Dark, The

Großbritannien, 93min
R:John Fawcett
B:Simon Maginn, Stephen Massicotte
D:Maria Bello,
Sean Bean,
Maurice Roëves,
Sophie Stuckey,
Abigail Stone
L:IMDb
„One of the Living for one of the Dead”
Inhalt
In der Hoffnung, ihre junge Familie wieder zusammenzuführen, fährt die New Yorkerin Adelle mit ihrer Tochter Sarah nach Wales. Dort lebt ihr Ehemann James in einem abgelegenen Farmhaus an der Küste. Schon kurz nach der Ankunft erlebt Adelle den schlimmsten Albtraum, den eine Mutter erleben kann: Sarah verschwindet in den dunklen Tiefen des Meeres. Während sich James auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter macht, wird Adelle von Visionen heimgesucht, die ihre schlimmsten Ängste offenbaren. Es stellt sich heraus, dass die Farm eine dunkle Vergangenheit hat, die sich bis in die Gegenwart erstreckt. Als die kleine Ebrill plötzlich auftaucht, spürt Adelle, dass dieses mysteriöse Mädchen weiß, wo ihre Tochter ist. Sie kommt einer alten walisischen Legende auf die Spur, wonach ein Toter dann zurückkehrt, wenn ein Lebender geopfert wird.
Kurzkommentar
Basierend auf der Geschichte "Sheep" von Simon Maggin bastelt John Facwett, der Macher der Werwolf-Mär "Ginger Snaps", einen soliden Geisterfilm, der weniger durch Atmosphäre als durch schnelle Schnitte und gelungenes Sounddesign punkten kann. Genrefreunde werden zufrieden nicken und der Rest wendet sich etwas enttäuscht ab.
Kritik
Ich spekuliere. Paul Anderson ist sauer. Nicht er, sondern Christopher Gans darf sich der Videospiel-Adaption "Silent Hill" widmen. Darum rächt man sich. In Form des Set Designs von "The Dark". Doch alles der Reihe rein. Der drei Millionen Dollar teuere Film, welcher komplett in England entstand und der seinen Weg nicht in die amerikanischen Kinos finden wird (und auch mit erstaunlich wenigen Kopien in den deutschen Kinos anläuft), zeigt gerne und ausführlich Wellengang. Wasser, das an Land gespült wird. Er reflektiert damit ungewollt sich selbst und wie er im zeitgenössischen Horrorfilmdiskurs zu verorten ist: "The Dark" erinnert optisch stark an das Ring-Remake von Gore Verbinski. Irgendwie seltsam müde schwappt er gerade noch rechtzeitig Land (= in die Kinos), um leider dort im Sand zu verlaufen. Mehr oder minder unbemerkt.

Das haben eigentlich mindestens zwei Leute nicht verdient. Zum einen der Regisseur selbst, der einen erfrischend anderen Werwolf-Film namens "Ginger Snaps" im Jahr 2000 inszenierte. Schnell stellte sich aber heraus, dass dies leider nicht der Auftakt einer großen Karriere war. Die andere Person, die durch ihre Rolle in "The Dark" verheizt wird, ist Maria Bello. Nach dem großartigen "The Cooler" hätte man ihr tatsächlich eine große Hauptrolle gewünscht - hier, so scheint es, darf sie lediglich eine schlechte Kopie von Naomi Watts abgeben. Sean Bean als Familienvater, dessen eigener Fluch es ist, in Hollywood stets als "Irish/English-Villain" eingesetzt zu werden, bleibt seltsam blass und unauffällig.

Die Familie war schon immer ein zentrales Motiv in Horrorfilmen, sei es "Poltergeist" oder "Amityville Horror". Die Bedrohung sucht sich langsam einen Zugang, sie sucht einen Schwachpunkt, so wie in etwa der Alkoholismus des Vaters in "Poltergeist 2: The other Side". So kann das Heiligste, die Integrität des Familienverbandes spektakulär ins Schwanken gebracht werden. Die Rückbesinnung auf die eigene Stärke durch Zusammenhalt und Loyalität, das Wiedererlangen von Gleichgewicht ist dann das Streben der Protagonisten. Die Familienzusammenführung fordert auch in "The Dark" Opfer - dies wird der schrecklich einseitig portraitierten mondänen New Yorker Singlemutter während des Films klar: Um ihre Tochter zu retten und die Familie zu beschützen, ist sie bereit, alles zu geben. Es ist schön zu sehen, dass Christian Sebaldt seinem Amoklauf-Kamerastil abgeschworen hat, welchen er noch zu Zeiten von „Resident Evil 2“ hatte, stattdessen erlebt der Zuseher malerisches Grün und imposante Kamerafahrten, welche die Höhe und Schroffheit der Felsküsten gelungen einfangen.

Auch die Zwischenwelt, in die Adelle hinabsteigen muss, um ihre Tochter Sarah (aus dem Strasber'schen Zimmer der Angst) zu retten, ist optisch ein Genuss. Zunächst wirkt alles wie in Photographien des Briten Simon Marsden - aber dann ändert sich alles schlagartig. An dieser Stelle möchte ich auf die Eingangssätze zurückkommen. Wer sich ein wenig mit dem Videospiel Silent Hill beschäftigt hat, weiß, dass an bestimmten Stellen des Spiels, die Spielwelt "umkippt", das heißt, die Orte, an denen sich der Protagonist bewegt, bleiben die selben, nur deren Optik verändert sich: Plötzlich ist alles alt, verdreckt und finster. Dieses Konzept machen sich auch die Set Designer zunutze und schicken die Mutter durch ihre schlimmsten Alpträume hindurch. Positiv könnte zusätzlich vermerkt werden, dass "The Dark" in einer Mythenwelt wildert, die der Mainstreamhorror bisher nicht sonderlich beachtet hat. Am ehesten möchte man auf "The Wicker Man" von 1973 verweisen, "The Dark" jedoch bleibt weit hinter dessen Klasse zurück. Der Soundtrack wirkt aufgesetzt theatralisch und mehrere Spuren zu pompös. Als gelungen wiederum ist der deutsche Internetauftritt des Films zu bewerten - allerdings fragt man sich halb lachend, halb weinend, weshalb die Seite im Netz bei Zeiten mehr Furcht hervorruft als der Spielfilm selbst.

Etwas wirrer Ethno-Horror mit Motiven, welche aus japanischen Geisterfilmen hinreichend bekannt sein dürften


Rudolf Inderst