eines paranoiden Bürokraten die nationale Sicherheit gefährden. Auf amoröse Abenteuer lässt sich Bourne übrigens nicht ein, dafür bleibt keine Zeit.

Die amerikanische Presse reagierte auf Jason und seine 110 Minuten Abenteuer durchweg positiv: Die USA Today bekennt: " The best action thriller of the year." Die New York Times pflichtet bei: "Mr. Greengrass knows how to do his job, and there’s no one in Hollywood right now who does action better, who keeps the pace going so relentlessly, without mercy or letup, scene after hard-rocking scene." Von der Time ist zu lesen: "The movie is one continuous, exhausting, exhilarating chase." Lob auch von der LA Times: "It says something about Paul Greengrass' directing style that he's able to make a movie as fresh and frank as The Bourne Ultimatum from a genre as moldy and bombastic as the spy thriller." Und der Boston Globe schließt ab: " The movies are smart -- smarter than you, but not in an off-putting way. Their basic appeal, especially this new one, is that Matt Damon’s killing machine, Jason Bourne, is the cleverest man on earth. And we thrill to his sense of superiority."


He was BOURNE ready! Technisch eindrucksvoller Höhepunkt der Trilogie um den (leider) unzerstörbaren Superagenten mit dem prominenten Namenskürzel.


Rudolf Inderst