Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell
(Basic Instinct 2: Risk Addiction)

USA / Großbritannien / Deutschland / Spanien, 114min
R:Michael Caton-Jones
B:Leora Barish, Henry Bean, Joe Eszterhas
D:Sharon Stone,
David Morrissey,
Charlotte Rampling,
David Thewlis,
Hugh Dancy
L:IMDb
„Ich hasse Langeweile”
Inhalt
Catherine Tramell (Sharon Stone) gerät in London erneut in Konflikt mit dem Gesetz. Und auch Scotland Yards charismatischer Kriminalpsychologe Dr. Michael Glass (David Morrissey) verfällt, ähnlich wie einst sein Vorgänger Nick Curran, ihrem gefährlichen Bann, als er versucht den mysteriösen Tod eines Profisportlers aufzuklären.
Kurzkommentar
Die Regiearbeit von Michael Caton-Jones ist ein ärgerliches Beispiel von Videothekendurchschnittsware. Der Mangel an Gespür für eine spannende Inszenierung wird ergänzt durch ein absurdes Drehbuch voller Ungereimtheiten, welche den Zuseher schneller ermüden als Sharon Stone als Pseudo-femme fatal ihre Schenkel spreizen kann.
Kritik
Ich bin verführerisch. Aber ich bin auch gefährlich. Ich bin verführerisch. Aber ich bin auch gefährlich. Ich bin verführerisch. Aber ich bin auch gefährlich. Ich bin verführerisch. Aber ich bin auch gefährlich. Ich bin verführerisch. Aber ich bin auch gefährlich.

So, schon genug? Dann dürfte sich ein Besuch von 114 Minuten „Basic Instinct 2“ für Sie erledigt haben. Der deutsche Titel „Neues Spiel für Catherine Tramel“ ist natürlich eine schamlose Irreführung, nicht nur bewegt sich der Titel an sich hart an der Grenze des Werbekreativ-Erträglichen, sondern er schützt vor, es handle sich um ein „neues Spiel“. Basic Instinct mag einige Eigenschaften aufweisen, etwas „Neues“ ist jedoch beileibe nicht zu entdecken! Liest man jedoch die Pressematerialen, möchte man meinen, Promiproduzent Mario F. Kassar habe das Genre Thriller neu erfunden.

Sharon Stone, die den Gerüchten nach ihren ersten Auftritt als Catherine Tramel ihrer äußerlichen Ähnlichkeit mit „Vertigo“-Legende Kim Novak zu verdanken hat, ist die zentrale Figur und gleichzeitig Mittelpunkt des Versagens des Films. Dabei sollte über Diskussion über etwaige Alterungsprozesse hinweg gesehen werden, denn das ist nicht der Punkt. Schon eher beschleicht den Zuseher das Gefühl, Stone kämpft fortwährend mit sich selbst. Die nette Mutter und sozial engagierte Schauspielerin muss ihr Wesen so sehr verleugnen, dass schlichtweg nichts mehr auf der Leinwand übrig bleibt, keine Rolle, keine Darstellung nichts. Ein Loch, ein Ledersessel. Das große Erotik- und Psychoduell findet in „Basic Instinct 2“ nicht statt, David Morrissey, der als extrem heterosexueller Psychologe als Nemesis etabliert werden soll, ist eine filmische Nullnummer. Gäbe es einen dritten Teil und würde man seitens Produktion diese seichte Konzept beibehalten, hätte Frau Stone als Vamp der tausend Lüste sicherlich demnächst ihren homosexuellen Vater zu verführen: Basic Instinct: End Game.

Es ist erstaunlich, dass Norman Garwood, der an dem fantastischen „Brazil“ (1984) mitarbeitete, und nun für das Produktionsdesign bei „Basic Instinct 2“ zuständig war, alles im besten „Ikea-nur-ein-bißchen-geldiger“-Stil einrichtet, und dass weiterhin die erfahrene Ungarin Beatrix Aruna Pasztor in Sachen Kostümdesign so gründlich daneben greift, während Kameramann Gyula Pados den Begriff „cool“ eiskalt mit „mehr Blaustich“ verwechselt.

Es gibt tatsächlich sehr unterschiedliche Arten von Filmsequels. Es gibt in etwa zweite Teile einer geplanten Trilogie („Indiana Jones“) oder einer nicht geplanten („Matrix“), es gibt Quasi-Remakes („Evil Dead“), aber es gibt auch Streifen, bei denen eigentlich von Beginn klar ist, wohin sie gehören. Vertreter dieser speziellen Spezies sind zum Beispiel „American Psycho 2“, Mimic 2“ oder „Carrie 2“ – und nach diesen Zeilen dürfte auch jeder Leser/ jede Leserin verstanden haben, in welcher Sequel-Schublade man „Basic Instinct 2“ getrost vergessen kann.

Unterdurchschnittlicher B-Thriller, welchem es an Einfallsreichtum und Atmosphäre fehlt.


Rudolf Inderst