End of Days - Nacht ohne Morgen
(End of Days)

USA, 121min
R:Peter Hyams
B:Andrew W. Marlowe
D:Arnold Schwarzenegger,
Gabriel Byrne,
Robin Tunney,
Kevin Pollack
L:IMDb
„Das Fazit der Bibel? - Scheisse passiert!”
Inhalt
New York Ende Dezember 1999. Nicht nur das Jahrtausend, sondern auch das Leben des desolaten Jericho Cane (Arnold Schwarzenegger), Angestellter bei einer Security-Firma, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Seit seine kleine Tochter und Frau in seiner Abwesenheit zu Hause von Gangstern ermordert wurden, ist er ein gebrochener, dem Trinken verfallender Mann. Im Trubel des Jahrtausendwechsels wird nun Satan persönlich zu Fleisch (Gabriel Byrne) und gedenkt mit der von Geburt an dafür vorgesehenen Christine York (Robin Tunney) ein Kind zu zeugen. Dadurch wäre pünktlich zum Millennium der Weltuntergang besiegelt. Doch hat der Antichrist die Rechnung natürlich ohne Cane gemacht.
Kurzkommentar
Schwarzeneggers Leinwandrückkehr im Gewand eines vordergründigen Mystizismus ist leider nicht der ganz große Wurf, denn die Actionsequenzen sind eher hausbackene Kost und weniger cool als in der 'Matrix'. Wer an 'End of Days' die Erwartung einer neuen Actionfilm-Dimension stellt, wird enttäuscht Doch werden die im Detail liegenden Mängel durch kunstvoll düstere Optik, okkulte Atmosphäre und Schwarzeneggers bemühten (Körper)einsatz vergessen gemacht. Solange man das apokalyptische Szenario nicht allzu ernst nimmt und über Arnolds peinliche Dramatikversuche hinwegsieht, ist eine brisante Endzeitschlacht zwischen Gut und Böse garantiert.
Kritik
Die Kultfigur Arnold Schwarzenegger, in der Vergangenheit durch Brachialstreifen wie 'Predator' oder dem wegweisenden 'Terminator 2' DAS Synonym für kompromisslose Actionhighlights, steckt in einer Krise. Nicht nur die Wechseljahre, sondern auch seine letzten Filme liegen ihm schwer im Magen. Nachdem er bei dem Versuch, sich mit dem peinlichen 'Erazor' als Actionikone zu rehabilitieren, scheiterte, verabschiedete er sich 1997 nach einer noch blamableren Rolle im letzten 'Batman'-Film vorerst von der Leinwand.

Nach einer Orientierungsphase meldet er sich nun rechtzeitig zur Hysterie des Jahrtausendwechsel mit ambitionierter Endzeitaction zurück. Diese verlor erst wegen verschiedener Differenzen ihren deutschen Regisseur, einen ehemaligen Werbefilmer, und wurde Peter Hyams ('Das Relikt', 'Timecop', '2010') überantwortet.

Die Drehbuchidee, die von Apokalyptikern oft bemühte Zahlensymbolik der 666 aufzugreifen, die Zahlen auf den Kopf zu stellen, eine Eins davorzusetzen und das Ganze als Einladung für Satans persönliche Millenniumsparty zu verkaufen, spielt den Weltuntergangspropheten augenzwinkernd in die Hände. Die konkrete Bibelexegese steht indessen mit nur einem Zitat aus der Johannes-Offenbarung auf wakeligem Fundament und verdeutlicht, dass die Theologie hier nur als Effekt der Weltuntergangsfiktion dienlich ist. Die erscheint ohnehin in einem eher abgeschmackten als originellem Licht, da Hollywood in letzter Zeit unter einem fast schon penetranten Hang zur plakativen Spritualität und Mystik leidet. Ob Horror oder okkulter Thriller - stets muss es angesichts des stilisierten Jahrtausendwechsels im Spiel mit der Irrationalität des Menschen irgendwo übernatürlich zugehen.

