Unbekannter Anrufer
(When a Stranger Calls)

USA, 87min
R:Simon West
B:Jake Wade Wall, Steve Feke, Fred Walton
D:Camilla Belle,
Tommy Flanagan,
Katie Cassidy,
Tessa Thompson,
Brian Geraghty
L:IMDb
„I am bitch. I know it. You know it. Everybody knows it.”
Inhalt
Es hätte ein ruhiger Job werden können. Gerade hat es sich die High School Schülerin Jill (Camilla Belle) als Babysitterin in dem opulent designten Haus eines Arzt-Ehepaares gemütlich gemacht. Die Kinder schlafen schon und Jill ist als Babysitterin routiniert. Doch schon nach kurzer Zeit klingelt immer wieder das Telefon. Schließlich wird Jill klar, dass ein Psychopath nicht nur Telefon-Terror verbreiten, sondern seinen Blutdurst stillen will. Jill und den Kindern steht eine schreckliche Nacht bevor.
Kurzkommentar
„When A Stranger Calls“, von Routinier Simon West („Con Air“, „Tomb Raider“) inszeniert, dürfte alle Liebhaber von Psychothrillern schwer enttäuschen. Viel zu spät nimmt die Geschichte Fahrt auf und das Drehbuch versäumt es, trotz genug Filmzeit, individuelle Charaktere zu zeichnen. Übrig bleiben eine verloren und überfordert wirkende Hauptdarstellerin und ein sehr wirres (Film-)ende.
Kritik
Read between the lines. Diesmal: Auszüge aus dem Pressematerial. „Ken Lemberger, der ehemalige Co-President von Sony Pictures Entertainment, [bekundet] Interesse […]. ‚Nachdem ich Sony verlassen hatte, fragte ich Amy Pascal, ob es ihr was ausmachte, wenn ich mal im Archiv stöberte und bei den zugänglichen Rechten nach Material Ausschau halten würde, das man neu adaptieren könnte’, erinnert sich Lemberger. ‚Ich suchte nach Filmen, die seinerzeit kommerziell nicht sonderlich erfolgreich waren […].’“ Mit anderen Worten: Lemberger suchte Streifen, die er für möglichst wenig Geld abgreifen konnte, um diese dann der mittlerweile etwas leidigen Remake-Praxis Hollywoods zu unterziehen.

In diesem Fall erwischte es „When A Stranger Calls“ („Das Grauen kommt um zehn“ von 1979), Grundlage für eine der bekanntesten Urban Legends in Schülerkreisen: die Babysitterin wird im fremden Haus von einem Unbekannten überfallen und dieser lässt dann den berühmten Satz fallen, der die junge Schöne ins obere Stockwerk locken soll: „Hast Du auch nach den Kindern gesehen?“ Wie lange dauert es nun durchschnittlich, diese unheimliche Geschichte im Freundeskreis zu erzählen? Fünf Minuten? Zehn? Konsens dürfte wohl darüber bestehen, dass es sich keinesfalls um 87 Minuten handeln solte. Denn das ist das grundsätzliche Problem von „When A Stranger Calls“. Es passiert schlichtweg zu wenig.

Das tut auch der jungen Hauptdarstellerin und ihrem minimalistischen Spiel nicht gut, mit immer wiederkehrender Mimik dreht sie Runde um Runde im Edelhaus, welches designermäßig sehr gut gelungen ist. Immer wieder mahnt das Pressematerial an, daß wirklicher Grusel kein Blut benötige - das ist sicherlich richtig, allerdings stellt "When A Stranger Calls" kein gelungenes Beispiel für blutarmen Grusel dar, viel eher hätte man sich auf Produzentenseits als Einstimmung "The Others" oder "A Tale Of Two Sisters" ansehen sollen. So bleibt eine Leere übrig, die weder Schauspieler noch Requisite zu füllen vermögen. Dass zum x-ten Male auf gängige Motive zurück gegriffen wird, ist dabei ein begleitendes Ärgernis: Egal, ob die Katze der Babysitterin aufgeregt entgegen springt oder die erotisch-aufgeladenere Darstellerin zuerst gerichtet wird - alles alte Bekannte, die man zum Essen nicht mehr einladen möchte, da man bereits weiß, daß sie sich nicht ordentlich benehmen können.

Spannender ist es nur, Autowerbeprospekte rückwärts zu lesen: austauschbare Dutzendware für das Privatfernsehen.


Rudolf Inderst