Natürlich Blond!
(Legally Blond!)

USA, 96min
R:Robert Luketic
B:Amanda Brown, Kirsten Smith, Karen Lutz
D:Reese Witherspoon,
Luke Wilson,
Selma Blair,
Matthew Davis
L:IMDb
„Fitness setzt Endorphine frei. Endorphine machen glücklich. Glückliche Leute töten ihre Ehepartner nicht - so einfach ist das.”
Inhalt
Warner (Matthew Davis) wird heute Abend die Frage aller Fragen stellen. Doch statt eines Heiratsantrages bekommt Elle (Reese Witherspoon) den Laufpass, weil sie als Gattin eines späteren Politikers “zu blond” und nicht “seriös” genug sei. Um ihren Traummann zurückzuerobern, möchte sie beweisen, dass sie sehr wohl sein kann, was Warner will – eine Jurastudentin in Harvard. Sie schafft die Zulassung, muss dann aber feststellen, dass ein bezaubernder Charakter und eine pinkfarbene Prada-Tasche ihr im Juristenkosmos der blauen Blazer und Perlenkettchen nicht weiter helfen. Elle sticht wie ein pinkfarbener Pickel auf der Nase der Harvard Law School hervor und nicht zuletzt Warners neue Freundin Vivian (Selma Blair) straft sie mit kalter Verachtung. Doch Elle ist fest entschlossen, sich durchzubeißen.
Kurzkommentar
Eine hübsch-übertriebene, nicht zu aufdringliche Reese Witherspoon ("Pleasentville") sorgt dafür, dass "Natürlich blond!" eine zwar harmlose, aber ziemlich spaßige Komödie wurde, der es zwar an Biss, nicht aber an Kurzweil mangelt und für interessierte Zuschauer sicherlich einen lohnenswerten Kinobesuch darstellen wird.
Kritik
Blonde Frauen als naive Dummerchen bekamen schon zuhauf in diversen Teeniekomödien ihr Fett weg, aber ein Blondinenwitz als kompletter Film ist uns bislang erspart geblieben. So mag man bevorurteilt in "Natürlich blond!" gehen, um dann doch eines Besseren belehrt zu werden. Immerhin scheint der reine Blondinenstoff reichlich dünn für eine Komödie, aber die (interessanterweise allesamt weiblichen) Drehbuchautoren füllen "Natürlich blond!" mit einer Menge gute Laune, viel Herz und natürlich einigem Witz. Letzterer ist vor allem deswegen größtenteils gelungen, weil er Liebe zum Detail aufweist und nicht zu sehr mit potenziell enttäuschenden Pointen pokert. So sind die witzigsten Stellen die, in der Elles Konsumwahn gepaart mit pinker Peinlichkeit nur peripher auffällt. Mein persönlicher Favorit ist in dem Fall ihr Auftreten mit rotem Notizblock in Herzform und pinkem Bleistift mit Plüschaufsatz in mitten von High-Tech Harvard-Studenten.

Aber auch sonst gibt es viel Amüsantes zu erleben, wenn auch keine Oberbrüller den Weg ins Drehbuch gefunden haben. Und was auch ein wichtiger Aspekt ist: im Gegensatz zu 70% der Konkurrenzkomödien schmerzt der Film nicht mit seiner totalen Vorhersehbarkeit. Das liegt nicht daran, daß er nicht vorhersehbar wäre, sondern viel mehr daran, dass Regisseur Luketic den Film einfach gut verpackt und mit Reese Witherspoon ein glückliches Händchen bewiesen hat. Sie ist es, die den Film trägt, und das nicht nur, weil ihre Rolle so groß ist, dass es keine Szene ohne sie gibt. Ironisches Lächeln, subtiles Unterspielen, plakatives Rumgackern, Witherspoon beherrscht das ganze Programm. Dazu einige sympathische (die Kosmetikerin, der UPS-Mitarbeiter) und immerhin nur teilweise klischeehaften Nebenfiguren (der Karrieretyp, der notgeile Professor, das eiskalte Biest) und der unterhaltsame Abend ist so gut wie komplett.

Insgesamt mag man sicherlich einwenden, dass "Natürlich blond!" für eine gelungene Satire bei weitem nicht genug Biss hat, dass er in den letzten fünf Minuten ärgerlicherweise nochmal die Pathetikkelle auspackt, mit den Schrifteinblendungen unlogischerweise auf eine Art Realismus pocht und dass der juristische Fall im letzten Drittel von größtmöglicher Banalität ist. Aber letzten Endes geht "Natürlich blond!" als liebevolles, naives Märchen durch und Elles erster Fall als angehende Anwältin muss sich genau auf diese Weise auflösen, um dem Comiccharakter der Figur und des Films gerecht zu werden. Außerdem bleibt uns die obligatorische Love-Story erspart, in der Elle erkennt, dass Anwalt Emmett Richmond doch der eigentlich nette Mann ist. In dem Fall war die Einblendung anstelle eines klassichen Happy-End Szenarios gut gewählt.

"Natürlich blond!" zählt also sicherlich nicht zu den Filmen, die jeder zweite am Ende des Jahres in seine Top5 aufnehmen wird, aber er ist solide, gute Unterhaltung und ein Streifen, der Zuschauer, die mit einem Besuch liebäugeln, bestimmt nicht enttäuschen wird.

Harmloses, unterhaltsames Barbiemärchen


Thomas Schlömer