XXX - Triple X
(XXX)

USA, 124min
R:Rob Cohen
B:Rich Wilkes
D:Vin Diesel,
Asia Argento,
Martin Csokas,
Samuel Jackson
L:IMDb
„If you sent someone out to save the world, make sure he likes it the way it is.”
Inhalt
Der Extrem-Sport-Fan Xander Cage (Vin Diesel) wird von der NSA rekrutiert, um einen Auftrag in Osteuropa auszuführen. Dort treiben böse Exkommunisten ihr Unwesen mit biologischen Kampfstoffen. Und auch das weibliche Element (Asia Argento) spielt eine Rolle.
Kurzkommentar
Stilistisch wie inhaltlich disqualifiziert sich "XXX" als unentschlossene Mischung aus dreister Kopie und flacher Parodie von James Bond, so das Mangels darstellerischer Schauwerte nur noch die reine Action bleibt - davon gibt's dann wenigstens auch reichlich.
Kritik
Die nächste Generation von Geheimagenten verspricht die Tagline, und teilweise gelingt es Vin Diesel, vor allem Dank seines proletig-bulligen Aussehens, dieses Versprechen einzulösen. Die Einführungssequenz macht uns auch gleich klar, dass es mit britischem Stil und gepflegter Agenteneleganz aus und vorbei ist. Offensichtlich schielen die Macher hier auf eine Zuschauergeneration, von der sie annehmen, dass ihnen James Bond zu verstaubt ist. Alles was den Werbestrategen zum Thema "Fun-Generation" einfiel wurde in die Figur Xander Cage gepackt. Weil "XXX" aber ein Film aus dem Land ist, in dem die F- und S-Wörter in Zeitschriften immer noch getilgt werden und die nationale Anti-Raucher-Gesellschaft bemängelt, dass in Kinofilmen nicht mehr nur die Bösewichte rauchen (und damit auch noch Aufmerksamkeit findet), ist auch Xander Cage nur so ein bisschen ruppig. Zwar klaut er Autos fremder Leute und verwandelt sie in seinen Action-Einlagen zu Schrott, aber es sind ja nur die Autos böser Menschen. Als ihn der zynische NSA-Agent auf eine Geheimdienstmission schickt, ist er nicht zufrieden bevor nicht alle Bösen vernichtet und alle Guten gerettet sind - obwohl er seinen Part der Vereinbarung bereits erfüllt hat. Und zum Schluß bekommen wir die Botschaft, dass Rauchen ganz furchtbar böse ist, mehr als unmißverständlich eingehämmert. Unter dieser erzwungenen political correctness des ach so rauhen, unangepassten Xander Cage leidet denn auch die Figur. Ein richtiger Unsympath als Hauptfigur, ein jenseits der Moral und der Gesetze stehender Agent, wie er in "Password: Swordfish" angedeutet wurde, das wäre mal was Neues gewesen. So bleibt Xander Cage nur ein James Bond in anderer Verpackung. Bis auf den äußeren Look und die Umgangsformen gibt es keine nennenswerten Unterschiede.

Was besonders schmerzhaft ist angesichts der Tatsache, dass 90% des gesamten Films aus James-Bond-Filmen zusammengeklaut ist. Und darunter nicht nur so allgemeine Elemente wie anarchische Bösewichte, die die Welt zerstören wollen, und eiskalte Frauen, die im weiteren Verlauf im Kontakt zum Helden merklich auftauen, nein, auch Details wie etwa das Durch-die-Kleidung-Guck-Equipment wurde eiskalt kopiert. Plus vieles andere mehr, auch in Bereichen wie Charaktere, Storyführung und Inszenierung. Wenigstens die Fotografie unterscheidet sich, ist schneller und nach Art eines Video-Clip - was sich Regisseur und Marketingleute eben unter neu, jung und modern vorstellen. Stellenweise scheinen parodistische Elemente durch, etwa als der Q-Verschnitt Xander sein Auto präsentiert. Doch da sich der Film nicht eindeutig für das Genre Parodie entscheiden kann, müssen die zahlreichen geklauten Ideen auf der Negativ-Seite vermerkt werden.

Bleibt die Action - denn eine ernsthafte Story hatte niemand erwartet, oder? Nun, die ist ansehnlich (wenn auch vollkommen unglaubwürdig). Stellenweise erinnern die krachigen Explosionen und überdimensionierten Destruktionsorgien an Schwarzenegger in besseren Zeiten. Meiner Meinung nach ein Bonus: Das meiste sieht zudem handgemacht aus, was mir persönlich besser gefällt als der offensichtlich computer-optimierte Stil (wie etwa in "Matrix" oder "Romeo must die"). Wer es also gerne krachig mag und seinen Spaß an völlig übertriebenen Szenen a la James Bond hat, wird auf seine Kosten kommen. Nur die Tatsache, dass Regisseur Cohen eine unübersehbare Vorliebe für Wiederholungen in SlowMotion hat, trübt den Spass - 10 mal der gleiche, wenig spektakuläre Sprung über einen Zaun aus 7 Perspektiven ist eindeutig zuviel des Guten.

Man kann seinen Spaß mit "XXX" haben, wenn man es vermeidet, ständig an James Bond zu denken und nicht mehr als bloße Action erwartet - wer das nicht tut, dem wird "XXX" schnell auf die Nerven gehen.

Platte 007-Kopie ohne eigenen Charakter, aber mit reichlich Action


Wolfgang Huang