Haus am See, Das
(Lake House, The)

USA, 98min
R:Alejandro Agresti
B:David Auburn, Eun-Jeong Kim, Ji-na Yeo
D:Keanu Reeves,
Sandra Bullock,
Dylan Walsh,
Shohreh Aghdashloo,
Christopher Plummer
L:IMDb
„She's more real to me than anything I've ever known.”
Inhalt
Als der frustrierte Architekt Alex Wyler (Keanu Reeves) in ein wunderschönes Haus an einem See einzieht, findet er dort Briefe der vorigen Bewohnerin Kate Forster (Sandra Bullock) vor. Als er auf die Briefe antwortet, entwickelt sich zwischen Kate und ihm eine intensive Brieffreundschaft. In deren Rahmen erkennen die Beiden, dass sie zwei Jahre voneinander getrennt leben und versuchen fortan diesem Mysterium auf den Grund zu gehen.
Kurzkommentar
Basierend auf dem hoch gelobten südkoreanischen „Il Mare“ („Siworae“) von Hyun-seung Lee aus dem Jahr 2000 inszeniert der argentinische Regisseur Alejandro Agresti („Valentine“) eine leichtfüßige Herbstromanze, die aufgrund ihrer gediegenen Beschwingtheit, den schön abfotografierten Schauplätzen und dem leichten Mysterie-Einschlag zu gefallen weiß.
Kritik
Annie: You're not going to get mushy on me, are you?
Jack: Maybe. I might.
Annie: I hope not, 'cause you know, relationships that start under intense circumstances, they never last.
Jack: Oh yeah?
Annie: Yeah, I've done extensive study on this.

Ja, die jungen Wilden! Eben noch kämpften die beiden Heißsporne Bullock und Reeves in „Speed“ um ihr Leben und schon schielen beide Richtung nächtliche Leibesübungen. Zum Glück haben sich die beiden in „The Lake House“, der komplett an Schauplätzen in Illinois entstand, ein wenig die Hörner abgestoßen, so dass es der Zuseher mit einer ruhigeren Gangart zu tun bekommt. Die beiden Filmcharaktere – übrigens war für den 40 Millionen Dollar Film eigentlich John Cusack in der Hauptrolle vorgesehen, welcher allerdings verzichtete – führen ein Leben wie Sinuskurven in Sachen Gemüt und Stimmung und scheinen somit vollkommen füreinander geschaffen. Wir erleben eine liebevolle Dekonstruktion von Raum und Zeit und dennoch bleibt der Regisseur den Konventionen der Filmromantik treu: Rückschläge sind in Wirklichkeit nur noch größere Schritte nach vorne – immer schneller gerät die Utopie der einen und ewigen Liebe in Greifnähe; das ist es nur konsequent und wünschenswert, dass an dieser klimatischen Stelle der tief greifenden Emotionen der Film endet – schließlich will niemand die beiden attraktiven Menschen im tristen Alltag der Ehe erleben, denn wie dieser im Falle einer hart arbeitenden Krankenhausärztin und eines erfolgreichen Architekten aussehen würde, ist leicht zu erraten.

Nein, vielmehr soll man schwelgen. Schwelgen im Farbenrausch des Kameramannes Alar Kivilo, der bezeichnender- und witzigerweise an „The Glass House“ mitarbeitete und auch den großartigen „A Simple Plan“ ins rechte Licht zu setzen wusste. Der in zweieinhalb Monaten abgedrehte Liebesfilm lebt von dem für Hollywoodmassenware ambitionierten Spiel der beiden Hauptdarsteller, die nicht nur mit dem jeweils anderen Charakter und der unsichtbaren und scheinbar unüberbrückbaren Barriere interagieren müssen, sondern auch familiär einige Fragen und Probleme zu bewältigen haben. Zahlreiche humorvolle Momente lockern die Grundmelancholie des Films auf: Die Autoren spielen gelungen mit dem Zeitparadoxon, so in etwa, wenn Alex in der Vergangenheit einen Baum pflanzt, und dieser just neben Kate ruckartig empor sprießt. Insgesamt bügelt Agresti in seinem Hollywood-Debüt den koreanischen Stoff zwar etwas glatter und kitschiger als nötig, aber das geneigte Publikum wird das wohl kaum stören.

„The Lake House“ liefert romantisches, allerdings wenig nachhaltiges Unterhaltungskino, das in seinen besten Momenten das Gemüt zweifelsohne zu rühren vermag.


Rudolf Inderst