Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit
(Déjà Vu)

USA, 126min
R:Tony Scott
B:Bill Marsilii, Terry Rossio
D:Denzel Washington,
Paula Patton,
Val Kilmer,
Jim Caviezel,
Adam Goldberg
L:IMDb
„I'll speak slowly so that those of you in the room who have PhDs can understand me.”
Inhalt
Jeder hat dieses Gefühl schon einmal erlebt. Du kommst an einen Ort, den du nicht kennst. Und doch kommt er dir bekannt vor. Du siehst in das Gesicht eines Fremden. Und doch glaubst du, diese Person schon immer zu kennen. Was wäre, wenn es sich bei diesen Déjà-vus um Warnungen aus der Vergangenheit oder Hinweise auf die Zukunft handeln würde? Zu dieser Überzeugung kommt ATF-Agent Doug Carlin. Nach einem verheerenden Anschlag auf eine Fähre in der Südstaatenmetropole New Orleans merkt er schnell, dass seine Déjà-vus mehr sind als nur Sinnestäuschungen. Sie könnten ihm dabei helfen, das Leben hunderter unschuldiger Menschen zu retten – wenn er den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt.
Kurzkommentar
Tony Scotts „Déjà Vu“ beginnt wie eine großbudgetierte CSI-Folge und wandelt sich dann zunehmend in einen narrativ unnötig komplizierten Mysterie-Thriller. Amerikas Traumaverarbeitungs-Abteilung aus Hollywood leistet auch diesmal gute Arbeit in Form von hektisch photographierter Action und Eso-Techno-Sprech.
Kritik
Und wieder ist es Denzel Washington, gegen den die Zeit arbeitet. Wie schon in „Out of Time“, „Fallen“ oder „Crimson Tide“ kämpft der sympathische Oscar-Preisträger auch diesmal in Tony Scotts 80 Millionen-Dollar Mysterie-Vehikel gegen den unerbittlichen Countdown des Schicksals.

Nach „Domino“ und „Man under Fire“ möchte man gar nicht so recht glauben, dass „Déjà Vu“, der an Schauplätzen in Los Angeles und New Orleans entstand, ein Film von Tony Scott ist. Nach einem relativ lauten Auftakt nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf und fügt beständig Mysterie-Element um Mysterie-Element der Krimihandlung hinzu, bis zum Schluss eben doch wieder die Waffen sprechen dürfen. Und während die MP5 kräftig rattert, vergisst der Zuseher schnell, was er noch vor etwa 45 Minuten über theoretische Physik zu lernen glaubte. Einen ähnlich ausgeprägten Physikunterricht gibt es übrigens in „Event Horizon“ zu genießen. Das Zeitreise-Skript von „Déjà Vu“, das der Film manchmal eher hölzern aufarbeitet, geht immerhin auf das Jahr 1997 zurück; und man traut seinen Augen kaum. Der Sci-Fi-Goth-Streifen von Paul Anderson stammt aus demselben Jahr. Anormales Paradoxon, würden die portraitierten Filmwissenschaftler von Scott sagen, welche sich alle samt unterhalten wie Ingenieure der Enterprise.

Der 128-minütige „Déjà Vu“ schnitt eher mäßig in der Presse ab. Zwar war von „elegant entertainment“ (Seattle Post-Intelligencer) und „surprisingly satisfying” (Chicago Tribune) zu lesen, aber zu großen Teilen hagelte es unangenehme Verrisse. Die USA Today bemerkt: „Déjà Vu cannot escape the weight of its murky science, action-film formula and preposterous ending”. Der San Franciso Chronicle legt nach: „A needlessly complicated and confusing thriller“, und die Washington Post fasst zusammen: „After 9/11, few of us look at terrorist acts casually. It's insulting to watch this grandiloquent pornography, using shock value and Hollywood cliche to evoke poignancy.“

Und genau hier ist nach der eigentlichen Schwäche des Films zu suchen. Das Team Bruckheimer / Scott blickt nach hinten, blickt in die jüngere Vergangenheit der Vereinigten Staaten und stellt sich die Frage: Was, wenn wir in die Vergangenheit reisen könnten? Könnten wir dann 9/11 und Oklahoma verhindern? Wäre das nicht großartig? Nehmen wir an, wir könnten es? Was müssten wir tun? Was bräuchten wir? Leider gibt der Film eine recht eindimensionale Antwort. Er muss im Geheimen den Überwachungsapparat ausbauen. Alles muss diesem untergeordnet sein. Zwar passieren hin und wieder Pannen wie in „Staatsfeind Nr. 1“, aber die Schuldigen bleiben Menschen. Am System wird nicht gerüttelt, es erfährt keine Hinterfragung. Frei nach dem NRA-Slogan: „Systems don’t kill people. People do.“

Auf der technischen Seite gibt es hingegen kaum Aussetzer. Die teils digital gedrehten Bilder gehen Hand in Hand mit einem rasanten Schnitt; die Filmmusik wechselt zwischen unterschwellig-bedrohlich und mutig-kraftvoll. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Nomen est omen. Déjà Vu; alle Motive und Bilder dieser Ästhetik des Schreckens sah man tatsächlich schon in anderen Produktionen.

Technisch blitzsaubere, aber inhaltlich reichlich gefährlich-romatische Vermengung von technologischer Machbarkeitsphantasie und Menschheitsschicksal.


Rudolf Inderst