Omen, Das
(Omen, The)

USA, 110min
R:John Moore
B:David Seltzer
D:Liev Schreiber,
Julia Stiles,
Mia Farrow,
David Thewlis,
Pete Postlethwaite
L:IMDb
„Look at me, Damien! It's all for you!”
Inhalt
Viele Menschen glauben, dass die Prophezeiungen aus der Offenbarung Hinweise auf eine schreckliche Zukunft darstellen ... oder dass es sich um historische Fragmente handelt, die in unserer Zeit zum Leben erwacht sind. Die Gläubigen behaupten, dass die Zeichen überall zu sehen sind: Terrorangriffe, Wetterkatastrophen... die Liste lässt sich fortführen. Die Prophezeiung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Ankunft des Antichristen, der die mystische Zahl „666“ trägt: die Zahl des Tiers. Der Antichrist wird von Satan mit großer Macht ausgestattet werden, um dessen Königreich auf Erden zu errichten. Dies wird der Beginn der Apokalypse sein. Robert Thorn weiß nichts von solch dunklen Prophezeiungen. Thorn, ein hochrangiger amerikanischer Diplomat, hat andere Sorgen. Seine Frau Kathryn hat gerade eine schwere Geburt hinter sich gebracht und ahnt noch nicht, dass ihr Kind bei der Geburt gestorben ist. Obwohl der Verlust ihn selbst erschüttert, macht sich Robert Thorn größere Sorgen um Kathyrn, die diese Nachricht, nach zwei Fehlgeburten, die sie bereits erleiden musste, nur schwer verkraften wird...
Kurzkommentar
Des Satans jüngster Sohn: Jenseits von ausbeuterischer Grabschändung und Leichenfledderei legt John Moore einen der klangvolleren Namen des Horrogenres neu auf und inszeniert eine gefällige Hommage, der es weder an Atmosphäre noch an formalem Profil mangelt. Angesichts der ausführlichen Überraschungsarmut steckt einem dennoch vor allem der fahle Nachgeschmack der Viertauswertung ein- und desselben Films im Hals.
Kritik
Wenn in der Exposition unter anderem Bilder der Tsunami-Katastrophe in Südostasien und Aufnahmen vom Einsturz des World Trade Centers im Rahmen eines vatikanischen Weltuntergangsseminars zu einer ominösen Kollage verwoben werden, bläut Regisseur John Moore dem Publikum sein Hauptanliegen ein: Eine zeitgemäße Umsetzung, die den Anspruch erhebt, die Thematik des Films sei so aktuell wie nie. Wir müssten uns, so Moore, gerade in unruhigen Zeiten wie diesen vergegenwärtigen, dass „das Böse ein menschliches Gesicht trägt.“ Dementsprechend deutet er Katastrophen menschlichen (aber auch natürlichen) Ursprungs als Vorboten der Apokalypse. Das mag manchem plump und plakativ erscheinen, allerdings ist schwer zu leugnen, dass Moore die gegenwärtig omnipräsente Angst vor dem (vermeintlich?) Sinnlosen damit ähnlich effektiv einfängt wie James Wong in "Final Destination 3".

Zu diesen untrüglichen Zeichen des Weltuntergangs zählt im übrigen auch die Gründung der Europäischen Union; ein für hiesige Ohren eher abstruses Detail, welches bereits im Original – damals noch als Gründung der EG – zu finden war. Abgesehen davon, dass das europäische Publikum bei „When the Holy Roman Empire rises“ (so der Wortlaut der englischen Fassung) ironischerweise ebenso gut an das Amerika des George W. Bush denken mag – im Kielwasser des derzeitigen Deutungswahns um einen gewissen "DaVinci Code" kommt diese Schlussfolgerung vergleichsweise unprätentiös daher.

Den Originalstoff vom Staub der Jahrzehnte befreien und die ihm eigene aktuelle Relevanz zu betonen, darin liegt also die Motivation dieses Remakes. Technische Innovationen, die eine bessere Umsetzung ermöglichen, fallen als Entstehungsgrund mangels Effektschwäche des Originals aus – die Szene um den „Fensterglasunfall“ erlangte notorische Beliebtheit. Über dieser vordergründig postulierten Existenzberechtigung schwebt natürlich auch die allgemeingültige Logik des Kalküls: Was einmal funktionierte, wird wieder funktionieren. Wenn dann auch noch der Kalender derart mit dem sprichwörtlichen – schmiedeeisernen – Zaunpfahl winkt, wie es sich eine jede Marketingabteilung erträumt, könnte man sich gleich jegliche Rechtfertigung sparen und von Bestimmung orakeln. Das neckische Spiel mit der Zahlensymbolik war, nebenbei bemerkt, bereits Teil der Originalkampagne, allerdings ungleich dezenter, auf Vorabscreenings reduziert.

Inhaltlich wie strukturell sind höchstens marginale Änderungen erkennbar; fast könnte man meinen, David Seltzer, der auch für das Originaldrehbuch verantwortlich zeichnet, hätte ebenjenes einfach noch einmal eingereicht. Folgerichtig tritt Moores Handschrift nur auf formaler Ebene zutage, hier allerdings angenehm eindrücklich. Weiß, schwarz und leuchtendes Rot sind die bestimmenden Tönungen – ein Spiel mit der Farbsymbolik, das Moore konsequent durchhält. Das erzeugt schöne, deutungsschwangere Bilder, die ebenso gekonnt fotografiert sind. In den sterilen Albtraumsequenzen, deren Fratzen recht vertraut erscheinen, kommen sie am besten zur Geltung. Als zusätzlicher Clou erweist sich die Besetzung Mia Farrows als manisch-gluckenhafte Mrs Baylock. Sie verkörpert die Nanny im Sinne einer fanatisierten „Mary Poppins“, und, so könnte man sich spielerisch denken, im Umgang mit Damien quasi als kontinuierliche Fortsetzung ihrer Paraderolle aus "Rosemarys Baby" – von der terrorisierten Mutter zur überzeugten Jüngerin eines Satanskultes.