Schon der Titel verdeutlicht, dass sich 'End of Days' als besonders dick auftragender Vertreter dieses Trends versteht. Macht sich das wenig originelle Apokalytik- und Mystikbrimborium also nur die aktuelle 'Millenniumsneurose' effektvoll zunutze, so kann das Resultat Schwarzengger als souveränsten 'Ärschetreter' wiederherstellen. Denn wer, außer der österreichische Superterminator, würde sich als fähig erweisen, dem leibgewordenen Beelzebub so richtig die Hölle heiss zu machen? Das geschieht dann auch in wirklich großem Stil, der jedoch erst in einem fulminanten Showdown vollends zum Ausbruch kommt.

Vorher entpuppt sich die Inszenierung als doppelseitiges Blatt. Da Schwarzenegger-Filme immer dann bodenlos wurden, sobald er in unfreiwilliger Komik zu sprechen begann (die Amerikaner feiern sein österreichisches Englisch als regelrechten Fetisch), tat der Regisseur bisher gut daran, Arnold besser mit Waffen argumentieren zu lassen. Doch jetzt, wo der Terminator bald das Rentenalter erreicht, gehört mehr 'Reife', mehr menschlicher Schmerz ins Drehbuch. So schlüpft Arnold in die Hülle von Jericho Cane, dem klischeehaft gebrochenen, an der Flasche hängenden Witwer, der sich am liebsten eine Kugel durch den Kopf jagen möchte - ein äußerst strapaziertes Leidensbild.

Immerhin schafft es Arnold tatsächlich, seiner grobschlächtigen Herzeleidfigur einen Hauch von Verletzlichkeit zu verleihen. Und - oh Wunder - auch seine Dialogparts meistert er überwiegend glaubwürdig, doch liegt hier gleichsam ein Knackpunkt verborgen. Da Gabriel Byrne als Charakterdarsteller für die Rolle des Mephistopheles sicher nur unter der Bedingung eines halbwegs intelligenten Drehbuchs zu gewinnen war, wird für einen Film, der auf eine SEHR spezifische Erwartungshaltung trifft, verdächtig viel gesprochen. Im Ergebnis wird der Geschehensfortgang durch die verzichtbaren Dialoge streckenweise ein wenig gehemmt, durch des Satans sadistische Spielchen aber bald wieder aufgelockert.

Tatsächlich SOLL es ein paar Mal so anmuten, als ob Jericho in Tränen über Verlust von Frau und Tochter zerrinnt, jedoch sorgt gerade das für unbeabsichtigt ironische Momente: Schwarzenegger affektiert leidensverzerrtes Gesicht, absolut tränenfrei, ähnelt mehr einer lachenden Grimasse. Und trotzdem seine Rolle genügend Sätze zu sagen hat, macht sich Gabriel Byrne als Höllenfürst nur andeutungsweise diabolisch. Viel mehr als selbstgefälliges, sinistres Grinsen ist nicht drin, richtig schrecklich wirkt er nie, mitunter sogar gelangweilt blass. Etliche der mystischen Szenen haben zudem einen anstößig sektiererischen Charakter, verbreiten aber eine sehr dichte Atmosphäre, die Regisseur Hyams in ein gekonnt dekadentes Großstadtszenario verpackt. Düstere, unheilvolle Bilder und pseudosakrale Musik sind der Stimmung extrem dienlich und verdichten sich z.B. in Jerichos Kreuzigungsszene zum Äußersten.

Die Spannungskurve entwickelt sich gut, hätte jedoch noch dramatischer sein können. Spätestens der explosive Showdown, in der endlich auch Gottes Kraft, die vorher konsequent ins Lächerliche gezogen wird, zum Kampfmittel avanchiert, entschädigt für schwächere Momente. Das Actionkino erreicht bis dahin zwar nicht die Innovation der 'Matrix', aber Krachen tut´s bei Schwarzenegger auch im Märtyrergewand noch immer am Besten. So sollte man sich zurücklehnen und einen großformatig entfesselten, magischen Höllensturm genießen, der Arnold trotz aller Kritik wieder in den Actionolymp hebt.


Stilgerecht stürmische Endzeitschlacht mit kleineren Mängeln


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Was habe ich mich wieder auf einen Schwarzenegger Film gefreut - trotzdem mir der in seinen letzten Filmen übertriebene Bizepszirkus noch schwer im Magen lag. Zum Glück ist seine Rolle in "End of Days" genau ein Schritt in die richtige Richtung (meines Geschmacks). Er und Gabriel Byrne liefern sich vor gekonnt stilvoller Kulisse einen kurzweiligen ...