16 Blocks

USA, 102min
R:Richard Donner
B:Richard Wenk
D:Bruce Willis,
Mos Def,
David Morse,
Cylk Cozart,
Jenna Stern
L:IMDb
„Days change, seasons change, people don’t change.”
Inhalt
Er wollte einfach nur nach Hause und etwas trinken. Aber um 8.02 Uhr bekommt der verkaterte NYPD-Detective Jack Mosley einen scheinbar einfachen Auftrag: Der Kleinkriminelle Eddie Bunker soll um 10 Uhr vor einem Untersuchungsausschuss aussagen und muss aus seiner Zelle zum Gerichtsgebäude gebracht werden – das ist 16 Häuserblocks entfernt. In 15 Minuten wäre die Sache erledigt, dann könnte er endlich nach Hause. Jack ist ein Versager – er hat keine Kondition, dafür aber ein schlimmes Bein und erhebliche Alkoholprobleme. Er ist absolut nicht in der Stimmung, sich mit einem Ganoven herumzuärgern, der sein halbes Leben im Knast gesessen hat. Aber hinter Eddies Ganovenfassade steckt ein Mensch, der diesen Teufelskreis durchbrechen will und ständig nach „Zeichen“ sucht, die ihm die Richtung in eine bessere Zukunft weisen. Doch Jack weiß es besser: Menschen ändern sich nie. Er sieht in Eddie nur einen erbärmlichen Denunzianten, dem man ein verlockendes Angebot macht … aber er wird ihn ja sowieso gleich wieder los.
Kurzkommentar
Es ist nicht völlig klar, was das Ziel der Regisseurs Richard Donners bei „16 Blocks“ war. Es handelt sich um keinen konsequenten Actionstreifen, verweigert aber konsequent die Einordnung in das Genre des komödiantischen Buddy-Movies. Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen: Bruce Willis war auf der Leinwand noch nie derart hässlich.
Kritik
Eine Warnung vorweg: Liebhaber des originalsprachigen Kinofilms, welche allerdings nicht gänzlich sattelfest in der englischen Sprache unterwegs sind, sollten von einem Besuch des Originals Abstand nehmen und sich der deutschen Fassung hingeben. Mos Def, der den Kleinkriminellen Eddie Bunker spielt, spricht ein wahrlich brandheißes Englisch.

Der US-amerikanische Regisseur Richard Donner, auf dessen Konto interessante Produktionen wie etwa „The Omen“, „Superman“ oder die „Lethal-Weapon“-Reihe gehen, lehnt sich in „16 Blocks“ nahe an einen Clint Eastwood-Klassiker aus dem Jahr 1977 an – in „The Gauntlet“ muss letzter sich ebenfalls mit einem korrupten Staatsapparat anlegen, um einen Zeugentransport sicher zu stellen. Dabei bringt „16 Blocks“, der an Schauplätzen in New York und Toronto entstand, ein seltsames Gespann zusammen, das sich in Echtzeit auf der Flucht vor korrupten Polizeibeamten quer durch New York bewegt. Sicherlich könnte man kritisch monieren, dass der Zuseher es mit nichts anderem zu tun hat als mit dem „Robin Crusoe“-Mythos: Bruce Willis kümmert sich als paternalistischer weißer Mann um den leicht senil wirkenden schwarzen Gefangenen, der unterwürfig langsam von Filmminute zu Filmminute (110 sind es immerhin) Züge einer Freundschaft entwickelt und sich gegen Ende des in zweieinhalb Monaten abgedrehten „16 Blocks“ dankbar grinsend präsentiert.

Doch das trifft nicht den Ton des Films, der das hektische New York in all seiner Regsamkeit grandios einfängt, und gerne mit Farbfiltern arbeitet. Andererseits lässt sich der Film eben auch nicht als typisches Buddy-Movie einordnen, obgleich einige amüsante Szenen ihren Weg in „16 Blocks“ gefunden haben, der am Startwochenende lediglich 11 Millionen Dollar in den Vereinigten Staaten einspielte. Zu keinem Moment des Films hat man das Gefühl, die portraitierten Partner sind gleichwertige Akteure. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Polizeikorruption ist natürlich auch nicht zu erwarten. Was bleibt also?

Muss es rasante Action richten? Versuche werden zweifellos gestartet. Hektisch-trockene Schießereien, gepaart mit ein paar sehr cleveren, verwirrenden Schnitten, tauchen immer wieder in dem durchgehend gelungen besetzten Film auf. Überhaupt bleiben Analogien zu Videospielen nicht aus: 16 Häuserblocks könnten 16 verschiedene Level sein – jedes bietet seine eigenen Herausforderungen. Für Bruce Willis scheint der Ausflug in Komödien und ruhige Thriller wie „The Sixth Sense“ vorbei zu sein, „Hostage“, „Sin City“ und nun „16 Blocks“ stellen in erster Linie das Warm-up Programm für eine Rückkehr von John McClane in „Die Hard 4“ dar.

Etwas sperriges Semi-Action-Vehikel, das den Zuseher leicht entgeistert zurücklässt.


Rudolf Inderst