Planet Terror

Deutschland, 102min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Robert Rodriguez
B:Robert Rodriguez
D:Freddy Rodríguez,
Rose McGowan,
Marley Shelton
L:IMDb
„Don't shoot yourself. Don't shoot each other. And especially... don't shoot me.”
Inhalt
Die Erde wird nach und nach von Killer-Zombies, Sickos, überschwemmt. Doch ein paar furchtlose Mädchen und Jungs auf Motorrädern wappnen sich mit Maschinengewehren zum Kampf. Angeführt wird die Gang von Stripperin Cherry (Rose McGowan), einer furchtlosen Amazone mit einer außergewöhnlichen Beinprothese, und ihrem Ex-Freund Wray (Freddy Rodriguez), einem Kämpfer mit ungeahnten Fähigkeiten. Gemeinsam verteidigen sie die Erde gegen die Verwüstung, die die grausamen Sickos auf Planet Terror hinterlassen …
Kurzkommentar
Um es kurz zu machen: Sie mochten die zweite Hälfe von "From Dusk till Dawn"? Ja? Für Sie ist dieser Film ein Pflichttermin. Harte TexanerInnen, die sich einer Zombieplage erwehren – what more anybody can ask for? Die internationale Langfassung des ursprünglich als Doube Feature Film konzipierten Streifens bietet reichlich blutige und zynische Unterhaltung und wird somit die Gelüste der Gore Hounds weltweit befriedigen.
Kritik
"I've seen me a lot of weird shit in my day, but I ain't never seen a one-legged stripper. I seen me a stripper with one breast. And I seen me a stripper with twelve toes. I've even seen me a stripper with no brains at all, but I ain't never seen a one-legged stripper. And I've been to Morocco," sagt Q. Tarantino in seiner Rolle als vergewaltigender Soldat in "Planet Terror". Wer sich auf diese Art von Humor also freiwillig und erwartungsvoll einlässt und konzentriert-ausgelassen Spaß dabei empfindet, wenn Menschen verstümmelt, zerrissen, erschossen, aufgeschlitzt und verbrannt werden, der kann sich zum Ticketkauf beglückwünschen: Etwa 120 Minuten eiternde Unterhaltung liegen vor ihm.

Die Vorgeschichte dürfte mittlerweile bekannt sein. Die Regisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez fabrizierten zusammen ein Double Feature Projekt, welches sie mit "Grindhouse", in Anlehnung an frühere US-Schmuddelkinos, die sehr häufig B- und C-Filme als Double Features ausstrahlten, betitelten. Einen besonderen Bonus gab es dann in der Pause zwischen den beiden Filmen, als Fake Trailer von Filmen zum Besten gegeben wurden, die niemals die Leinwand erblicken würden. So kann sich der Zuseher (nicht) auf Titel freuen wie etwa "El Machete" oder "Werewolf Women of the SS". Spätestens jetzt wird klar – hier muss liebhaberisch geschmunzelt werden. Wenn dann auch noch sehr sensibel und geschickt der heruntergewirtschaftete Filmlook der 1970er und frühen 1980er imitiert wird, ist die Melancholie perfekt: Tränen des Glücks über Filmbilder voller Streifen, Brandlöcher und Ausbleichungen! Kinogänger, die digitale Projektion als persönliches Leinwandglück entdeckt haben, werden sich da verwundert die Augen reiben.

Aber auch Rodriguezfans der früheren Produktionen werden sich über ein Wiedersehen mit vielen Darstellern freuen, wie in etwa Carlos Gallardo ("El Mariachi") oder Michael Parks ("From Dusk till Dawn"). Und wer kann schon Filmen mit "Aliens"-Liebling Michael Biehn widerstehen? Die Darsteller hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit, in jeder Einstellung strahlen sie große Spiellust und Euphorie aus. Man merkt tatsächlich, hier entstand eine kleine liebevolle Perle der Genreunterhaltung. Kuriose und humorvolle Dialoge wechseln sich ab mit sehr detailreichen Special Effects. Auf Körperteile und –säfte wird hier keine Rücksicht genommen. Das Motto lautete hier: Alles zerreißt, wenn man nur lange genug zieht.

Auch die US-Presse fand Gefallen an dem anarchischen Rückfall. Entertainment Weekly urteilt exemplarisch: "Grindhouse, like "Ed Wood" and "Boogie Nights," celebrates how certain low-grade entertainment, viewed in hindsight, looks different now than it did then, since we can see the ''innocence'' of its creation -- the handmade quality of it -- in a world not yet ruled by corporate technology."
Vorsicht ist allerdings geboten. Das Spiel mit den B-Film Konventionen sollten nur diejenigen betreiben, die sich gründlich auf diesem Gebiet auskennen; nichts wäre schlimmer als der Beginn eines faden Trends zur mittelprächtigen Trashaufbereitung durch noch mittelmäßigere Regisseure. Das soll an dieser Stelle aber den Spaß nicht vermiesen. "Planet Terror" ist exzellente Unterhaltung für Genrefans, denen es mit karikierter Gewalt in Form von Body Splatter nicht weit genug gehen kann.

Und abermals klatscht das Genrepublikum – grandioser Blutrausch der äußerst unterhaltsamen Sorte


Rudolf Inderst