Fast and the Furious: Tokyo Drift, The

USA, 104min
R:Justin Lin
B:Chris Morgan
D:Lucas Black,
Bow Wow,
Brian Tee,
Sung Kang,
Jason Tobin
L:IMDb
„Police cars here are only factory tuned. Can do better than 180K they can't catch you, so they don't even try.”
Inhalt
Shaun Boswell (Lucas Black) war schon immer ein Außenseiter. Seine Leidenschaft: getunte PS-Boliden durch die Stadt zu jagen. Sein Problem: die Polizei. Seine Lösung: das Rennparadies Tokyo. Hier sind die ultimativen „Drift-Racing-Wettbewerbe" angesagt. Und das heißt Pedal to the Metal - Vollgas bis zur Schmerzgrenze, auf Kursen, die so eng sind, dass sie selbst Fahrradfahrern Schweißperlen auf die Stirn treiben. Achterbahngleich wird hier das Limit an jeder Kurve neu definiert. Bei diesem Spiel mit dem Tod stellt sich für Shaun nur eine Frage: Wird er es überleben?
Kurzkommentar
Justin Lin haut in 104 Minuten hoffentlich den letzten Sargnagel in das „The Fast and The Furious“-Universum. Und es ist nicht schade darum, denn wenn es nicht mehr zu erzählen gibt als fade Tankstellenromantik des VW-Clubs mit Salamistangenkonzentratswurstersatz und Bier, dann sollte auch Schluss sein.
Kritik
„The Fast and the Furious“ und „Saving Private Ryan“ haben mehr miteinander zu tun als man denkt. Sie übten beide enormen Einfluss auf die Videospielindustrie aus. Kein First Person Shooter kam mehr ohne verlustreiche D-Day Landung aus („Medal of Honor“, „Call of Duty“) und die Straßenrennspiele boomten ebenso enorm, allen voran: „Need for Speed“. Doch diese Welle scheint nun abgesurft – und man hätte Justin Lin ruhigen Gewissens die Worte Ms aus dem ersten Bond mit Brosnan um die Ohren werfen können: „Sie sind ein Dinosaurier.“ Fast möchte man meinen, dies sei auch erkannt worden, denn mit erstaunlich wenig Marketing-Anstrengungen kommt der dritte Teil des Franchises in die Kinos.

Die Filmserie ist nun endlich dort angekommen, wo sie eigentlich schon immer hingehörte. Die Wagen sind Spielzeuge in den Händen von Kindern: keine Spur mehr von Gangstern und Cops – diesen Job macht in diesem Sommer sowieso Michael Mann. Was bleibt also? „Wer hat den größeren Piepmatz“-Kino. Ganz schamlose Menschen schrieben, sie sähen James Dean in dem tragischen Aufbegehren von Tokyo Drift Darsteller Lukas Black. Das macht mir Angst. Dieser Film ist von „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ soweit entfernt wie „Raging Bull“ von „American Fighter IV“. Nicht nur verhalten sich Frauen in „Tokyo Drift“ wie Waren; es ist viel mehr der Amerikaner, der in Tokyo einschlägt wie eine Brandbombe.

Wie ein minderwertiges Abziehbildchen von Douglas MacArthur rangiert er als weißer Shogun in Nippon umher und wird dabei von der Kamera liebevoll zum stylishen Racegott stilisiert. Könnte man in den anderen beiden Teilen noch davon sprechen, dass die eigentlichen Hauptdarsteller die getunten Autos und deren Ausflüge aufs Land waren, so fallen diesmal die Rennen nicht sonderlich spektakulär aus. Sie mögen es auf dem Papier zweifellos gewesen sein, doch der Schnitt reißt dem Tiger die Zähne. Selbst Über-ADS-Opfer können dieser Schnittfolge nicht mehr folgen. Und so bleibt recht wenig übrig, was länger als von 0 auf 100 in 3,8 Sekunden erinnert werden könnte.

Geist- und seelenloses Halbstarkenkino mit denkbar geringem Haltbarkeitswert


Rudolf Inderst