Dead or Alive

Deutschland / Großbritannien, 86min
R:Corey Yuen
B:J.F. Lawton, Adam Gross, Seth Gross
D:Jaime Pressly,
Holly Valance,
Devon Aoki,
Sarah Carter,
Derek Boyer
L:IMDb
„Look at this. They've been monitoring everything we do.”
Inhalt
Tina (Jaime Pressly), Christie (Holly Valance), Prinzessin Kasumi (Devon Aoki) und Helena (Sarah Carter) gehören zur Elite der asiatischen Kampfsportkunst. Dabei überzeugen sie ihre vornehmlich männlichen Kollegen nicht nur mit ihrer sexy Erscheinung, sondern vor allem mit ihrer extremen Durchschlagkraft. Eines Tages erhalten alle vier auf geheimnisvolle Weise eine Einladung zum Dead or Alive-Turnier, das mit einem Preisgeld von 10 Mio. US Dollar winkt. Doch das Geld allein ist für einige der Ladies nicht der einzige Grund sich dem härtesten Kampfkunstturnier der Welt zu stellen. Es geht um die Ehre und die Suche nach Antworten auf noch offene Fragen.
Kurzkommentar
Produzent Bernd Eichinger ist sich seiner Sache sicher: Wie schon die Verkaufsbombe „Resident Evil“ läuft auch die Beat `em up – Serie „Dead or Alive“ sehr erfolgreich auf verschiedenen Videospielkonsolen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man sich entschloss, die fleischeslustigen Prügelhäschen, routiniert inszeniert von Corey Yuen („The Transporter“), hirnarm auf die Leinwand zu schaffen.
Kritik
Wie soll man eine Besprechung zu „Dead or Alive“ am besten beginnen? Vielleicht in etwa so: Stellt Euch vor, ein FHM-Fotoshooting gerät außer Kontrolle und alle wollen sich plötzlich verdreschen. Ja, genau so ist die 21 Millionen Dollar Videospieladaption, hinter der der gewitzte „Mortal Combat“ – Clown Paul WS Anderson als Produzent steckt, zu deuten. Strukturell bewegt sich der Film, welcher in zwei Monaten in Thailand und China gedreht wurde, so eng in den Grenzen der Vorlage, dass die Siege beziehungsweise Niederlange der einzelnen Kombattanten in bestem Power Point Charme über die Leinwand laufen. Auch die Filmmusik folgt diesem Muster – schließt man die Augen, ist es ein Leichtes, sich ein Spiel vorzustellen. Kameraarbeit und Schnitt geben sich größte Mühe, im allgemeinen Wirrwarr und Effektgewitter der Marke CGI de 1995 und Wire-Fu zu verbergen, dass der Zuseher es eben in erster Linie mit Models und Popsternchen zu tun hat und nicht mit ausgebildeten Kampfsportathleten.

Aber dies benötigt dieser Film keineswegs, um zu funktionieren – viel lieber weidet man sich an „humorvollen“ Bemerkungen über gleichgeschlechtliche Liebe und ist bemühter als drei Softcore-Produktionen gleichzeitig, immer die Balance zu halten zwischen „to tease“ und ganz fies. Allzu lustig wird es, wenn der verrückte „Buschneger“ Zack im Bild ist – das so gezeichnete ewig potente Partytier muss wieder einmal für sexualisierte Kalauer und markige Sprüche am Fließband sorgen. Noch (Rasse-)fragen? Dass die Schauspielkunst in „Dead or Alive“ nicht die Rosenblüte in einer Hecke der Talentlosigkeit ist, hat man schnell verstanden. Doch dies ist nicht weiter schlimm, man gibt den Figuren klugerweise nicht genug Zeit, sich in Situationen zu verstricken (Gott bewahre!), die zu plausiblen Spiele nötigten. Die Tagline „Wanna play?“ sollte man also lieber auf das eigentliche Spiel beziehen. Und die Film-Website ist auch irgendwie dörfisch.

Die Presse hat „Dead or Alive“ übel mitgespielt. The Guardian stellt in etwa fest: „The über-villain is played, very tragically indeed, by poor Eric Roberts, brother of Julia, and he walks and talks as if his head has been used for kickboxing practice.” Nüchtern ergänzt BBC: “Crouching Tiger, Hidden Bikini Line: best-selling button-basher Dead Or Alive gets a masturbatory makeover for Generation Xbox.” Und Infilm Australia bilanziert: “It’s highly sexualised, but in a way very tame, kinda like the whole production was put together by a sweaty, hormonal pre-pubescent who likes boobs in theory, but really doesn’t want to offend his mother.”

Holly Valance als Meisterdiebin Christie sieht schärfer aus als Kylie Minogue in ihrer Rolle als Cammy in „Street Fighter“. Pause. WIE? Darum geht es gar nicht? Staunen, ungläubiges. Kopfschütteln.


Rudolf Inderst