James Bond - Der Morgen stirbt nie
(Tomorrow Never Dies)

England / USA, 119min
R:Roger Spottiswoode
D:Pierce Brosnan,
Jonathan Pryce,
Michelle Yeoh,
Teri Hatcher
L:IMDb
„How about the words "I'll be right back"”
Inhalt
Der machtbesessene Medienmogul Elliot Carver (Jonathan Pryce) braucht nur noch die Senderechte von China um sein weltweites Kommunikationsimperium zu vervollständigen. Zum erreichen seiner Ziele scheint ihm jedes Mittel Recht : per Stealthschiff läßt er einen chinesischen Düsenjäger abschießen und versenkt einen britischen Kreuzer, so daß jedes Land den Angriff des anderen als Kriegsprovokation interpretiert. James Bond bleiben 48h um das "Mißverständnis" aufzuklären und die Menschheit vor dem 3. Weltkrieg zu bewahren.
Kritik
Auch wenn die Story diesmal noch mehr an den Haaren herbeigezogen wirkt als bei "Goldeneye", kommt diesmal wieder klassische James Bond Atmosphäre auf. Hatte das James Bond - Produktionsteam mit "Goldeneye" nämlich schon bewiesen, daß sie den (realistischen) Filmhelden aus den 70er und 80er Jahre schlechthin in die moderne Popkultur der 90er Jahre retten konnten, so zeigt sich mit "Der Morgen stirbt nie" wie wunderbar sie es verstehen, den Technologiesprung und die fernsehkulturelle Weiterentwicklung mit einem älteren Actionhelden zu paaren und der Aktualität anzupassen. Extrem gut gestaltete Kulissen, moderntypische James Bond Technikspielereien (Handy), rasante Actioneinlagen (BMW) und eine (vor allem für deutsche Zuschauer) sehr gelungene Implementierung des Handlungsortes Hamburg, sorgen für ein hohes Maß an Unterhaltungswert. Dazu die typischen, auf keinen Fall aufgesetzt wirkenden, James Bond Sprüche, ein schlagkräftiges, weibliches, chinesisches Gegenstück (Michelle Yeoh, die endlich mal den Prügelstorys Jackie Chan's entgehen kann) zu Bond, ein masochistischer, wortkarger, dümmlicher "Beißer"ersatz in Gestalt des Deutschen Götz Otto und ein psychopathischer Obermotz namens Carver liefern glaubhafte, wenn auch klischeebehaftete, Charaktere. Überhaupt bietet der Film eigentlich alles, was das Herz des Bondfans begehrt : geniale Credits, ein brauchbarer Titelsong, kurze nicht sonderlich emotionstiefe Liebsaffären und ein "Geschüttelt, nicht gerührt". Darin liegt dann natürlicherweise auch das Problem des Films. Eine neutral-objektive Betrachtungsweise eines "Nicht-Bond-Insiders" würde wohl eher mau ausfallen. Für alle "Insider" (und für die ist der Film hauptsächlich gedacht) bietet dieser James Bond Teil auf jeden Fall genug ... wenn nicht sogar noch mehr davon.
Da störte mich die hölzerne Schauspielerei Teri Hatchers ebenso wenig, wie das vielgescholtene "Product Placement", welches wohl in diesem Film seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Alles in allem also ein sehr guter James Bond Film, der erklärten Feinden des Obermachos allerdings genausowenig zusagen wird, wie alle vorherigen Abenteuer.

Guter Actionfilm in perfekter James Bond Manier


Thomas Schlömer