Saw III

USA, 103min
R:Darren Lynn Bousman
B:Darren Lynn Bousman
D:Tobin Bell,
Shawnee Smith,
Angus Macfadyen,
Bahar Soomekh,
Dina Meyer
L:IMDb
„I have the instruments to cut someone open. I don't have the tools to save a life.”
Inhalt
Nach einer Nachtschicht im Krankenhaus wird Dr. Lynn Denlon (Bahar Soomekh) entführt und in ein verlassenes Lagerhaus verschleppt. Sie trifft auf Jigsaw (Tobin Bell), den gefürchteten Serienkiller, und dessen gelehrige Schülerin Amanda (Shawnee Smith). Jigsaw, der mit dem Tode ringt, hat sich ein neues, mörderisches Spiel ausgedacht: Lynn muss ihn am Leben halten, solange der junge Jeff (Angus Macfayden) in einem weiteren Spiel um sein Leben kämpft. Doch während Lynn und Jeff gegen die tickende Uhr von Jigsaws Herzschlag arbeiten, ist in Wahrheit ein viel größeres Spiel im Gang.
Kurzkommentar
Regisseur Darren Lynn Bousman und seine SAW-Reihe sind zurück, um mit ihrem erfolgreichen Horror-Franchise zum dritten Mal die Kassen klingeln zu lassen. Und obgleich dies ihm zweifelsfrei gelingen wird, soll an dieser Stelle ausdrücklich vor dieser reichlich primitiven Werkschau menschlicher Abgründe gewarnt werden. Spaß macht das alles nicht.
Kritik
Erinnert sich noch jemand an den Trailer von "Scream 3"? Dort wird verkündet, dass ein zweiter Teil einer Trilogie die Regeln, die der erste Teil aufstellt, im zweiten Teil gebrochen werden. Die Saw-Reihe benötigt dazu einen Teil länger – für den aktuellen dritten Teil der Serie lautet die Tagline: "Sometimes Rules Are Meant To Be Broken..." Ist natürlich nicht so. Im Gegenteil – Saw 3 arbeitet sich derart mühevoll an seinen serienimmanenten Regeln und Konventionen ab, dass man sich nach den 108 Minuten fragt, was man da eigentlich gerade gesehen hat.

Das hat sich wohl auch die Presse nach dem "Genuss" der 12 Millionen Dollar Produktion gefragt. Die New York Times in etwa stellt fest: "The most depressing thing about this series is not the creativity of the bloodletting but the bleak view of human nature", und der San Francisco Chronicle ergänzt: "Saw III is annoying for almost the duration of the movie." Die LA Times dazu: "Other problems, such as flat dialogue, uninvolving characters and a creeping sameness in the no-brain- required puzzles, remain unsolved." Abschließend der trockene Kommentar der New York Daily News: "Just like its increasingly wan antihero, this blood-soaked series is on its last legs."

Die in einem Monat Drehzeit komplett in Toronto entstandene zweite Fortsetzung legt nicht den geringsten Wert auf eine zusammen hängende Erzählung. Der Zuschauer muss sich nicht nur dem aus Teil 1 und 2 bekannten überschnellen Schnitt stellen, sondern nun beginnen auch noch in schöner (und überflüssiger) Regelmäßigkeit die Rückblenden auf die ersten beiden Saw-Teile. Ganz mutige Zeitgenossen können sich übrigens entfallenen Szenen auf YouTube ansehen. Vielleicht am schlimmsten wiegt die Tatsache, dass man sich seitens der Produzenten und Drehbuchverfasser immer noch auf den Standpunkt stellt, man versuche sich an einer Splattervariante von "Schuld und Sühne". Dabei hat man an der Dekonstruktion von Körpern mindestens genau so viel Spaß wie Mel Gibson.

Noch einmal ganz deutlich: Folterexzesse als vermeintlich wirksames Mittel, um Filmfiguren und womöglich auch noch Zusehern den Wert des Lebens zu erklären, ist nicht mehr als eine zynische Verkaufsmasche; wenn dabei allerdings noch jedes erzählerische Geschick fehlt, ist dem Endprodukt nicht mehr zu helfen. Kommt man in einer ruhigen Minute auf die Darsteller zu sprechen, kann man es auch gleich wieder sein lassen, denn zweifelsohne sind die zahlreichen Fallen und Tötungsapparate die Hauptattraktion. Ach, und das ist natürlich auch ein gefundenes Fressen für die "Das-ist-nicht-realistisch"-Schimpfer – die ausgeklügelten Killermaschinen und Folterpfade würden natürlich nicht eine einzige Frau, sondern zehn Zimmermanns-, Architekten- und Ingenieursbüros auf Trapp halten. Die Fallen changieren zwischen Schweinepest-Paranoia und Hellraiser-Fantasien. Saw weit, saw gut. Die Dreharbeiten zu Teil 4 haben Anfang Februar begonnen – und diverse Internetforenquellen wollen in Erfahrung gebracht haben, dass bis Teil 6 die Drehbücher schon geschrieben sind.

Ge-säg-nete Mahlzeit! Weitere Enttarnung der SAW-Reihe als simple Fleischschau ohne Sinn und Verstand.


Rudolf Inderst