Cats & Dogs

USA, 95min
R:Lawrence Guterman
B:John Requa, Ficarra Glenn
D:Jeff Goldblum,
Elizabeth Perkins,
Alexander Pollock,
Miriam Margolyes
L:IMDb
„Catnapped!”
Inhalt
Professor Brody (Jeff Goldblum) steht kurz davor, ein Mittel gegen Hunde-Allergie zu entwickeln. Da dies die Stellung der Hunde als der Menschen beste Freunde zu sehr festigen würde, will der diabolische Kater Mr. Tinkles dies um jeden Preis verhindern: Er setzt seine Spezial-Agenten-Katzen auf das Labor des Professors an. Dies wiederum ruft den Hunde-Geheimdienst auf den Plan, und ehe er es sich versieht, ist Welpe Lou zum wichtigsten Geheimagenten avanciert. Die Schlacht um die Weltherrschaft beginnt...
Kurzkommentar
Von der Thematik her ist "Cats & Dogs" eigentlich ein Erwachsenenfilm: Weltherrschaft, Agenten, Krieg. Die anvisierte Zielgruppe ist jedoch offensichtlich deutlich jünger. Dieses Missverhältnis macht den Film wohl für keinen richtig befriedigend, obwohl er stellenweise durchaus amüsant ist.
Kritik
Die Einteilung für Kinderfilme auf dem Hollywood-Markt ist klar: Disney macht die süßen, harmlosen Sachen, Dreamworks die etwas frecheren, der Rest rangier unter "ferner liefen". So richtig subversive Filme wie Small Soldiers würde man von Disney jedoch nie zu Gesicht bekommen. "Cats and Dogs" geht in diese Richtung: Hunde und Katzen bekriegen sich, wobei die Hunde den Menschen schützen wollen, während die Katzen die Weltherrschaft an sich reissen wollen. Rabiat geht es zur Sache: Denn die Vierbener sind nach bester Bond-Manier mit allerlei explosiv-destruktiver Ausrüstung ausgestattet. Doch bereits hier zeigt sich eine erste Unentschlossenheit: Während Joe Dante mit "Small Soldiers" eine zynische Parodie inszenierte, die Kindern eigentlich schon nicht mehr zumutbar war, versucht "Cats und Dogs" dennoch ein Kinderfilm zu sein. Deswegen fliesst auch kein Blut, niemand stirbt (nicht so richtig zumindest), und dann gibt es noch eine herzzerreissende Kleiner-Junge-liebt-Hund-und-findet-wieder-zur-Familie-Geschichte. Allerliebst.

Nichtsdestotrotz kann ich mich dem Urteil eines amerikanischen Kritikers, der den Film als "in-offensive fun that kids will love" beschreibt, nicht unbedingt anschließen. Zum einen geht es reichlich brutal und martialisch zu, dessen sollte man sich bewusst sein. Wer James Bond mag, wird sicher nicht Schockierendes zu sehen bekommen, aber zum einen sind Bond-Filme ja auch keine Kinderfilme, zum anderen hat der Transfer der Erwachsenenwelt auf die (vermeintlich) unversehrte, heile Welt von Kindern und Tieren doch so ihre Tücken. Zudem arbeitet "Cats and Dogs" mit zahlreichen filmischen Zitaten, die Kinder kaum verstehen dürften: Die Musik ist deutlich an Mission Impossible angelehnt, das Equipment könnte aus einem beliebigen Bond-Film stammen, die inzwischen allgegenwärtigen Slo-Mo-Kampfszenen hat man in Matrix schon gesehen (wenn auch, zugegeben, nicht bei Katzen), und der Bösewicht-Weltherrschafts-Kater kommt 007-Kennern auch bekannt vor. Hinzu kommen zahlreiche Weltwissens-Bezüge, die für einen Erwachsenen offensichtlich, für Kinder jedoch nur schwer verständlich sein dürften. Damit reduziert sich der Film in Kinderaugen auf eine lahme Familienstory mit Tom &Jerry-ähnlicher Tier-Action, um nicht zu sagen: Gewalt. Ob sich das unter "in-offensive fun" subsummieren lässt, wage ich zu bezweifeln.

Dennoch sind gerade diese ironischen Referenzen auf andere Filme durchaus amüsant, wenngleich natürlich die Gesamtstory nichts von diesem Witz in sich trägt, sondern vielmehr in, positiv ausgedrückt, klassischen Bahnen verläuft. Auch wenn die Faszination an technischen Effekten in eine andere Richtung geht, so muss der tricktechnischem Umsetzung doch zugestanden werden, dass sie ausserordentlich gut ist. "Cats and Dogs" verbindet reale Tier-Szenen mit Animatronik und Computeranimation. Gerade der Puppeneinsatz, für den die Henson-Puppenschmiede verantwortlich zeichnet, hilft die Kosten niedrig zu halten. Und obwohl man bei genauem Hinsehen die Übergänge bzw. verschiedenen Techniken doch sehen kann, ist die Kombination gelungen, wieder ein Schritt vorwärts in der Tricktechnik. Wenig Möglichkeiten zur Profilierung bleibt da für die menschlichen Darsteller, die ja sowieso nur eine Nebenrolle spielen. Jeff Goldblum kann als allergischer Hundeforscher noch halbwegs überzeugen, insgesamt verblasst das menschliche Ensemble aber vor der geballten Kraft der Technik. Im amerikanischen Original sind die Snychronstimmen mit hochkarätigen Schauspielern besetzt - davon merkt man freilich in der deutschen Synchronisation, die aber dennoch recht ordentlich ausfällt, nichts. Wer sich also weder an der auf Kindergemüter zugeschnittenen Handlung noch an der martialischen Inszenierung stört und wer schon immer Ninja-Katzen in Matrix-Action sehen wollte, mag Gefallen an "Cats and Dogs" finden, der Rest findet bessere Alternativen.

Unausgewogener, martialischer Kinder-Spionage-Tierfilm


Wolfgang Huang