28 Weeks Later

England, 101min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Juan Carlos Fresnadillo
B:Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo
D:Robert Carlyle,
Rose Byrne,
Jeremy Renner
L:IMDb
„All forces under my control prepare to execute code red.”
Inhalt
Sechs Monate nach dem ersten Ausbruch des Killer-Virus "Wut" erklärt die Armee der USA die Krankheit für besiegt und beginnt mit der Neubesiedelung der britischen Insel. Doch unter den Einwanderern in der englischen Metropole ist erneut ein Träger des Virus, die tödliche Krankheit flackert wieder auf - die Apokalypse der Todesepidemie scheint unabwendbar.
Kurzkommentar
Intensiv. Sehr intensiv. Erfahrene Filmseher und Kinogänger wissen, wie viel bei Sequels schief gehen kann. „The Crow 2“ oder „The Blair Witch Project 2“ sind da nur die Spitze des Eisbergs. „28 Weeks Later“ macht jedoch alles richtig und noch mehr – die Fortsetzung baut das Grauen systematisch aus, und es gelingt dem Film, Verstörung, Trauer und Wut, aber auch zahlreiche Schreckensmomente auszulösen. Dabei rundet die hervorragende Filmmusik dieses Erlebnis nachhaltig ab und Platz für einen dritten Teil könnte es auch noch geben.
Kritik
Tja, es scheint so, als lassen sich Privates und Öffentlichkeit nicht trennen. Zuerst zerfällt die Familie (in einer Eingangssequenz, die durch die Schnelligkeit des Schnitts, ihrer Sounduntermalung sowie ihrer rohen Brutalität den Zuschauern den Atem stocken lässt), und anschließend zerfällt der Staat. „28 Weeks Later“ hat viele verschiedene Dimensionen und lässt daher unterschiedliche Lesarten zu. Die offensichtlichste ist vielleicht, dass Regisseur Juan Carlos Fresnadillo ein packender und unerbitterlicher Zombiefilm gelungen ist, der die blutgierigen Horrorfilmseher befriedigen dürfte. Den Gipfel des blutigen Splattertreibens erklimmt das Produktionsteam in seiner weiter gedachten Hommage an „Dawn of the Dead“ von 1978: Wenn Rotorblätter brav ihren Dienst verrichten…

Doch natürlich ist dies nur eine Ebene, auf der sich der komplett in Großbritannien gedrehte und 100 Minuten lange Film bewegt. Offensichtlich lag es den Drehbuchschreibern Rowan Joffe und Jesus Olmo am Herzen, auch etwas über Besatzungspolitik im Allgemeinen und das amerikanische Scheitern dieser im Nahen Osten zu vermitteln. Fehlende Kommunikation und falsche Einschätzungen sowie voreilige Entscheidungen bringen den US-Militärapparat, wie er sich in „28 Weeks Later“ präsentiert, schnell ins Wanken – nur noch mit bizarren Todesschlägen glaubt man, der Seuche Herr werden zu können. Doch schon im vermeintlich ruhigeren Teil des Films stimmt etwas nicht. London als Stadt ist im Belagerungszustand. Das zivile Leben muss hinnehmen, dass es rund um die Uhr unter scharfer und vor allem bewaffneter Beobachtung steht. Helikopter kreisen über der Stadt, Scharfschützen beziehen ihre Stellungen auf den Dächern, MG-Nester sind der Normalfall im Stadtbild und Registrierungsprozesse aller Art laufen an. Die Überwachung und Durchleuchtung der Heimkehrer ins eigene Land ist perfekt. Zu Recht weist Stefan Höltgen für Telepolis darauf hin, dass der Film auch Parallelen zum Umgang der „Ersten Welt“ mit der „Dritten Welt“ aufzeigt, wenn es um die Aids-Problematik und Abschottungstendenzen geht. Die derzeitige Rassismus-Diskussion um den kommenden Videospiel-Megaseller „Resident Evil 5“ passt sehr gut in diesen Diskurs. Die Befürchtungen lauten, dass auch dort ein Kaukasier auf verwilderte und infizierte Afrikaner mit Pistole, Schrottflint und Maschinengewehr losgehen wird.

Glänzend schauspielerisch aufgelegt zeigt sich hingegen das Darstellerensemble des Films. Es macht Freude, deren intensives und tiefes Spiel mitzuerleben. Besonders Robert Carlyle, den die Geister der Vergangenheit wieder einholen, macht für den Zuschauer die komplette Skala zwischen Todesangst, Scham, Freude und Wut plastisch begreifbar. Amüsant: Die erst 17-jährige Imogen Poots, die die Tochter des zwischen allen Gefühlslagen zerrissenen Vaters spielt, treibt inzwischen übrigens die fast volljährigen (männlichen) IMDB-Filmforen-Belagerer zu dramatischen Liebeserklärungen.

Auf der technischen Seite fällt zunächst auf, dass man diesmal zwar nicht ganz auf DV verzichtete, aber den Großteil in 35mm (und 16mm) abgedrehte. Die Actionsequenzen sind hart und schnell geschnitten – sie verlieren sich nicht in übermäßigem Gorewust, sondern drücken vielmehr Entsetzen und Panik durch den Einsatz von Close Ups auf Augen oder Münder aus. Dabei spielt der Film geschickt mit Lichteinbrüchen, wie etwa Taschenlampen oder fehlende Bretter an einem Verschlag. Die spärlich eingesetzten digitalen Effekte fügen sich zudem angenehm stimmig in den Film ein. Keine Besprechung kann sich aber komplett nennen, wenn sie nicht zumindest einen Satz über die Score des Films verliert. Der Zuschauer bekommt großartige Musik zu hören, vor allem das Hauptthema ist ein düsterer, melancholischer und sehr einprägsamer Ritt voller Abgründe. Sollte man sich auch nur ein klein wenig für Filmmusik begeistern können, sollte dieser nicht im Haushalt fehlen.

Die amerikanische Presse zeigte sich sehr angetan von „28 Weeks Later“. Die New York Times erklärt: „28 Weeks Later is not for the faint of heart or the weak of stomach. It is brutal and almost exhaustingly terrifying, as any respectable zombie movie should be. It is also bracingly smart, both in its ideas and in its techniques.” Begeistert auch die Washington Post: “As viscerally compelling as smash-mouth filmmaking gets.” Und Empire ergänzt: “Bigger action, more amazing deserted (and devastated) London sequences and biting contemporary relevance.” Glaubt man zudem den geheimen Kanälen der Internetspürhunde, ist ein dritter Teil bereits beschlossene Sache. Angeblich soll dieser in Russland spielen, nachdem ganz Europa bereits zombifiziert wurde.

Reconstruction failed! In allen Bereichen äußerst gelungene Rückkehr des britischen Wutausbruchs


Rudolf Inderst