Underworld: Evolution

USA, 108min
R:Len Weisman
B:Len Weisman, Danny McBride, Kevin Grevioux
D:Kate Beckinsale,
Scott Speedman,
Tony Curran,
Shane Brolly,
Steven Mackintosh
L:IMDb
„There’s never been a hybrid before. However ambivalent you might feel about it, the truth is, your powers could be limitless”
Inhalt
Nachdem sie den Vampir-Ältesten Viktor getötet hat, wird eine gnadenlose Jagd auf die Vampirin Selene eröffnet. Sie sieht nur einen Ausweg aus ihrer prekären Lage: Um ihr Leben zu retten, will sie Vampirkönig Marcus anrufen und ihr Schicksal in seine Hände legen. Doch anstatt sie zu beschützen, attackiert er Selene auf der Stelle – nur mit Hilfe des Hybriden Michael, halb Werwolf, halb Vampir, kann sie entkommen. Erschüttert von der Erkenntnis, dass sie von ihrer eigenen Familie verraten wurde, macht sich Selene mit Michael auf die Suche, die dunklen Geheimnisse der Vampire und ihrer Blutlinie aufzudecken. Sie ahnt nicht, dass ausgerechnet Michael die Antwort auf alle Fragen bei sich trägt – und sie selbst als einzige die Macht hat, das Ende der Welt abzuwenden und dem ewigen Krieg ein Ende zu bereiten.
Kurzkommentar
Der ökonomische Überraschungshit „Underworld“ (2003) erhält, abermals unter der Regie von Len Wiseman, ein Sequel, das in punkto Härte und Gewalt deutlich zulegt. Die konfuse Hintergrundgeschichte um Bruderliebe und Rassenwahn löst sich dabei leider irgendwann in den rund 100 Filmminuten zwischen Pulverdampf und Blutfontäne reichlich unspektakulär auf.
Kritik
Evolution ist von drei Faktoren abhängig: Replikation, Variation und Selektion. Evolutionsbiologen sind sich alle andere als einig darüber, ob aus dem Vorhandensein dieser drei Grundvariablen sich auch zwingend Leben entwickeln muss. Allerdings herrscht weitgehend Einigkeit, was eine andere mögliche Folge von Evolution betrifft. Nur in sehr seltenen Fällen entwickelt sich aus Evolution nämlich Intelligenz.

Der 50 Millionen Dollar teuere „Underworld Evolution“ des ehemaligen Werberegisseurs Wiseman, der mit Hauptdarstellerin Kate Beckinsale verheiratet ist, schafft eine Filmwelt, die völlig ohne Zivilgesellschaft auskommt – in dem in Vancouver gedrehten Vampirfilm gibt es nur drei Sorten von Gestalten: Vampire, Werwölfe und Soldaten. Und natürlich die Vermengung und Vermischung aller drei Gruppen, weswegen man Wiseman auch liberale Phantasien von interracial issues unterstellen könnte. Sex jedenfalls gibt es. Spießigen allerdings. Doch „Vigyazat!“ oder „Vorsicht!“, wie es übersetzt lautet, „Underworld Evolution“ geht nicht so weit, westlichen Suprermatismus in Frage zu stellen, die portraitierten Einwohner Ost-Irgendwo-istans (Ungarn soll es sein!) sind allesamt schweigsame, finstere Dorftrottel.

Das Spiel der beiden Hauptdarsteller als unterkühlt zu bezeichnen, wäre eine glatte Übertreibung. Selbst übelste Revolverblätter müssten auf die Schlagzeile „Es knisterte am Set.“ verzichten, denn knistern und knattern bleibt den eigentlichen Hauptdarstellern des Films vorbehalten: Entladen und „FEUER FREI!“ Es ist tatsächlich so, wie es die Filmjournalistin Heike Kühn in ihrem wunderbaren Aufsatz „Blut – ein ganz besonderer Saft. Über Vampire und das Kino“ schreibt: „Der Sieg, um es ganz krude zu sagen, ist davon abhängig, wer wen zuerst durchlöchert.“ Die Drehzeit von November 2004 bis März 2005 wurde gut genutzt, um gerade noch FSK-16 kompatible Gewalt zu choreographieren und hochleistungsmäßig zu rendern. Edel-Trash der Marke Torsten Sträter inklusive beeindruckenden Set-Bauten der Marke „So-war-das-Mittelalter“. Make up und Special FX leisten überragende Arbeit und vereinzelte Kamerafahrten vermitteln Lust auf Leinwand.

Zwischen all den genüsslich-satt inszenierten Enthauptungen und Penetrationen bleibt gerade noch Zeit, von diversen Rückblenden angeschoben, eine Hintergrundgeschichte zu präsentieren, die jedoch derart rudimentär bleibt, dass man nur hoffen kann, Wiseman schrieb sie bei Vollmond und wusste nicht, was er tat. Tat er es dennoch bewusst, ist ihm zu unterstellen, sich eine Mischung aus Blade 2 und 3 erdacht zu haben: Beckinsale wird zum Daywalker und aus ihrer Erzählung im Off lässt sich bedrohlich interpretieren, dass dem Zuseher ein drittel Teil ins Haus steht.

Auf pseudo-düster getrimmte Achterbahnfahrt durchs Klischeekabinett falsch verstandener Goth-Logik samt reichlich gun play.


Rudolf Inderst