Damiens Eltern sind anno 2006 deutlich jünger, so verstärkt sich der Eindruck ihres schnellen materiellen Aufstiegs. Aus ihrer eher materialistischen Wertorientierung und relativen Verweltlichung erwächst jedoch kaum etwas, was man einen Glaubenskonflikt nennen könnte: Liev Schreiber gibt einen betont rationalen, kontrollierten Robert Thorn, der – ganz Diplomat – Schicksalsschläge erst zuletzt persönlich nimmt. Wenn er zum Vaterunser ansetzt, scheint er eher pragmatisch motiviert, denn von überzeugter religiöser Inbrunst ergriffen. Seine Frau Katherine (Julia Stiles) reagiert nach anfänglichem Unverständnis vor allem mit instinktivem Argwohn auf die seltsamen Eigenarten des Sprößlings, bis sie sich emotional völlig von ihm loslöst. Verständlich wie es sein mag, sich vom Antichristen in spe zu distanzieren, verliert sie zusehens Sympathiepunkte, weil sie der schreckschraubigen Haushälterin allzu kampflos die Mutterrolle überlässt. Damien (Seamus Davey-Fitzpatrick) selbst übt sich – auch beim Videospielen, das hiermit endgültig verteufelt sein dürfte – in stoischer Zurückhaltung, die zuweilen autistische Züge annimmt. Während er fast durchweg dreinblickt, als hätte man ihm das versprochene Eis vorenthalten, deuten vor allem die schwarzen Haare auf seine diabolische Abstammung hin. Pete Postlethwaite und Michael Gambon als warnender Priester respektive exzentrischer Archäologe werden vom Drehbuch zu mitunter lachhafter Hysterie genötigt; immerhin darf David Thewlis als Fotograf Jennings mit gesundem Pragmatismus das Trio der bewährten Charaktermimen vervollständigen.

"Das Omen" erschien ursprünglich im Jahr 1976 im Zuge des Erfolges okkulter Thriller wie "Der Exorzist" und "Rosemarys Baby", sozusagen als Summe der Motive dieser mittlerweile zu Klassikern des amerikanischen Horrorkinos avancierten Filme. Im selben Jahr erschien mit „King Kong“ eines der ersten Remakes des Genres. Dreißig Jahre später schließt sich der Kreis mit John Moores Neuauflage, und während Kinogänger aller Orten unter der Last der jüngeren Wiederaufbereitungsschwemme zu ächzen beginnen, vergisst man allzu leicht, dass nicht nur eine Neuauflage im Kern alles andere als neu ist, sondern auch und vor allem das Konzept selbst. Gerade im Umfeld des Horrorfilms sind Remakes von jeher ein bewährtes Mittel, das nicht nur für einträgliche, sondern auch für einige der eindrücklichsten Genrevertreter sorgte: „Die Körperfresser kommen“ (1978), "Das Ding aus einer anderen Welt" (1982) und "Die Fliege" (1986) seien hier als Beispiele genannt. Dass diese drei mittlerweile ebenso regelmäßig auf Bestenlisten zu finden sind, liegt nicht zuletzt daran, dass die jeweiligen Originale kaum einen bleibenden Eindruck im Publikumsgedächtnis hinterließen.

„Das Omen“ war zwar kein Kritikerliebling – diese Ehre wird Horrorfilmen traditionell ohnehin eher selten zuteil – der Publikumserfolg war jedoch beachtlich und der Film begründete eine Horrorfranchise mit drei Nachfolgern. Einen Ruf zu verlieren gibt es demnach sehr wohl, wenngleich nicht im selben Maße wie beispielsweise bei Gus van Sants „Psycho“, dessen Klon von Hitchcocks Klassiker von vorneherein in Ungnade fiel. In dieser Hinsicht gewinnt Moores Version sicher keinen Blumentopf, Kenner des Originals werden vergeblich nach einer rechtfertigenden Neuerung suchen. Für unbedarfte Zuseher hingegen wird auch dieses Remake bestens funktionieren. Somit bleibt die Erschließung eines neuen Publikums für altbekannte Stoffe weiterhin der Hauptzweck der Übung, die Rede von künstlerischer Neuinterpretation heiße Luft. Nach einigen Enttäuschungen der letzten Zeit reiht sich „The Omen“ dankenswerterweise nicht als weiteres Negativbeispiel in den Reigen ein, der sich, so wir die Zeichen richtig deuten, noch einige Zeit fortsetzen wird. Noch für dieses Jahr angekündigt sind Neuverfilmungen von George A. Romeros „Day of the Dead“, David Cronenbergs „Die Fliege“ sowie Sam Raimis "Tanz der Teufel".

Atmosphärisch dichtes Remake von erfrischend altmodischer Geradlinigkeit – gelungen, und doch im Grunde völlig unnötig.


Reinhard Prosch