Pathfinder - Fährte des Kriegers
(Pathfinder)

USA, 100min
R:Marcus Nispel
B:Laeta Kalogridis, Nils Gaup
D:Karl Urban,
Moon Bloodgood,
Clancy Brown,
Jay Tavare,
Nathaniel Arcand
L:IMDb
„They are not men. They are beasts.”
Inhalt
Als die Wikinger mit mächtigen Drachenbooten die amerikanische Küste erreichen, fallen Sie mit barbarischen Eroberungszügen in das Land ein. Blutige Kämpfe um Ehre und Eroberung beginnen, in denen sich die indianischen Stämme gegen die Wikinger erbittert zur Wehr setzen. "Pathfinder" erzählt die Geschichte eines Wikingerjungen, der nach einem Schiffbruch von seinem Clan zurückgelassen wird. Er wird von den Indianern entdeckt, aufgenommen und großgezogen und erhält den indianischen Namen ‚Ghost’. Als die Wikinger Jahre später erneut das Leben der Indianerstämme bedrohen, muss sich der mittlerweile erwachsene Ghost (Karl Urban) entscheiden, auf welcher Seite er steht und zieht in einen persönlichen Kampf gegen die Wikinger, um ihren Weg der Zerstörung und des Todes zu stoppen.
Kurzkommentar
Zwischen Diskursen über Maskulines und Fragen nach Identitätskonzepten – Markus Nispel ("Texas Chainsaw Massacre") inszeniert in hyperkühlen Bildern die äußerst brutale und spannungsarme Geschichte von Immigrantentum und Landnahme. Der clash of civilisations war nie einfallsloser.
Kritik
Gleich zu Beginn: ein Pluspunkt. Klar und deutlich ist zu lesen, dass es sich bei dem nun Gezeigten um die Adaption einer Legende handelt. Nicht mehr und nicht weniger. Will heißen: Kein "Based on a true story" oder "true events" (die sich dann zumeist schnell als "events that never took place but sounded awesome" herausstellen). "Pathfinder" stellt das hundertminütige Remake eines norwegischen Abenteuerfilms namens "Ofelas" (1987) dar. Die Grundidee, zwei völlig grundverschiedene Kulturen, wie es "Pathfinder" zumindest suggerieren möchte, aufeinander prallen zu lassen, ist zunächst einmal eine sehr reizvolle Überlegung, die in viele Richtungen hätte funktionieren können. Nispel entscheidet sich für keine Richtung und es kommt einem so vor, als er hätte er dies recht früh selbst erkannt. Was an dramatischen Momenten nicht mehr nachgeholt werden kann, soll dann wenigstens so richtig in den Sand gesetzt werden: 80 Minuten uninspiriertes, mittelmäßig choreographiertes Kino und oftmals gut sichtbarer digitaler Nachbearbeitungsrausch ergeben einen faden Indianereintopf. Dass die Geschichte mit zahlreichen unplausiblen Momenten zu kämpfen hat, und sich überreichlich aus der Zitatenküche anderer Filme, wie etwa "Cliffhanger" oder "Rambo" bedient, macht den Pfadfinder nicht besser.

Die Darsteller mühen sich recht – aber die kalten Temperaturen in Vancouver müssen ihnen wohl die Mimik eingefroren haben; Deutschlands Superexport R. Möller hat dezent hörbare Probleme mit dem Isländischen und Karl Urban gibt schon wie in "Doom" den Gutmenschen, der seinen Welpenblick perfektioniert. Aber das fällt kaum ins Gewicht, wenn die bewusst mit fälschlichen Wikingerhelmhörnern ausgestatteten Urukai-Look-a-likes (der Tenor: Entmenschlichung, wohin man sieht) recht blutig mit Morgenstern und Axt zur Sache gehen. Augen zu und durch – da spritzt das Digiblut. Es handelt sich um die alte Geschichte: Der Invasor mit der überlegenen (Waffen-)technologie merkt im unbekannten Terrain schnell, wo seine Grenzen sind. Man merkt Markus Nispel die Clipherkunft an – seine 45 Millionen Dollar Bilderwut schreit gerade zu die Ästhetik eines Sandravideos heraus. Da wird man doch recht skeptisch, wenn man erfährt, was der Regisseur als nächstes macht: Polemisch überspitzt gesagt folgt er auf den Pfaden eines anderen Deutschen und verfilmt das eigenwillige Computerspiel "American McGee's Alice", welches seine Ursprünge wiederum bei "Alice im Wunderland" von Lewis Caroll hat. Was das wohl werden mag?

Karl, so gar nicht urban: Nispel serviert blaustichige und grobkörnige Natur-Schlachtplatte ohne Spannung.


Rudolf Inderst