Reaping, The - Die Boten der Apokalypse
(Reaping, The)

USA, 99min
R:Stephen Hopkins
B:Carey Hayes, Chad Hayes, Brian Rousso
D:Hilary Swank,
David Morrissey,
Idris Elba,
Anna Sophia Robb,
William Ragsdale
L:IMDb
„Are you here for my girl? Are you gonna kill my baby girl? – What? No! – Why not?”
Inhalt
Die Missionarin Katherine verliert ihren Glauben als ihre Familie auf tragische Weise ums Leben kommt. Als Reaktion darauf profiliert sie sich als weltberühmte Expertin, die religiöse Phänomene als Humbug entlarvt. Eine Kleinstadt in Louisiana wird angeblich von den biblischen Plagen heimgesucht – als Katherine den Fall untersucht, muss sie allerdings zugeben, dass sich die Vorfälle wissenschaftlich nicht erklären lassen. Erst, als sie ihren Glauben wieder findet, bringt sie genug Kraft auf, um den bedrohlich dunklen Mächten in der Gemeinde die Stirn zu bieten.
Kurzkommentar
Religiöse Horrorthriller haben eine unbestritten lange Kinotradition. "The Reaping" ist ein weiterer (lauwarmer) Vertreter dieses Subgenres. Leider mag der Grusler nicht so recht in Fahrt kommen. Daran ist in erster Linie das unentschlossene Drehbuch schuld. Das können optisch das eine oder andere reizvolle Bild sowie das bisweilen intensive Spiel der Schauspieler nicht kompensieren.
Kritik
Es ist mal wieder Zeit, altbekannte Wahrheiten an das Tageslicht zu zerren. Wer erinnert sich noch an Romeros "Night of the Living Dead"? Gut! Wer erinnert sich weiterhin an den schwarzen Protagonisten? Gut! Und wie hieß der? Und was geschah mit ihm am Schluss? Gut! Genug Hinweise.

Regisseur Stephen Hopkins, der sich gut im Dschungel auskennt ("Predator 2") und auch reichlich TV-Erfahrung hat ("Traffic Mini-Series" und "24") erschuf mit "The Reaping" eine wilde und zitierfreudige 96-minütige Achterbahnfahrt zwischen "The Seventh Sign", "The Omen", "Wickerman", Rosemary's Baby" und "The Exorcist". Zusammen mit seinem Kamermann Peter Levy (u.a. "Broken Arrow") gelingt es ihm auch tatsächlich, einen optisch einfallsreichen und gruslig-ästhetischen Film abzuliefern. Der in Schauplätzen in Texas, Puerto Rico und Louisina entstandene "The Reaping" hat seine Stärken ganz klar in seinen Kamerabildern. Die biblischen Plagen – übrigens ist der deutsche Untertitel eine Mogelpackung, da er sich auf die Apokalypse bezieht, es aber um alttestamentarische Zusammenhänge und Themen geht – sind großartig in Szene gesetzt. Auch die digitale Abteilung hat da einen beeindruckenden Job geleistet, egal ob Heuschrecken oder blutroter Fluss. Die Darstellerriege wankt und schwankt in ihrer Arbeit. Die junge Anna-Sophia Robb ist exzellent gecastet worden. Vereinzelte Kinogänger werden sich vielleicht noch an ihren amüsanten Auftritt in "Charlie and the Chocolate Factory" als wettbewerbssüchtige Göre erinnern. Rätselhaft spiegelt sich in ihren ausdrucksstarken Augen der Lauf der Dinge. Auch Idris Elba ist eine Entdeckung – in jeder Sekunde strahlt er natürliche Souveränität aus; man kann sich auf seine Performance in "28 Weeks later" freuen.

Hilary Swank wendet sich nach langer Abstinenz ("The Core") einmal wieder dem Genrekino zu, welches "The Reaping" auf jeden Fall aufwertet. Ein Schalk ist übrigens, wer sich wundert, dass Swank den Namen "Katherine" trägt: Die Dreharbeiten mussten aufgrund des Wirbelsturms "Katrina" unterbrochen werden. Erkenne die Zeichen!

All diese kleinen Vorzüge jedoch verblassen leicht angesichts des diffusen und mutlosen Drehbuchs. Das erkannte auch die US-Presse, die den Film größtenteils negativ aufnahm. Im Boston Globe ist zu lesen: "Long-delayed, pitiful excuse for a horror film." Der Chicago Reader urteilt: "This high-decibel shocker is an insult to intelligence and faith alike." Und schließlich im San Francisco Chronicle: "Although The Reaping' borrows elements from classics of the genre, it fails to build the psychological tension that made them so creepily good."

Die Mischung aus Southern-Gothic und Bibelsploitation hat enorm viel Potential, doch die Macher geben dem Showeffekt den Vorzug gegenüber dem psychologischen Terror. Die Frage nach dem wahren Wesen des Kindes wird zu schnell angehandelt und eine Sequel-Hintertür hat man sich zudem eingebaut. Der Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube ist nur vordergründiges Motiv und behindert zu keiner Zeit die Filmcharaktere in ihrem Handeln oder zwingt sie, bewusst zu reflektieren. Davon, dass Chemikern im Publikum angesichts der wissenschaftlichen Ungereimtheiten ganz schummrig werden wird, soll an dieser Stelle geschwiegen werden.

Zwischen Wissenschaft und Glauben entfaltet sich eine in mitunter hübsche Optik gehaltene Bibelreise, welche sich jedoch nicht durch nachhaltige Relevanz oder Eigenständigkeit auszeichnet.


Rudolf Inderst